Sensible Fotos aus Siebenbürgen in der Erfurter Kunsthalle

Erfurt.  Sieben Wochen war Marcus Glahn in Transsilvanien unterwegs – auf der Suche nach den letzten Siebenbürger Sachsen.

Die Kunsthalle Erfurt zeigt die Ausstellung "Was soll man?" mit Fotografien aus Siebenbürgen, die Marcus Glahn aufgenommen hat.

Die Kunsthalle Erfurt zeigt die Ausstellung "Was soll man?" mit Fotografien aus Siebenbürgen, die Marcus Glahn aufgenommen hat.

Foto: Frank Karmeyer

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Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutschsprachige Minderheit im heutigen Rumänien, die die Reliktmundart Siebenbürgisch-Sächsisch sprechen. Marcus Glahn hat Orte wie Rothberg, Reichesdorf, und Rauthal besucht. Sieben Wochen lang hat er über zwei Jahre verteilt die Region südlich der Karpaten bereist – auf der Suche nach den letzten Siebenbürger Sachsen.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs sind viele nach nach Deutschland abgewandert, oft in den süddeutschen Raum. Je Ort hat er noch ein, zwei von ihnen gefunden, sich ihre Geschichten angehört und von ihren Wünschen und Erwartungen ans Leben erfahren. Und er hat sie fotografiert. Eine sehr sensible Fotoserie ist entstanden, auf der Spur von Traditionen und Kultur. Glahns atmosphärische Porträts und Landschaftsaufnahmen finden sich nun in der Kunsthalle am Fischmarkt wieder.

Porträtierte ohne Posen

„Was soll man?“ lautet der Titel der Ausstellung, die keinesfalls resignierte Menschen zeigt, wie der Titel vermuten lässt. Zwar lässt der in Siebenbürgen immer wieder gehörte Ausspruch die Sorge vor der Zukunft anklingen – schließlich sind 95 Prozent der Minderheit abgewandert, hat Höfe und Nachbarn verwaist zurückgelassen – aber es spricht auch Stolz und Zufriedenheit aus den Gesichtern dieser in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld Porträtierten. Ohne dass sie Posen einnehmen, wie es in westlichen Ländern längst üblich ist. „Die Menschen ruhen in sich, drängen sich nicht in den Vordergrund“, findet denn auch Susanne Knorr, Kuratorin der Kunstmuseen Erfurts und Vorsitzende des Kunstvereins.

Aufnahmen, die wirken, als sei die Zeit stehengeblieben. Wohnungen und Werkzeuge sind zu sehen, die an die 70er Jahre erinnern. Als besonders gastfreundlich hat Marcus Glahn die Menschen kennengelernt in diesem Transsilvanien genannten, äußerst malerischen Landstrich, den die Siebenbürger Sachsen einst urbar gemacht haben. Verständigt hat er sich mit seinen Gastgebern mit Händen und Füßen, wurde oft beschenkt, mal mit Schnaps, mal mit einer Zucchini. Kennengelernt hat Glahn den Landstrich auch als hervorragendes Reiseziel, wenn es ums Klettern, Wandern oder Fahrradfahren geht.

Die Ausstellung, die knapp 30 Bilder umfasst, aufgenommen mit einer Leica und nur mittels einem einzelnen Objektiv, ist ein Kooperationsprojekt der Kunsthalle Erfurt. Geplant ist ein Katalog, der etwa 70 Aufnahmen zeigt.

Eröffnet wird die Ausstellung in der Kunsthalle am Donnerstag, 14. November, um 19 Uhr.

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