Verhaltene Freude bei den Thüringer Bulls über Titelgewinn nach Saisonabbruch

Elxleben.  Die Freude bei den Basketballern der Thuringia Bulls ist sehr verhalten. Mit dem Abbruch der aktuellen Saison ist die Mannschaft zum Saisonmeister erklärt worden.

Jubel 2019: Da holten sich die Thuringia Bulls (mit Matt Scott/rechts und Alexander Halouski) den Titel durch ein 73:70 über Lahn-Dill. In dieser Saison gab es eine Entscheidung am grünen Tisch.

Jubel 2019: Da holten sich die Thuringia Bulls (mit Matt Scott/rechts und Alexander Halouski) den Titel durch ein 73:70 über Lahn-Dill. In dieser Saison gab es eine Entscheidung am grünen Tisch.

Foto: Sascha Fromm

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Nein, die Nachricht hat bei Lutz Leßmann keinen Jubel ausgelöst. „Das ist ein Titel mehr, den wir auf unseren Grabstein schreiben können“, meint der Manager der Thuringia Bulls düster, um sich selbst sogleich zu widersprechen: „Aber als positiv denkender Mensch bin ich zuversichtlich, dass wir den Rollstuhl-Basketball in Elxleben erhalten können – wenn die Krise nicht zu lange anhält.“

Es wäre auch mehr als tragisch, wenn die sportliche Erfolgsgeschichte vor den Toren Erfurts durch die Corona-Pandemie ein jähes Ende finden würde. Nach dem Saisonabbruch vor den Play-offs sind die Bullen vom Rollstuhl-Sportverband zum deutschen Meister erklärt worden. Das Team von Trainer Michael Engel hatte die Hauptrunde mit 18 Erfolgen in 18 Spielen abgeschlossen. Mit dem vierten Meistertitel binnen fünf Jahren sowie dem erneuten Pokalsieg in dieser Saison untermauerten die Thüringer ihre Ausnahmestellung im Rollstuhl-Basketball.

Hans-Jürgen Bäumer, Kommissionsvorsitzender Spielbetrieb im Verband, kündigt an: „Für die Ehrung des deutschen Meisters und Vizemeisters 2020 werden wir einen Termin und dem Anlass entsprechenden Rahmen finden.“ Momentan sind allerdings alle Beteiligten, wie überall im Sport und vielen Teilen der Gesellschaft, zum Abwarten verdammt. Ein Stillstand, der mit großen Existenzängsten verbunden ist. Entsprechend verhalten fällt die Freude bei Leßmann aus.

„Ich weiß nicht, wie es bei uns weitergeht“, sagt der Vorsitzende des Reha-Sport-Bildung e. V. – eines Vereins, der an gut 200 Standorten Gesundheits- und Rehabilitationssport anbietet und Träger des Bulls-Projektes ist. „Durch die verordnete Schließung unseres Sportzentrums in Elxleben und aller Fitnessstudios brechen uns die kompletten Einnahmen weg. Wie wir ab April monatlich 400.000 Euro Lohnkosten für unsere Mitarbeiter aufbringen können, weiß ich beim besten Willen nicht“, erklärt Leßmann.

Kurzarbeitergeld für seine Angestellten sei zwar beantragt – wann es ausgezahlt wird, ist jedoch ungewiss. Fest steht nur: Der Verein kann nicht über Monate in finanzielle Vorleistung gehen. Zumal keiner weiß, wie lange der Sport ruhen wird und dadurch die Mitgliedsbeiträge ausbleiben. Denn für Leßmann ist klar: „So lange wir kein Angebot unterbreiten können, werden wir kein Geld kassieren.“

In der bedrohlichen Lage hat in Elxleben niemand große Lust, auf das „Double“ anzustoßen. Dabei sind die Bulls noch alle beisammen. Die US-Amerikaner Matt Scott und Jake Williams verzichteten ebenso auf die Heimreise wie die Holländerin Jitske Visser. Deren Großeltern sind schwer am Corona-Virus erkrankt, die Rückkehr zur Familie wäre ziemlich riskant. Sie lenkt sich ebenso wie die Teamkollegen mit individuellem Training ab.

Leßmann indes schöpft Kraft bei ausgedehnten Spaziergängen mit Jagdhund „Alma“. Auch wenn der Kopf derzeit voll ist mit tausend Gedanken. Und noch mehr Fragen.

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