Stadtrat tagt im Zeichen des Gedenkens

Erfurt.  Der Stadtrat tagte erstmals in der Thüringenhalle, aber nur kurz. Beschlossen wurde ein Erinnerungsort an die Bücherverbrennung von 1933.

Der Erfurter Stadtrat tagte wegen der Corona-Regeln erstmals in der Thüringenhalle.

Der Erfurter Stadtrat tagte wegen der Corona-Regeln erstmals in der Thüringenhalle.

Foto: Marco Schmidt

Ganz im Zeichen des Gedenkens stand die kurze Stadtratssitzung am Mittwoch, die wegen der Corona-Abstandsregeln erstmals in der Thüringenhalle stattfand. Mit einer Schweigeminute anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung am Freitag gedachten die Teilnehmer der Opfer des Zweiten Weltkriegs.

„Im Gedenken an das Kriegsende müssen wir den Blick schärfen für unsere gesellschaftliche Verantwortung“, sagte Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). „Wir haben keine Toleranz für Antisemitismus und jegliche Form von Rassismus.“ Für Freitag kündigte Bausewein eine Gedenktafel in der Johannesstraße an, die an die Befreiung Erfurts durch amerikanische Truppen erinnern soll.

Der Stadtrat beschloss zudem, an der Cyriaksburg einen Erinnerungsort an die Bücherverbrennung vom 29. Juni 1933 einzurichten. Die „Omas gegen Rechts“ hätten den Anstoß gegeben, sagte Grüne-Fraktions-Chefin Astrid Rothe-Beinlich. „Ich freue mich, dass alle demokratischen Fraktionen sich dem Wunsch angeschlossen haben, das Gedenken wach und den Erinnerungsort lebendig zu halten.“

Die AfD, die als einzige Fraktion den Antrag nicht mit eingebracht hatte, enthielt sich. Das Gedenken dieses Tages sei zwar ein wichtiges Anliegen, meinte René Aust. Er verwies aber auf die „Belastungen des Haushalts in dieser finanziell schwierigen Zeit“. Damit spielte er auf eine Stellungnahme der Verwaltung an, in der von einem Wettbewerb mit Jury und Kosten von rund 120.000 Euro die Rede war.

Rothe-Beinlich hatte zuvor betont, dass nicht zwingend ein Wettbewerb nötig sei und es darum gehe, offen und kreativ nach Ideen für ein Gedenken zu suchen. „Die Vorlage ist hinreichend offen“, meinte auch Wolfgang Beese (SPD). „Die Enthaltung der AfD spricht für diese Vorlage.“ Kulturdezernent Tobias Knoblich (ptl.) meinte: „Ich finde es außerordentlich beschämend, bei diesem Thema über Geld zu reden.“