Ein Jahr bei den „Jungen Ärzten“: Schauspieler Luan Gummich über die Freiheit, unterwegs zu sein

Erfurt  Schauspieler Luan Gummich spielt seit einem Jahr bei den „Jungen Ärzten“ mit. Mit uns sprach der 30-Jährige über seine Wurzeln, seine Serienrolle und über Erfurt.

Luan Gummich im fiktiven „Johannes-Thal-Klinikum“. Die Studios befinden sich im Kindermedienzentrum.

Foto: Birgit Kummer

In der Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ spielt Schauspieler Luan Gummich einen Jungdoktor mit finnischen Wurzeln. Im richtigen Leben fließt brasilianisches Blut durch seine Adern. Vier Sprachen spricht der junge Mann. Mit uns sprach der 30-Jährige über seine Wurzeln, seine Serienrolle und über Erfurt.

Hat Ihr ungewöhnlicher Vorname Luan mit Brasilien zu tun?

Ja, meine Mutter ist Brasilianerin. Wir sind recht häufig dort, besuchen die Oma und treffen Verwandte. Geboren wurde ich aber in Bergisch-Gladbach, aufgewachsen bin ich in Köln.

Wie nehmen Sie die beiden Länder wahr?

Brasilianer brauchen weniger Zeit als Deutsche zum Warmwerden. Familie, Freunde, du bist sofort Teil davon. Hier braucht es erst einen Anlauf, dann aber bist du ebenso herzlich eingebunden. Was ich an Deutschland besonders schätze, gerade im Sommer, ist die Kultur der öffentlichen Räume, die zahllosen Parks. Du hast die Freiheit, unterwegs zu sein, du musst nicht überlegen, ob gefährliche Gegenden, Favelas, auf deinem Weg liegen.

Ihre Eltern sind beide Künstler. Stand damit auch für Sie die Richtung fest?

Nein, nach dem Abi bin ich ein halbes Jahr durch Südamerika gereist. Anschließend war ich Zivi in einem Kinderheim, das war eine Zeit, die mich sehr berührt hat. Dann wollte ich Soziologie und Politik studieren.

Warum kam es anders?

Eine Freundin schleppte mich mit zum Jugendclub des Schauspielhauses Köln, wir waren oft dort. Es wurde ein Ersatzmann für eine Rolle gebraucht, ich ging auf die Bühne, sprach den Text und merkte: Das ist es! Ich habe dann in Köln Schauspiel studiert und nebenbei alle möglichen Jobs gemacht, um mein Leben zu finanzieren. Ich habe auch in Bars gearbeitet und als Postbote.

Sie waren acht Jahre am Theater, sind jetzt seit einem Jahr bei den „Jungen Ärzten“. Theater oder Film, was bekommt den Vorzug?

Beides ist spannend, aber die Unterschiede sind riesig. Theater ist ganz unmittelbar, du bekommst direkte Resonanz. Du kriegst die Leute oder du kriegst sie nicht. Beim Filmen sind die Abläufe ganz anders.

Ihr erster professioneller Dreh?

Den hatte ich mit Götz George beim letzten „Schimanski“. Ich spielte einen Schüler, der Drogen vertickte. Ich hatte ziemlichen Bammel vor dem großen George, aber er war angenehm und freundlich.

Für die Rolle in der Erfurter Arztserie gab es ein Casting, Sie wurden gemeinsam mit Ihrem Kollegen Tilmann Pörzgen ausgewählt als Verstärkung für das Team der jungen Ärzte. Ein Glücksfall?

Unbedingt. Das Team ist wunderbar. Ich bin mir sehr bewusst, dass es ein Privileg ist, so arbeiten zu können. Wir werden betreut, es gibt Catering. Mit Tilmann bin ich inzwischen befreundet, wir teilen uns in Erfurt eine kleine Wohnung. Und am Set machen wir allerlei Blödsinn, ich bin so ein bisschen der Clown. Ich liebe das Emotionale.

Trifft das auch auf Erfurt zu?

Erfurt ist die erste Stadt im Osten, die ich richtig kennenlerne, mal abgesehen von Berlin. Besonders im Sommer ist Erfurt unbeschreiblich schön. Ich habe hier tolle Leute getroffen und sehr viel gelernt, auch über die Geschichte. Ich habe oft das Gefühl, dass noch immer zwei verschiedene Kulturen, West und Ost, aufeinander treffen. Das ist ja auch logisch, das sind gelebte Geschichten, unterschiedliche Erfahrungen und Lebensläufe. Man sollte das positiv sehen und einander zuhören, finde ich. Leider ist das Negative, auch in der medialen Widerspiegelung, oft interessanter.

Wie schauen Sie in die Zukunft?

Ich möchte mich nicht einrichten, ich möchte Dinge in Frage stellen, ausprobieren, verändern. Vielfältigkeit leben. Mich hat der Auftritt des Youtubers Rezo vor der Europawahl überzeugt. Der war nicht hochnäsig, der war sehr konkret, mit nachprüfbaren Zahlen, mit Quellenangaben. Es gibt leider wenige Politiker, die es schaffen, komplexe Themen in dieser globalen Welt verständlich zu erklären und Wege zu Veränderungen aufzuzeigen.

Was würden Sie verändern?

Ich würde junge Leute in vielen Bereichen mehr einbinden.

Und beim Fernsehen?

Wünsche ich mir, dass die Sender Althergebrachtes und neue Medien zusammenbringen und sich dabei auch mal was trauen. Die Serie „Bad Banks“ zum Beispiel fand ich toll.

Noch ein Schlusswort?

Können es auch zwei sein? Ich freue mich, wie viele Menschen unsere Serie ansehen, uns allwöchentlich am Bildschirm begleiten. Und ich möchte mal meinen Eltern ein großes Dankeschön sagen. Wenn man Schauspiel studiert, geht man nicht davon aus, dass man von diesem Beruf leben kann. Man macht es aus Leidenschaft und weil man gar nicht anders kann. „Wir verstehen dich, wir unterstützen dich, wir stehen immer hinter dir“, haben mir meine Eltern damals gesagt. Das vergesse ich nicht. In unserem manchmal Ich-bezogenen Beruf ist es wichtig, geerdet zu sein und Familie und Freunde um sich zu wissen.

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