Die Geheimnisse der Gothaer Mumien

Gotha.  Die Mumien aus der herzoglichen Sammlung von Schloss Friedenstein spielen eine große Rolle in der neuen Sonderausstellung über Freimaurer und Illuminaten.

Durch eine Gesichtsrekonstruktion konnte die Mumie Tjen Tjen wieder erwacht werden. Hier halten Depotmeister Andreas Fiedler und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Uta Wallenstein den Kopf in ihren Händen.

Durch eine Gesichtsrekonstruktion konnte die Mumie Tjen Tjen wieder erwacht werden. Hier halten Depotmeister Andreas Fiedler und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Uta Wallenstein den Kopf in ihren Händen.

Foto: Conny Möller

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Ägyptische Kunst hat seit der Antike schon immer die Menschen interessiert und das ist bis in die heutige Zeit so erhalten geblieben. Sei es durch spektakuläre Ausgrabungen, wie die erst kürzlich im Tal der Könige in Ägypten erfolgte Graböffnung oder das Aufklären von mysteriösen Todesfallen in den Dynastien der Pharaonen. Natürlich gehören auch die Forschungen über die Grabbeigaben und die Untersuchungen von Mumien dazu. Seit der Wende wird die Forschungsarbeit an der ägyptischen Sammlung im Schloss Friedenstein in Gotha intensiv betrieben. Viele neue Erkenntnisse konnten dadurch herausgefunden werden. Das soll auch in diesem Jahr fortgesetzt werden.

Gegenwärtig ist Uta Wallenstein, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Schloss Friedenstein, dabei, eine neue Ausstellung vorzubereiten, die sich auch mit den Mumienexponaten aus der herzoglichen Sammlung beschäftigt. „Es wird keine reine Ägyptenausstellung, aber die Mumien spielen eine große Rolle dabei“, erklärt die Kustodin.

Eigentlich will die 59-Jährige noch nicht allzu viel über die neue Ausstellung verraten, die nach jetzigem Stand erst 2021 zu sehen sein wird, aber die Vorbereitungen haben bereits begonnen. Die Konzeption steht und die ersten Kontakte mit potenziellen Leihgebern wurden bereits geknüpft.

„Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Gothaer Freimaurerloge und des Illuminatenordens. Bei beiden spielen Mumien eine große Rolle“, sagt Uta Wallenstein. Innerhalb der Ausstellung wird das Thema Ägypten neu beleuchtet.

Vier vollständige Mumien liegen im Museum

Nicht nur die Freimaurer beschäftigten sich damals intensiv mit der Orientalistik. So förderte Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha den Bau eines Logenhauses. Das Gebäude am damaligen Karolinenplatz wurde im orientalischen Stil errichtet. 1937 wurde es abgerissen, an seiner Stelle steht seit den 1950er Jahren das Kulturhaus. Schon damals sammelte Ernst II. ab dem Ende des 18. Jahrhunderts Mumien, die dann unter der Regentschaft von Herzog August von Sachsen-Coburg und Altenburg fortgesetzt wurde.

Er beauftragte den Naturforscher Ulrich Jasper Seetzen auf Forschungsreise nach Ägypten zu fahren. Insgesamt sammelte dieser 3500 Altertümer, davon vier vollständige Mumien und 40 Mumienköpfe. Bis 1942 wurde der Sammlungsbestand, der zu den frühesten ägyptischen Sammlungen zählt, aufgebaut. Heute verfügt das Schlossmuseum noch über zehn bandagierte Mumien und Särge, 65 Tiermumien und Mumienteile.

Alle Mumien wurden aufwendig per Computertomographie untersucht. Gefunden wie beispielsweise beim Pharao Tutanchamun wurde nichts. Lediglich eine der namenlosen Mumien hatte einen Perlenkranz über der Stirn. „Diese Mumie stammte aus der koptischen Zeit“, erklärt die Kustodin.

Intensiv untersucht wurde Tjen Tjen, eine Sängerin des Amun aus Theben. Die letzte Untersuchung im Jahre 2010 brachte erstaunliches hervor. Der Chefarzt des Institutes für Radiologie am Helios-Klinikum Gotha, Lars Jonetz-Mentzel, entdeckte, dass es sich bei Tjen Tjen um eine Frau mittleren Alters handelte, die fast 1,65 Meter groß war. Zuvor war man immer von einer Größe von 1,55 Metern ausgegangen, welche für Ägypter eine untypische Körpergröße ist.

Allerdings konnte man nicht die genauen Todesumstände ermitteln, die weitere umfangreiche Untersuchungen erforderlich machen. Von Tjen Tjen wurde bereits 1999 eine Gesichtsrekonstruktion vorgenommen.

Noch nicht geklärt, welche Mumie in die Schau kommt

Alle drei Mumien in der Dauerausstellung im Herzoglichen Museum in Gotha wurden im Laufe der vergangenen Jahre restauriert. Allerdings befinden sich noch einige Holzsärge im Klimaschrank des Depots im Perthes-Forum. „Es ist angedacht sie in absehbarer Zeit zu restaurieren“, bestätigt Uta Wallenstein.

Welche Mumien in die geplante Ausstellung über die Freimaurer gezeigt werden, das steht noch nicht fest. Die Mumie Tjen Tjen wird aber dabei sein, denn ihre Beschriftung und Bemalung, die sich auf ihrem Sarg befinden, haben auch die Freimaurer interessiert.

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