Rot-Weiß-Trainer Thomas Brdaric: „Uns fehlen Stürmer-Tore“

Erfurt  Durch die ernüchternde 0:3-Niederlage bei Union Fürstenwalde rutschte der FC Rot-Weiß in der Fußball-Regionalliga auf den zwölften Tabellenplatz ab. Die Kritik an der Mannschaft, aber auch dem Trainer wird lauter.

Thomas Brdaric (Archivbild).

Thomas Brdaric (Archivbild).

Foto: Frank Stelnhorst

Wir sprachen mit Thomas Brdaric über den schwachen Auftritt am Samstag, die bisher enttäuschende Saison und seine persönliche Rolle.

Herr Brdaric, Sie haben sich für den Auftritt Ihrer Mannschaft beim 0:3 in Fürstenwalde entschuldigt. Warum?

Weil ich mich vor meine Mannschaft stellen wollte. Ich trage als Cheftrainer die Verantwortung. Die Spieler sollen die Möglichkeit haben, sich selbst zu reflektieren.

Sie haben nach dem Abpfiff Konsequenzen angekündigt. Wie werden diese aussehen?

Ich habe mir das Spiel am Sonntagvormittag noch einmal angeguckt und festgestellt: Zum wiederholten Male steht der Ertrag in keinem Verhältnis zu den Dingen, die wir investieren. Meinen Trainingsplan für die Woche habe ich so ausgerichtet, dass jeder Spieler die Chance kriegt, es am Freitag gegen Halberstadt besser zu machen.

Also wird kein Spieler aussortiert, wie es Heiko Scholz in Nordhausen gemacht hatte?

Soll ich unsere jungen Spieler bestrafen, dass sie noch Fehler machen? Oder diejenigen, die das Tor nicht treffen? Es geht hier um Geduld und einen Lernprozess. Bis vor zwei Wochen und dem Einstieg der Investoren wussten wir noch nicht einmal, ob es bei Rot-Weiß überhaupt weitergeht. Und außerdem ist eine solche Maßnahme auch immer eine Frage der Alternativen.

Weshalb lief in Fürstenwalde alles schief?

Es war nicht alles schlecht; genauso wenig, wie beim 3:0 gegen Bischofswerda alles gut war. Es ist brutal, wenn man in der Anfangsphase drei Tore frisst. Da tut sich jede Mannschaft schwer, wieder zurückzukommen. Doch klar ist auch: So fahrlässig darf man nicht verteidigen – noch dazu mit einer Fünferkette und zwei defensiven Mittelfeldspielern davor.

Worin sehen Sie die Ursachen für die bislang so schwache Saison?

Uns fehlen Stürmer-Tore, ganz einfach. Wir haben auch in Fürstenwalde wieder beste Chancen nicht genutzt. Natürlich hatten wir gehofft, mit den neuen Spielern einen Shala kompensieren zu können. Aber das ist eben auch ein Stück weit ein Experiment. Bei allem Trainingseifer – man braucht Wettkampftypen, die treffen, wenn es darauf ankommt. Deshalb tat uns der wochenlange Ausfall von Jovanovic so weh. Ich hoffe, dass er uns jetzt die nötige Torgefahr zurückbringt.

Warum ist im Jahr 2019 keine Weiterentwicklung erkennbar?

Bei allem Wunschdenken müssen wir doch realistisch bleiben. Seit November 2018 sind wir vom Budget her drei Schritte zurückgegangen – erst, als die Lichter fast ausgingen, dann im Winter und jetzt im Sommer noch einmal. Da sind keine großen Sprünge möglich. Dass der Trainer an allem schuld sein soll, ist zu einfach.

Wie sehr trifft Sie die aufgekommene Kritik an Ihrer Person?

Das schüttele ich ab, dafür bin ich Profi genug. Meine Aufgabe ist es, die Mannschaft konditionell, technisch und taktisch so vorzubereiten, dass sie wettbewerbsfähig ist. Hätten wir uns keine Chancen erspielt, würde ich mir Gedanken machen.

Hat Ihr Image durch den Flirt mit Chemnitz gelitten?

Mein Standing soll sich verschlechtert haben, weil sich ein höherklassiger Verein für mich interessiert hat? Das wäre ja komisch. Das Gegenteil müsste eigentlich der Fall sein. Es gab auch Anfragen anderer Vereine, die nicht rausgekommen sind. Dies habe ich Herrn Reinhardt (der Insolvenzverwalter/d.R.) immer mitgeteilt und mich stets zu Erfurt bekannt. Ich bin bereit und gewillt, für den Verein als Trainer zu arbeiten und dessen Zukunft mitzugestalten.

Die Gegenwart heißt Tabellenplatz zwölf: Wird jetzt der Abstiegskampf ausgerufen?

Ich wehre mich dagegen, nach jedem Spiel die Lage neu zu bewerten. Hätten wir gewonnen, wären wir Neunter. Ich weiß, wie wir arbeiten und was wir investieren. Und ich bin überzeugt davon, dass derjenige, der auch Rückschläge verkraftet und nicht gleich alles schlecht redet, auf Dauer Erfolg haben wird.

Entscheidung in den ersten 26 Minuten

Nach gut einer Stunde wurde der ganze Frust der Fans auch sichtbar. Die etwa 180 mitgereisten Erfurter Anhänger hängten ihre Fahnen und Transparente ab, um ihre Unzufriedenheit mit der Darbietung des Rot-Weiß-Teams in Fürstenwalde zum Ausdruck zu bringen. Nach dem Abpfiff gab es zudem noch eine deutliche Aussprache am Stadi­onzaun; später entschuldigte sich Trainer Thomas Brdaric für die gezeigte Leistung.

Es war nicht nur das klare 0:3, das viele Beobachter fassungslos von dannen ziehen ließ. Vor allem der emotionslose, teilweise wehrlose Auftritt machte betroffen; ebenso wie die Erkenntnis, dass die Erfurter mit dem Ergebnis noch gut bedient waren.

Stettin (3./26.) und der hochmotivierte Ex-Rot-Weiße Geurts (22.) hatten bereits nach einer knappen halben Stunde die Entscheidung herbeigeführt. Von Gladrows kurz vor der Torlinie abgewehrtem Versuch und Aydemirs Eckball an die Latte abgesehen, brachte Rot-Weiß nichts zustande.

Selbst mit neuen Offensivkräften nach der Pause (Jovanovic, Abu-Alfa, Veselinovic) passierte nichts Zwingendes. Und am Ende konnten die Erfurter froh sein, dass Fürstenwalde den 3:0-Vorsprung nur noch verwaltete.

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