Weg für Stromtrasse ab Schwerborn gesucht

Erfurt.  50Hertz baut eine neue 380-kV-Trasse zwischen Harz und Vieselbach. Auf der Bestandstrasse brüten Vögel. Zwei Alternativen sind möglich

Zur Bestandstrasse (grün mit blauem Rahmen) gibt es weiträumige (hellblau) und kurzräumige (dunkelblau) Alternativen.

Zur Bestandstrasse (grün mit blauem Rahmen) gibt es weiträumige (hellblau) und kurzräumige (dunkelblau) Alternativen.

Foto: 50Hertz

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Der Netzbetreiber 50Hertz will die 220-kV-Leitung aus dem Südharz nach Vieselbach durch eine 380-kV-Leitung ersetzen. Das Vorhaben ist vom Bund beschlossen. Doch beim Verlauf können Bürger und Behörden ein Wörtchen mitreden. Der Beteiligungsprozess hat begonnen.

Dabei geht es in der ersten Phase des mehrjährigen Verfahrens zunächst um den Korridor. Ziel ist es, einen ein Kilometer breiten Landschaftsstreifen zu definieren, durch den die Trasse führen soll. Der genaue Verlauf und die Standorte der Strommasten sind Thema der zweiten Phase.

Aus Erfurter Sicht muss in der ersten Phase vor allem geklärt werden, welchen Weg nach Norden die Trasse ab Schwerborn einschlägt. Drei Varianten erscheinen möglich.

Variante eins, die Bestandstrasse, knickt bei Schwerborn nach Westen ab und verläuft zwischen den Erfurter Seen, bevor sie bei Dachwig wieder nach Norden schwenkt. Durch die in den letzten Jahrzehnten entstandenen Kiesseen ist bei Stotternheim allerdings ein Rastplatz für Wasservögel entstanden. Das Vogelschutzgebiet lässt die Routenführung als bedenklich erscheinen – es ist in den Unterlagen als „rote Ampel“ verzeichnet.

Weitere, weniger schwer wiegende Argumente gegen die Bestandstrasse sind in und um Erfurt die Kiesgrube Elxleben, eine Tankstelle und ein Gebäude bei Stotternheim sowie die als Biotop eingestuften Katzenberge bei Schwerborn. Auch die Nähe zur Ortslage Töttleben südlich von Schwerborn gilt als „gelbe Ampel“ und muss daher beachtet werden.

Engstelle zwischen Vieselbach und Schwerborn

Doch stellt der Abschnitt zwischen Vieselbach und Schwerborn zumindest aus Sicht des Netzbetreibers eine Engstelle dar, für die es trotz bereits angemeldeter Bedenken aus Töttleben keine Alternativen gibt. Nur innerhalb des Korridors könne die neue Trasse von Töttleben weg verschoben werden, meint Dirk Manthey, der Projektsprecher von 50Hertz.

Die zweite Variante führt von Schwerborn nach Norden und folgt anderen Bestandstrassen in Richtung Sömmerda. Die dritte Variante ist eine kleinräumigere Umleitung um die Seen und führt nach Nordwesten bis Riethnordhausen, um später bei Walschleben wieder auf die Bestandstrasse zu stoßen.

Laut Dirk Manthey soll die neue Leitung im Jahr 2027 in Betrieb gehen. Sie löse die veraltete und deutlich leistungsschwächere 220-kV-Leitung ab und trage dazu bei, die Windradenergie aus dem Harz besser anzubinden und den Nord-Süd-Transport von grünem Strom zu verbessern. Die Bestandsleitung ist die letzte 220-kV-Leitung, die im Vieselbacher Umspannwerk mündet.

Die neuen Masten sind mit 50 Meter kaum höher als die bestehenden. Mit einer Spannweite von 40 Metern sind sie aber 18 Meter breiter.

Infomarkt in Schwerborn

Bei der Auswahl des Korridors werden Aspekte wie Flugrouten von Vögeln, Schutzgebiete, Wassergebiete, der Denkmalschutz, Windparks oder bestehende Bebauungspläne, aber auch Bürgerinteressen berücksichtigt. „Die Leute sollen vom Vorhaben wissen und in der Lage sein, sich zu beteiligen“, sagt Dirk Manthey und verweist auf die „Infomärkte“, die 50Hertz an den möglichen Routen der neuen Trasse organisiert.

Der Infomarkt für Erfurt findet in Schwerborn statt. Wegen des großen Interesses in Töttleben solle aber dort im März noch ein Infoabend stattfinden, sagt der Projektsprecher.

Infomarkt zur 380-kV-Leitung Vieselbach – Wolkramshausen, Schwerborn, Gaststätte „Zur guten Quelle“ (Kastanienstraße 27), 21. Januar, 15 bis 18 Uhr

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