Der filmende Ortschronist von Georgenthal

Georgenthal.  Carl Melhose filmt die Ereignisse in und um Georgenthal und führt sie einmal jährlich vor vollem Saal vor.

Carl Melhose zeigt seinen Rückblick auf das Jahr 2019 im Bürgerhaus Georgenthal.

Carl Melhose zeigt seinen Rückblick auf das Jahr 2019 im Bürgerhaus Georgenthal.

Foto: Wieland Fischer

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Einmal im Jahr platzt der Saal des Bürgerhauses Georgenthal „aus allen Nähten“. Was weder namhafte Autoren mit Lesungen noch Ratssitzungen schaffen, das gelingt Claus Melhose mit seinen filmischen Jahresrückblicken von Georgenthal. Dann reichen die Stühle im Bürgerhaus nicht aus. So auch bei der jüngsten cineastischen Rückblende des Ortschronisten mit „laufender“ Kamera.

Am Freitagabend sitzen wieder Jung und Alt dicht gedrängt im Bürgerhaus, um zu sehen, was Melhose vergangenes Jahr gefilmt hat. Bis auf den Flur steht das Publikum. „Ich werde wohl beim nächsten Mal an zwei Tagen vorführen müssen“, sagt der 78-jährige Georgenthaler.

Sich selbst auf der Leinwand zu erleben, übt wohl einen großen Reiz aus. Aber vor allem, mit welcher Hingabe Carl Melhose sich seines Hobbys annimmt. Ob Verkehrsunfall oder Baumfällung, ob „Hammerteich in Flammen“ oder Besuch aus der französischen Partnergemeinde Confolens, er ist zur Stelle und filmt.

Anleitung und Tipps von anderen Amateuren

„Eigentlich habe ich Bäcker gelernt und die Meisterprüfung abgelegt“, sagt der gebürtige Uelleber. In Bad Salzungen sei er zur Schule gegangen, in Ohrdruf und Georgenthal habe er gelernt. Bei seinem Bruder in Georgenthal in der Bäckerei Melhose sorgte er tagtäglich für frisches Brot und Brötchen. Die Bäckerei Melhose gibt es nicht mehr. Aber des Filmens nimmt sich Carl Melhose bis heute an.

Von Jugend an sei das für ihn ein schöner Zeitvertreib gewesen. „Gleich nach dem Ende der Bäckerlehre habe ich mir eine Acht-Millimeter-Schmalfilm-Kamera zugelegt.“ Es entstanden erste Familienaufnahmen.

Schon damals habe er das nicht dem Selbstlauf überlassen. Melhose wurde Mitglied des Filmklubs Waltershausen, holte sich dort Anleitung und Tipps. „Gemeinsam haben wir gedreht, geschnitten.“ Aber als er in Georgenthal ein Grundstück erwarb und ein Haus baute, habe er die Filmerei erst einmal 20 Jahre wieder ruhen lassen. 2002 sei er in das filmische Metier und beim Klub wieder eingestiegen, nun mit Videokamera.

Er habe dort den vor wenigen Tagen verstorbenen Herbert Prasse erlebt. Der passionierte Amateurfilmer aus Schnepfenthal stand sechs Jahrzehnte hinter der Kamera und hielt die Ereignisse in seinem Wohnort chronologisch und akribisch auf Zelluloid, auf Band oder auf DVD fest.

Als die Störche kommen, lässt er alles stehen und liegen

„Das muss ich auch einmal ausprobieren“, sagte sich Mehlhose. 2005 habe er angefangen, gezielt in Georgenthal zu filmen. Öffentliche Vorträge halte er seit 2012, seitdem das Bürgerhaus eingerichtet und die Technik dafür dort vorhanden ist.

Von Beginn an sei die Resonanz dafür groß gewesen, sagt Maja Wohlfarth, zuständig für Veranstaltungsplanung im Luftkurort. Auch von Vereinen wird Melhose dabei unterstützt. Bei der Rückschau 2019 kümmern sich Mitglieder des Partnerschaftsvereins Georgenthal – Confolens um die Bewirtung der vielen Gäste, während auf der Großleinwand die Filme laufen.

Er nehme alles auf, ob Tanz, Geschäftseröffnung oder Geschäftsschließung. Wenn wie vergangenes Jahr Leute ihn anrufen und ihm mitteilen: „Die Störche sind da!“, lasse er alles stehen und liegen und mache sich mit seiner Panasonic-Kamera auf den Weg.

Die Störche waren zwar schnell weitergezogen – die Feuerwehr konnte kein Untergestell fürs Nest auf dem Fabrikschornstein montieren. Aber dass sie da waren, das hat Carl Melhose mit seiner Kamera festgehalten. Ebenso Straßenbaumaßnahmen, Vereinsleben, Kommunales, Familiäres und vieles andere mehr.

37 Filme sind in einem Jahr entstanden

Vergangenes Jahr seien 37 Filme entstanden. Melhose schneidet die Aufnahmen, unterlegt sie mit Kommentaren und Musik. „Dabei werde ich von Karsten Hörenz, einem Profi in Sachen Schnitt, unterstützt.“

Zwei „Streifen“ von 55 Minuten und 62 Minuten Länge zeigen Georgenthal 2019. Nach dem Vorführen des ersten Teils und der Pause fügt Melhose einen Film von Marcel Lenz über den Georgenthaler Landfrauenmarkt ab.

Die Zuschauer sehen ein filmisches Kaleidoskop von Georgenthal. Mancher erkennt sich – wieder. Nur einer ist nicht im Bild: Claus Melhose, er steht ja stets hinter der Kamera.

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