„Wilde Insel“ blüht in Erfurter Schule auf

Erfurt.  Die Erfurter Andreas-Gordon-Schule erhält Auszeichnung für ihre „Wilde Insel“.

Im Rahmen des Projektes „Wilde Inseln“ wurde die Andreas-Gordon-Schule mit einer Plakette ausgezeichnet. Im Bild: Karsten Pohlemann, Friedhelm Petzke, Annett Wolf und Sabine Storch (von links).

Im Rahmen des Projektes „Wilde Inseln“ wurde die Andreas-Gordon-Schule mit einer Plakette ausgezeichnet. Im Bild: Karsten Pohlemann, Friedhelm Petzke, Annett Wolf und Sabine Storch (von links).

Foto: Marco Schmidt

Dass großen Problemen auch im Kleinen etwas entgegengesetzt werden kann, beweisen Schülerinnen und Schüler der Erfurter Andreas-Gordon-Schule. Für ihr Engagement zur Erhaltung der Artenvielfalt wurde die Berufsschule am Freitag im Rahmen des Projektes „Wilde Inseln“ mit einer Plakette vom Naturschutzbund (NABU) Thüringen ausgezeichnet.

Das Projekt wirbt dafür, Grünlandflächen sich selbst zu überlassen und möchte „Menschen sensibilisieren, dass Wildnis in Ordnung ist und nicht als störend wahrgenommen werden sollte“, so Friedhelm Petzke vom NABU. Seit Mai dieses Jahres zeichnen Mitstreiter der Organisation deshalb „Wilde Inseln“ aus und versehen sie mit einer Plakette: „Verwildern ausdrücklich erwünscht – Biodiversität willkommen“.

So startet man eine „echte Graswurzelbewegung“

Bereits 2017 ist an der Andreas-Gordon-Schule auf die Initiative der Biologielehrerin Annette Wolf hin eine „Wilde Insel“ auf dem Gelände der Schule entstanden. Für sie war es unverständlich, dass hier „nicht genutzter Rasen angelegt ist, aber nichts blüht“. So wurde der Hausmeister um seine Mäharbeiten erleichtert und die Schule um eine Blumenwiese bereichert. Eine 11. Klasse nutzte damals ihre Projekttage vor den Sommerferien, entwarf den Plan, stach den Rasen aus und säte ein. Die Gestaltungsidee kam dabei von den Schülern selbst, ihr Wunsch war es, die Initialen der Schule „AGS“ als Beete anzulegen. Dabei fungieren die Schüler auch als Multiplikatoren und tragen das Gelernte mit in die eigenen Familien und Gärten. „Wie eine echte Graswurzelbewegung“, sagt Annette Wolf.

Zum Nachmachen: Wilde Inseln statt Englische Gärten

Jede und jeder kann sich mit dem eigenen Garten beim NABU Thüringen um eine Plakette bewerben, seit Mai sind schon über 60 Bewerbungen zur Auszeichnung eingegangen. Aber auch Firmen, Behörden und Kommunen sind aufgerufen, über ihre Flächennutzung nachzudenken und leerstehende Teile in „Wilde Inseln“ umzuwandeln. Friedhelm Petzke erklärt, wie vielseitig die Alternativen sind: „Brennnesseln im Garten können für Schmetterlinge stehen bleiben, Äste können liegen gelassen werden und sich in Totholzhaufen verwandeln, auch ein Balkonkasten kann zu einem kleinen Wildblumenbeet werden“. Nichts davon, so betont er, mache Arbeit.

Deutschlandweit werden immer mehr Flächen versiegelt – und Grünflächen immer häufiger in Mähflächen umgewandelt. Seit 1991 wurden 6000 Quadratkilometer Grünland umgepflügt. Das entspricht 37,5 Prozent der Gesamtfläche Thüringens und hat fatale Folgen für die Artenvielfalt und Biodiversität. Um sich als Einzelner angesichts solcher Zahlen nicht wie auf einer (wilden) Insel zu fühlen, kann auf einer interaktiven Karte im Internet die Entstehung weiterer nachvollzogen werden.