Vernünftig bis gewagt: Erfurter Klöppelgruppe experimentiert

Erfurt.  „Bauhausmädels tragen Kragen“ heißt eine Ausstellung der Erfurter Klöppelgruppe in der Michaeliskirche.

Edelgard Wiegand mit Exponaten in der Michaeliskirche: Ihre Entwürfe sind der weiße geklöppelte Kragen mit einem Hauch von Filz auf der Rückseite sowie der in Rosétönen gefilzte Umlegekragen, der während des Lockdowns im Frühjahr entstand.

Edelgard Wiegand mit Exponaten in der Michaeliskirche: Ihre Entwürfe sind der weiße geklöppelte Kragen mit einem Hauch von Filz auf der Rückseite sowie der in Rosétönen gefilzte Umlegekragen, der während des Lockdowns im Frühjahr entstand.

Foto: Heidrun Lehmann

Der aus dem Erzgebirge stammende Ehemann gab den Anstoß, dass Edelgard Wiegand ihre Leidenschaft fürs Klöppeln entdeckte: Statt immerzu nur zu stricken und wieder aufzutrennen, solle sie sich „mit etwas Vernünftigem“ befassen, fand der Göttergatte. Und diesem künstlerischen Hobby gewinnt die Vieselbacherin auch nach 40 Jahren immer wieder neue Seiten ab.

Techniken, Materialien und Art der Gestaltung wandeln sich

Es änderten sich die Techniken und Materialien. Die meisten der derzeit 22 Mitglieder der Erfurter Klöppelgruppe arbeiten nicht mehr traditionell nach dem Klöppelbrief, sondern bevorzugen die freie Gestaltung. Von Anfang an gehört Edelgard Wiegand der Erfurter Klöppelgruppe an, die seit 40 Jahren unter der Leitung von Diplomdesignerin Gerlinde Rusch in der volkskünstlerischen Fachwelt einen guten Ruf genießt, mit vielen Auszeichnungen bedacht wurde.

Dritte Ausstellung in der Michaeliskirche zum Bauhausjubiläum

Jeweils nach Themen wie „Feuer und Wasser“ oder „Tür und Tor“ arbeitend, nahmen die kunstfertigen Damen das Bauhausjubiläum 2019 zum Anlass, um ihre nunmehr dritte Ausstellung in der Michaeliskirche unter das Thema „Bauhausmädels tragen Kragen“ zu stellen.

Figurinen für die kunstvollen Arbeiten vom Theater geliehen

Die Exposition ist noch bis zum 1. November zu sehen. Das Theater der Stadt lieh den Klöpplerinnen und Textilgestalterinnen 31 Figurinen, auf denen die Arbeiten kunstvoll drapiert wurden. Da finden sich Kragen in reizvollen Materialmix-Varianten, die von Baumwolle, Wolle, indischen Garnen bis zum geklöppelten Drahtgeflecht oder Naturpapier reichen.

Edelgard Wiegand klingen noch die Worte von Kursleiterin Gerlinde Rusch in den Ohren, die beim Ankündigen des aktuellen Themas die Künstlerinnen ermunterte, sich ruhig etwas „Verrücktes“ beim Gestalten einfallen zu lassen. Immerhin verbinden sich die Gedanken an die frühen 1920er-Jahre mit der Ahnung von einer ziemlich verrückten, im Grunde aber nicht gerade „goldenen“ Zeit.

„Bauhausmädels tragen Kragen“: Ausstellung der Erfurter Klöppel-/Textilgruppen in der Michaeliskirche bis 1. November; montags bis samstags 11 bis 16 Uhr