Der Baumeister des Englischen Gartens in Gotha

Gotha.  In unserer Serie „Baumeister, Künstler und Architekten in Gotha“ geht es heute um Johann Bartholomaeus Orphal (1716-1789).

Plan des Englischen Gartens in Gotha von Johann Bartholomaeus Orphal im Jahr 1774.

Plan des Englischen Gartens in Gotha von Johann Bartholomaeus Orphal im Jahr 1774.

Foto: Staatsarchiv Gotha

1716 wurde Johann Bartholomaeus Orphal als Sohn des Johann Christian Orphal in Tonna (heute Gräfentonna) geboren. Über seine Jugend und Ausbildung sind wir nicht unterrichtet. Auch nicht darüber, wann er die Militärlaufbahn einschlug und in der Gothaer Garnison seinen Dienst tat. Erstmalig erscheint er 1752 als Autor einer genau beschriebenen und großformatigen Zeichnung zu den Fortifikationswerken der „Festung Friedenstein“, die er vordem exakt vermessen hatte.

1753 heiratete er in Gotha Eva Regina Schreck (1733-1796), die ihm zwischen 1753 und 1765 drei Söhne und eine Tochter gebar. Zwischen 1755 und 1785 finden wir ihn in den Bestallungs- und Besoldungsbüchern der herzoglichen Zentralkasse als Ingenieur-Leutnant, Hauptmann der Artillerie, Obristleutnant und Pagenlehrer.

Der Englische Garten in Gotha

Bereits 1766 ließ Erbprinz Ernst Ludwig – ab 1772 Regent als Herzog Ernst II. (1745-1804) – erste Ankäufe von Grundstücken für seinen Privatgarten südlich des Schlosses Friedenstein tätigen. Schon vor dem Baubeginn bediente er sich in Fragen der Landvermessung und ingenieurtechnischer Leistungen des „Ingenieur-Lieutenants Hauptmann Johann Bartholomaeus Orphal“.

Nach einem Besuch bei seiner königlich vermählten Tante Augusta (1719-1772) in England, gelang es dem Erbprinzen, den Hofgärtner John Haverfield junior (1741-1820) aus Kew Garden zur Anlage seines Englischen Gartens nach Gotha zu bringen. In einem Schreiben von Orphal an den Erbprinzen vom 7. August 1770 ist die Rede von Haverfields jüngstem Gartenplan und dass der Erwerb der Gärten im Abschluss begriffen wäre.

Bereits 1769 schuf er die wesentlichen Lagepläne mit den Grundstücken des Gartens. Bis 1774 war Orphal für die Umsetzung sämtlicher Bau- und Gartenarbeiten des heutigen Parks verantwortlich. So entstand unter ihm die gesamte Gartenarchitektur wie der Parkteich mit Insel als auch das Wegesystem. Weiterhin entwarf und baute er 1771 das neue Hofgärtnerhaus nebst Parkmauer, das bis heute östlich des Herzoglichen Museums fast unverändert erhalten blieb.

Zeichnungen von ihm sind dazu, wie auch zu einem 1772 entworfenen Ananas-Treibhaus, welches er mit drei weiteren Ananashäusern zwischen 1772 und 1778 westlich des kleinen Parksees errichtet, noch vorhanden. 1773 baute er eine Fasanenremise und eine neue Holzbrücke westlich des Parktempels über den Leinakanal.

Das ingenieurtechnisch und logistisch anspruchvollste wie auch teuerste Projekt welches im selben Jahr von Orphal geleitet wurde, war der Transport „der 26 Stück Eichbäume zum Versetzen in den Herzogl. Engl. Garten inclusive derer Kosten vor einen neuen starken Wagen und nötigen Machinen zu diesen Transport“. So waren allein täglich 306 Pferde dazu nötig, die Gesamtkosten betrugen 547 Reichsthaler.

Von den 26 zum Teil schon 80-jährigen Eichen die vom Boxberg und vom Krahnberg versetzt wurden, leben heute noch acht. 1774 schuf Orphal den Gesamtplan des Englischen Gartens, wie dieser nach seiner Fertigstellung auszusehen hätte.

Orphal und seine Söhne

Nachdem der Herzog 1774 den Baumeister Carl Christoph Beßer (1726-1800) in seine Dienste stellte, war Orphal wieder verstärkt für die Reparatur und später für die Niederlegung der Befestigungen um Schloss und Stadt verantwortlich. Von 1779-1785 unterstützt ihn dabei sein Sohn Georg Wilhelm Orphal, nachdem dieser 1779 eine Stelle als „Fähndrich bey dem Artillerie=Corps“ bekam. Von dessen Hand sind verschiedene Lagepläne zur Umgestaltung der Fortifikationen um das Schloss Friedenstein zu den sogenannten Anlagen aus den Jahren 1778/79 bekannt.

Georg Wilhelm Orphal wurde am 5. Juni 1755 in Gotha getauft, 1784 zum „Artillerie-Lieutenant“ befördert und verstarb am 25. Januar 1785 mit 29 Jahren. Johann Bartholomaeus Orphal arbeitete als „Baumeister in Kriegssachen“ offensichtlich noch bis zu seinem Tod mit 73 Jahren, am 23. Juli 1789 in Gotha. Nachdem er bereits nach dem Tode seines älteren Sohnes die Einstellung seines jüngsten Sohnes Günther Carl Adolph Orphal (getauft am 18. September 1765) beantragt hatte, wurde am 5. Februar 1790 vom Kriegskollegium dem Herzog bescheinigt, „dass der Fähnrich Orphal von seinem im Juli verstorbenen Vater viel gelernt hätte. So könnte ihm die Aufsicht über das Bauwesen auch in Zukunft gelassen werden“.

Günther Carl Adolph hatte die Baumeisterstelle in Kriegssachen, mit Beförderung zum Artillerie-Hauptmann 1815, bis zu seinem Tod als Junggeselle am 3. Dezember 1820 in Gotha inne. Er war federführend bei der Bauausführung der Niederlegung der gesamten Wallanlagen um Schloss und Stadt und deren Umgestaltung zu Alleen und Grünanlagen nach den Plänen des Architekten Hans Wilhelm Freiherr von Thümmel (1744-1824).Zeichnungen von der Hand Günther Carl Adolphs sind nicht bekannt. Auch zum Wohnort der Orphals gibt es keine Informationen, vermutlich besaßen sie als Militärangehörige eine Dienstwohnung in den Militärwohnbauten auf den Stadtwällen.

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