Wie eine Thüringerin zweimal den Blutkrebs überlebt hat

Jena/Erfurt.  Gleich zweimal hat Anne Wolter aus Erfurt um ihr Leben kämpfen müssen: Mit 14 und mit 17 Jahren erkrankte sie an Leukämie.

Anne Wolter aus Erfurt (rechts im Bild, hier mit ihrer Schwester Anika in den Niederlanden) ist gleich zweimal an Leukämie erkrankt. Aber jetzt ist sie auf dem Weg der Genesung und versucht, jede Minute zu genießen.

Anne Wolter aus Erfurt (rechts im Bild, hier mit ihrer Schwester Anika in den Niederlanden) ist gleich zweimal an Leukämie erkrankt. Aber jetzt ist sie auf dem Weg der Genesung und versucht, jede Minute zu genießen.

Foto: Familie Wolter

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Noch ist die alte Kraft nicht zurück. Aber das ist auch nicht entscheidend. Denn das Wichtigste ist: Anne lebt. Gleich zweimal hat die 18-Jährige aus Erfurt den Blutkrebs besiegt. Gleich zweimal hat sie eine höllisch schwere Zeit durchlitten und sich nicht aufgegeben.

Vor einem Jahr wusste die Gymnasiastin noch nicht einmal, ob sie Weihnachten zu Hause verbringen darf. Denn im Advent 2018 hatte Anne gerade die Stammzelltransplantation überstanden, die beim erneuten Aufflammen ihrer Krankheit ihre einzige Überlebenschance war. Kaum ein Laie weiß, wie kritisch die Phase direkt nach einer solchen Übertragung ist, wie der Körper mit den Spenderzellen kämpft, wie sehr diese das gesunde Gewebe des Empfängers attackieren. Doch Anne hat es geschafft – auch wenn die Nebenwirkungen ihr lange heftig zusetzten: ein offener Mund und Rachen, schlimme Haut-Beschwerden und ein Lebervenenverschluss.

„Es gab durchaus den Punkt, an dem ich dachte: Ich will nicht mehr“, sagt die leidgeprüfte junge Frau. Doch ihre Eltern und ihre Schwester hätten ihr immer wieder Mut gemacht und gesagt, dass sie es schließlich gemeinsam bis hierhin geschafft hätten und nun auch noch den Rest der Behandlung schaffen würden. „Rückblickend hat mir auch der Leistungssport extrem viel gebracht“, sagt die frühere Eisschnellläuferin. „Denn auch da hieß es oft genug: Kopf hoch und einfach durch.“ Einen Tag vor Heiligabend und drei Monate nach der Transplantation konnte Anne tatsächlich die Klinik verlassen.

Die Therapie war damit indes noch nicht zu Ende. Zu Jahresbeginn etwa musste Anne oft zur Physiotherapie gehen, um wieder Muskeln aufzubauen. Auch die mehrwöchige Reha auf Sylt, die sich im Februar anschloss, nutzte die 18-Jährige zum Muskelaufbau. „In der Klinik hatten mir die Ärzte gesagt, dass ich wegen meiner Knochennekrosen im Rollstuhl sitzen würde. Hätte ich das befolgt, hätte ich inzwischen gar keine Muskeln mehr.“ Das aber wollte die Erfurterin, die seit ihrem 6. Lebensjahr auf dem Eis gestanden hatte, auf gar keinen Fall. Stattdessen trainierte sie fleißig – mit dem Ergebnis, dass ihr schon nach der Kur das Treppensteigen wesentlich leichter fiel als vorher.

Seit Schuljahresbeginn drückt Anne auch wieder die Schulbank. Sie besucht die 11. Klasse der Integrierten Gesamtschule in Erfurt und will in zwei Jahren das Abi machen. Ob sie danach studiert oder eine Ausbildung macht, das weiß sie noch nicht. Die Krankheit hat sie gelehrt, nicht zu lange im Voraus zu planen und sich auf das zu konzentrieren, was im Moment stattfindet. Zweimal pro Woche trainiert sie zudem von der Bande aus Erstklässler auf dem Eis. Sie selbst darf wegen der Schädigung ihrer Knochen nicht mehr laufen, was ihr – wie sie zugibt – sehr schwerfällt. Denn sie hat das Eislaufen geliebt, sich auch nach der ersten Erkrankung mit 14 wieder zurückgekämpft. Jetzt aber muss sie ihrer Gesundheit zuliebe ganz darauf verzichten.

Dafür fährt sie so viel wie möglich Rad, macht zu Hause Kraftübungen und dreht von Tag zu Tag größere Runde mit ihrer Labradorhündin Lilly. „Es geht mir gut“, versichert die junge Erfurterin. Trotzdem ist die Krankheit noch immer gegenwärtig. Nicht nur, weil Anne alle vier Wochen zur Untersuchung in die Klinik muss und dort Medikamente bekommt. Wenn wie im Sommer bei einer Untersuchung wieder der Tumormarker erhöht ist, dann ist sofort die Angst vor einem Rückfall da. Genauso wie neulich, als ihre Beine plötzlich zu schmerzen begannen. Denn genauso fühlte es sich auch an, als der Blutkrebs vor über einem Jahr zurückkehrte. „Diesmal aber war es nichts Schlimmes“, beruhigt Anne. „Ich hatte nur ein bisschen zu viel gemacht und mich überanstrengt.“

Wenn Anne am Donnerstag, 12. Dezember, Gast der 25. José-Carreras-Gala in Leipzig ist, dann wird sie von ihrer Familie begleitet: Ihre Eltern und ihre ältere Schwester waren ihr schließlich in den langen Monaten der Krankheit ihre wichtigsten Stützen. Der Freundeskreis hingegen habe sich neu sortiert: „Man merkt in einer solchen Situation halt, wer die wahren Freunde sind“, sagt Anne. Ihr Outfit für den großen Auftritt liegt schon parat: schwarze Jeans, weiße Bluse, Blazer. Noch ist Anne ziemlich entspannt, auch dass ein Fernsehteam bei ihr Zuhause war und über sie einen kurzen Film gedreht hat, hat sie mit der ihr eigenen Lockerheit und Fröhlichkeit bewältigt. „Aber spätestens wenn wir erst im Zug nach Leipzig sitzen, wird die Aufregung steigen…“

Die José-Carreras-Stiftung

  • 1995 gründete der Tenor José Carreras eine Stiftung zur Bekämpfung der Leukämie. Seit 1995 gibt es auch die José-Carreras-Gala, die Spenden sammelt.
  • Die 25. José-Carreras-Gala ist an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr live im MDR-Fernsehen zu sehen.
  • Während der Sendung beantwortet der Jenaer Krebsmediziner Andreas Hochhaus im Expertenchat Fragen von Zuschauern. Erreichbar ist er über die E-Mail-Adresse experten@carreras-stiftung.de

25. José-Carreras-Gala: am Donnerstag, 12. Dezember, um 20.15 Uhr live im MDR-Fernsehen

Spendenkonto: José-Carreras-Leukämie-Stiftung, Commerzbank AG München, IBAN: DE 96 7008 0000 0319 9666 01

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren