Interview der Woche: „Warum nicht mal Australien?“

Kölleda  Fußballtrainer Matthias Friedrich über seinen Rücktritt beim FSV Kölleda, die Entwicklung des Vereins und die WM in Katar.

2017 führte Matthias Friedrich (Mitte) den FSV Kölleda in die Landesklasse, nach zwei Spielzeiten ging es in die Kreisoberliga zurück. Nun hört er als Trainer auf.

2017 führte Matthias Friedrich (Mitte) den FSV Kölleda in die Landesklasse, nach zwei Spielzeiten ging es in die Kreisoberliga zurück. Nun hört er als Trainer auf.

Foto: Thomas Geißler

Am 10. September endete beim FSV 06 Kölleda eine kleine Ära. Trainer Matthias Friedrich, der mit den Kölledaern in seinen fünfeinhalb Jahren an der Seitenlinie an erfolgreiche Zeiten in den Neunzigern angeknüpft und sie in die Landesklasse geführt hatte, legte nach dem Abstieg und einigen Spielen in der Kreisoberliga gemeinsam mit Co-Trainer Sebastian Heß sein Amt nieder. Wir sprachen mit ihm darüber, über die jahrelangen Nachwuchssorgen des Vereins, den Vergleich mit Altengottern, seinen Aufstiegstipp für die Landesklasse und die Fußball-WM in Katar.

Vor einem Monat sind Sie als Trainer des FSV Kölleda zurückgetreten. Warum?

Aus persönlichen Gründen, die ich nicht öffentlich benennen möchte. Der Mannschaft und dem neuen Trainer Patrick Krumbholz wünsche ich ein gutes Händchen und viel Erfolg.

Bleiben Sie dem Verein erhalten?

Auf jeden Fall. Es ist schließlich mein Heimatverein. In welcher Funktion, wird man sehen. Bis Weihnachten lasse ich alles ruhen und genieße die Zeit mit der Familie. Diesbezüglich bleibt bei so einem Trainerjob ja immer ein bisschen was auf der Strecke.

Sehen Sie den Verein für die Zukunft gut aufgestellt? Das Thema Nachwuchssorgen war ja eines, das die Kölledaer in den letzten Jahren dauerhaft begleitet hat.

Das stimmt. Aber da wurde trotzdem, angeführt von Nachwuchsleiter Carsten Rößler, ganze Arbeit geleistet und einiges aufgeholt, was zuvor brachlag. Diese Saison haben wir zwei B- und zwei C-Jugendmannschaften, in der nächsten Saison also zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine A-Jugend. Da sind gute Jungs dabei – ob sie im Männerbereich dann in Kölleda bleiben, hängt von mehreren Faktoren ab.

Die Erfolge gelangen vor allem dank der vielen ungarischen Gastspieler. War es aus heutiger Sicht ein Fehler, so sehr auf die ungarische Karte zu setzen?

Nein, es gab damals wegen des fehlenden Nachwuchses einfach keine andere Möglichkeit und war für uns ein glücklicher Umstand, der sich so ergeben hat. Insofern war es damals der richtige Weg und auch eine schöne, erfolgreiche Zeit. Wenn man die Möglichkeit hat, eigenen Nachwuchs hochzuziehen, ist das natürlich der bessere, weil nachhaltigere Weg. Nun ist die Spielgemeinschaft mit Leubingen eine gute Lösung. Die Spieler und Vorstände beider Vereine verstehen sich sehr gut.

Wie geht es eigentlich mit dem neuen Kunstrasen voran? Der Kölledaer Rasenplatz soll in einem desolaten Zustand sein.

Der neue Kunstrasenplatz soll im November fertig sein. Das ist wichtig für den Verein, denn der Rasenplatz ist wirklich in keinem guten Zustand, weshalb die zweite Mannschaft und ein B-Jugendteam in Leubingen spielen und auch wir unsere Saisonvorbereitung dort absolviert hatten.

Wird auch der Rasenplatz erneuert?

Nach meinem aktuellen Kenntnisstand ja. Mithilfe der Stadt sollen der Platz und die Tribüne ebenfalls erneuert werden, möglicherweise schon nächstes Jahr.

Verfolgen Sie eigentlich das Geschehen in der Landesklasse noch?

In erster Linie die Kreisoberliga mit meinen Kölledaern, aber schon auch noch die Landesklasse, klar.

Wer wird das Rennen um den Aufstieg machen?

Schwierig. Vor der Saison dachte ich ganz klar Erfurt Nord, aber nach dem Derbysieg muss man Büßleben natürlich genauso auf dem Zettel haben. Auch Altengottern und Siemerode sind zu beachten. Einer dieser vier wird es machen.

Wann wird Kölleda zurück in der Landesklasse sein?

Das ist schwer vorherzusagen. Ich denke, das wird seine Zeit dauern, denn jetzt will sich die erste Mannschaft erst einmal wieder in der Kreisoberliga stabilisieren und etablieren.

Stichwort Altengottern: Einige vergleichen das Kölledaer Landesklasse-Team mit dem Überraschungsteam aus dem Unstrut-Hainich-Kreis – viele „Legionäre“, wenige Eigengewächse. Gibt es Parallelen?

Ich kenne die Mannschaft aus Altengottern gar nicht und kann mir da kein Urteil erlauben. Grundsätzlich ist es immer schwierig, so einen Weg zu gehen. Denn wenn ein paar der ausländischen Spieler wieder weg sind, bricht es schnell auseinander. Deshalb ist es wichtig, den Nachwuchs zu hegen und zu pflegen. Büßleben macht das zum Beispiel richtig klasse. Seit Jahren schöpft man dort aus dem eigenen Nachwuchs. Das ist erstaunlich für ein kleines Dorf, in Erfurt gibt es ja genügend andere Vereine, wo junge Spieler auch hingehen könnten. Mario Wisocki macht in Büßleben eine richtig gute Arbeit.

Aus gegebenem Anlass noch ein Blick über den Tellerrand des Regionalfußballs hinaus: Was halten Sie davon, dass Großereignisse wie die Leichtathletik- oder Fußball-WM in Katar stattfinden?

Gar nichts. Ich finde es nicht gut, dass solche Ereignisse in ein Land vergeben werden, nur weil die Scheichs da ihr Portemonnaie öffnen, wo es aber keine Sporttradition gibt. Bei der Leichtathletik-WM war das Stadion total leer, und auch für die Fußball-WM gibt es andere Alternativen, damit nicht immer dieselben Länder Ausrichter sind. Warum nicht mal Australien?

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