Auf Bauhaus-Spuren zwischen Hagen und Gotha

Stadtschreiberin Birgit Ebbert hat als junge Frau in den 1980er-Jahren in Stuttgart die Figurinen des Triadischen Balletts bestaunt. Im Gothaer Kulturhaus greift das Ballett Dancetronic diese Idee auf.

Stadtschreiberin Birgit Ebbert

Stadtschreiberin Birgit Ebbert

Foto: Wieland Fischer

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Es gibt ein paar Dinge, die ich in diesem Jahr immer bei mir hatte, wenn ich zwischen Hagen und Gotha pendelte. Im Gepäck natürlich Kamera und Laptop, im Kopf unter anderem das Bauhaus. Das ist mir erst aufgefallen, als ich bei Facebook schrieb, dass die Ausstellung „Inspiriert vom Bauhaus“ im Kunstforum Gotha mein Bauhaus-Jahr abrundet. Im Januar ging es los mit der Ausstellung „Kandinsky – Kerkovius – Klee & Co“ im Hagener Osthausmuseum, im März zeigte das Emil-Schumacher-Museum in Hagen Werke des Hagener Bauhaus-Schülers Heinrich Brocksieper, von dem ein Animationsfilm im Bauhaus-Museum in Weimar zu sehen ist. Zeitgleich präsentierte das Kunstforum „Neue Typographie und Grafik-Design der Weimarer Republik“, sprich: auch Grafik aus dem Bauhaus.

Ein Highlight war im April die Ausstellung über Oskar Schlemmer im Herzoglichen Museum in Gotha. Als ich in den 1980er-Jahren in Stuttgart lebte, habe ich oft nur kurz die Staatsgalerie besucht, um die Figurinen des Triadischen Balletts anzuschauen. In der Ausstellung wurden sie sehr schön gewürdigt.

Leider habe ich in Gotha die von Schlemmer inspirierte Aufführung „Dancetronic“ der Kreismusikschule „Louis Spohr“ verpasst, weil ich an dem Tag in Hagen war, und werde in Hagen das „Lackballett“ nach Oskar Schlemmer nicht anschauen können, um in der Heinrich Heine-Bibliothek „Poetischer Lyrik aus Thüringen“ zu lauschen. So ist das, wenn man in zwei Orten lebt.

Ich bin erstaunt, dass ich trotzdem in beiden Orten so viel Bauhaus und anderes erlebt habe. Ich bin aber auch extra nach Hagen gefahren, weil dort der Hohenhof, die Villa des Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus, zu einem Gesamtkunstwerk mit Musik und Multimedia-Installation wurde.

Apropos Karl Ernst Osthaus. Ihm verdankt Hagen, das von Weimar, Dessau und Berlin auch vor 100 Jahren weit entfernt war, den Bezug zum Bauhaus. Ein im September erschienener Briefwechsel zwischen ihm und Walter Gropius zeigt, dass der eine oder andere Impuls in Richtung Bauhaus aus Hagen kam. Einen kleinen Impuls konnte auch ich vom Bauhaus über Hagen nach Gotha bringen, als wir in der Heinrich-Heine-Bibliothek Papiermodelle gefaltet haben, wie sie schon im Vorkurs von Josef Albers 1926 gestaltet wurden. Ist es da verwunderlich, dass mich einer der letzten Besuche in Gotha noch einmal ins Kunstforum führen wird? Am liebsten würde ich eines der Modelle von Marianne Brandt als Erinnerung mitnehmen, aber das wird wohl nichts. Welches Erinnerungsstück aus Gotha sollte ich stattdessen in meinen Koffer packen?

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