Wolf im Zeitzer Forst gesehen

Gera  Nabu Thüringen: Von scheuen und gesunden Tieren geht keine Gefahr für Menschen aus

Ein Jungwolf, fotografiert in einem Gehege in Niedersachsen.

Ein Jungwolf, fotografiert in einem Gehege in Niedersachsen.

Foto: Ingo Wagner/dpa

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Erstmals wurde im April dieses Jahres ein Wolf im Zeitzer Forst gesehen. Nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) hatte der Wildtierfotograf Andreas Nowack kurz vor Sonnenaufgang den Wolf am 9. April fotografieren können.

Das sachsen-anhaltinische Umweltministerium wollte die Sichtung nicht amtlich bestätigen, da auf dem Foto nicht eindeutig hervor geht, wann und wo genau der Wolf fotografiert wurde. Bisher ist nichts über Geschlecht und Alter des Wolfes bekannt und ob dieser noch im Zeitzer Forst lebt oder weitergezogen ist.

Der Zeitzer Forst zwischen Zeitz und Gera ist rund 18 Quadratkilometer groß und reicht vom Süden Sachsen-Anhalts bis nach Thüringen.

Grundsätzlich geht von scheuen und gesunden Wölfen keine Gefahr für Menschen aus, erklärte Silvester Tamás, Wolfsexperte beim Nabu Thüringen. Für nicht ausreichend geschützte Weidetiere, wie Schafe und Ziegen, kann der Wolf jedoch gefährlich werden. Für Tamás sei der Weidetierhalter gefordert, einen Elektronetzzaun zu installieren oder Herdenschutzhunde einzusetzen. „Angeblich sollen im Zeitzer Forst weitere Beobachtungen zu Wölfen gemacht worden sein. Uns jedoch ist nichts darüber bekannt, ob diese tatsächlich stattgefunden haben“, sagte er weiter.

Dass ein Wolf in dem Waldgebiet gesichtet wurde, ist für Fachleute keine Überraschung: Der Wolf stellt keine großen Anforderungen an seinen Lebensraum. „Der Wolf braucht keine Wildnis“, sagte Tamás.

Er benötigt lediglich ein ausreichend großes Territorium mit ausreichend Nahrung an Wildbeständen, Rückzugsgebiete, Wasser und gegebenenfalls einen Paarungspartner. Ein Wolfsrudel mit etwa acht Individuen benötige in Deutschland einen Lebensraum von durchschnittlich 250 Quadratkilometer Größe.

Wölfe wurden bisher in Thüringen bei Sömmerda (letztmalig im März 2016), bei Ohrdruf (letztmalig am 8. März 2017) und südöstlich von Jena (November 2013) gesehen.

Wolfsexperte Tamás geht davon aus, dass es in den nächsten Jahren mehr Wölfe und auch Wolfsrudel in Thüringen geben wird. „Wo diese Wölfe dann ­leben werden, das werden uns die Wölfe selber zeigen“. Nach bisherigen Erkenntnissen scheinen insbesondere stillgelegte oder noch militärisch genutzte Truppenübungsplätze ideale Bedingungen als Rückzugsgebiete für Wölfe zu bieten.

Falls sich ein Wolf dauerhaft im Zeitzer Forst ansiedeln sollte, wird das Thüringer Umweltministerium eine kontinuierliche Überwachung starten. Im Ministerium geht man ebenso davon aus, dass sich der Wolf auch in weiteren Gebieten Thüringens ansiedelt.

2015 wurde im Umkreis von 30 Kilometern um den Standortübungsplatz Ohrdruf herum das erste Wolfsgebiet in Thüringen ausgewiesen. Damit erhalten etwa Tierhalter für Maßnahmen zum Schutz vor Wolfsübergriffen auf Weidetiere eine Förderung. Halter, deren Tiere, von einem Wolf oder Luchs getötet wurden, können entschädigt werden.

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