„Wir sind immer noch umgeben von Blumenkohl“

Dittelstedt.  Dietrich Hagemann ist als Dittelstedts Ortsteilbürgermeister mit der Situation im Ort weitgehend zufrieden

Dietrich Hagemann hat das Ortsteilbürgermeisteramt in Dittelstedt seit sechs Legislaturperioden inne.

Dietrich Hagemann hat das Ortsteilbürgermeisteramt in Dittelstedt seit sechs Legislaturperioden inne.

Foto: Michael Keller

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Sechs Legislaturperioden. Seit 1994. So lange ist Dietrich Hagemann schon Ortsteilbürgermeister von Erfurts Ortsteil Dittelstedt. „Schreiben Sie aber bitte nicht der Letzte sondern der Dienstälteste der ersten Jahre“, sagt er. Ein bisschen eitel ist der 70-Jährige schon. Die Zeiten, sinniert er, hätten sich geändert. Die Aufgaben seien damals aber nicht anders gewesen, als heute. Man wolle etwas besser machen in dieser Funktion. „Nur, dass es heute immer wieder einige gibt, die meinen, es besser zu können. Glauben, ohne zu wissen. Das auszubalancieren ist meine Aufgabe“, sagt Hagemann. Der froh ist, sich auf seine sechs Ortschaftsräte verlassen zu können. Die Zusammenarbeit sei „sehr positiv“. Auseinandersetzungen habe es in all den Jahren immer gegeben, wenn es um Sachfragen ging. Aber immer respektvoll, sachlich und zielführend, lobt er.

Mit über 90 Prozent der Stimmen gewählt

Mit über 90 Prozent ist er am 26. Mai zu sechsten Mal ins Amt gewählt worden. Ein Ergebnis, das ihn strahlen lässt. Was hat die zurückliegende Legislatur gebracht? „Wir konnten den dörflichen Charakter Dittelstedts mit seinem ländlichen Flair erhalten“, sagt er. Ohne Baugebiete. „Wir sind immer noch umgeben von Blumenkohl“, fügt er an. Eine regelrechte „Mammutaufgabe“ sei der grundhafte Straßenbau in der Ortslage gewesen. Über zwei Jahre. Mit allem Drumherum. Straßenausbaubeiträge seien fällig geworden, was nicht jedem gefiel. Wie das mit dem Erlass dieser Beiträge gehen soll, wie es die Landesregierung verspricht. Hagemann glaubt nicht, dass das funktionieren wird. Zu ungerecht.

40 Kitaplätze reichen

783 Einwohner hatte Dittelstedt zuletzt. Und 40 Kitaplätze. Reicht völlig aus, meint er. Wie gesagt, kein Baugebiet, kein großer Zuzug, nicht zu viele Neugeborene. Stolz ist Hagemann, der im Februar 1949 auf einer Zugfahrt von Riesa nach Erfurt beim Zwischenstopp in Leipzig geboren wurde, auf seine vier Träger des öffentlichen Lebens, die Vereine. Der Männerchor, in dem er selber seit 1984 den zweiten Tenor singt, den Karnevalclub KCD, den Ortsverein und die Feuerwehr. „Die tragen das Leben im Ort“, sagt er.

Caravanparkplatz ist eine gefühlte Niederlage

Und das Verhältnis zum Erfurter Rathaus, zu den Ämtern? „Das hat sich inzwischen auf ein Niveau gehoben, wo wir miteinander können“. Da Hagemann CDU-Stadtrat ist, ist er auch an manchen Sachen näher dran. Vorteil der kurzen Wege. Was keinesfalls schädlich für den Ortsteil sei. „Wir sind nicht das kleine, zähneknirschende Dorf, das immer was anderes will, als die Stadt“, sagt er und reflektiert dabei auch auf den Streit um den Caravan-Parkplatz, den man im Ort nicht verhindern konnte. Dass der andernorts besser aufgehoben gewesen wäre, die Meinung gilt für ihn heute noch. Er trauert dem wertvollen Ackerland mit den hohen Bodenwertzahlen nach, das dadurch versiegelt werden wird. „Ist das sinnvoll, hätte es wirklich keine Alternative gegeben?“, fragt der Christdemokrat. Fügt aber gleich an, man müsse halt das Ergebnis des demokratischen Meinungsbildungsprozesses akzeptieren. Nicht alle könnten alles schön finden. Man müsse dennoch hartnäckig sein und in der Sache nicht nachgeben, wenn man von ihr überzeugt sei, so sein Credo.

Feldwege wieder begehbar machen

Auf der Liste der zu erledigenden Aufgaben in der neuen Amtszeit steht bei Dietrich Hagemann das Wort „Feldwege“. Die seien rund um Dittelstedt nämlich im Laufe der Jahre von der Landwirtschaft „überackert“ worden. Und nun sollen sie wieder als Verkehrswege deutlich und sichtbar für Radler und Spaziergänger gemacht werden. Dittelstedt hat eigentlich alles, was man braucht, ist der Ortsteilbürgermeister sicher. Großes Handelszentrum genau vor den Nase, ortseigener Hofladen, Eisdiele und Chinarestaurant. Dazu einen bekannten „Bratwurstrostler“, wie er das Grill-Ressort nennt. „Wir sind mit unserer Situation weitgehend zufrieden“, so sein Fazit.

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