Die Raupe Marlene wird zum Schmetterling

Gotha  Große Komödie im Kulturhaus Gotha: Jutta Wübbe mit dem Pianisten Volker Griepenstroh.

Jutta Wübbe in ihrer Rolle als Marlene Jaschke und ihr Pianist, Volker Griepenstroh, begeisterten ihr Publikum im Kulturhaus mit großartigem Komödiantentum und perfekter pianistischer Leistung.

Jutta Wübbe in ihrer Rolle als Marlene Jaschke und ihr Pianist, Volker Griepenstroh, begeisterten ihr Publikum im Kulturhaus mit großartigem Komödiantentum und perfekter pianistischer Leistung.

Foto: Dieter Albrecht

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„Man muss auch mal ‘ne Raupe sein, wenn man Schmetterlinge im Bauch spüren will.“ Und als „Raupe“ präsentiert sie sich, die schrullige, naive Chefsekretärin des Schraubengroßhandels Rieger, Ritter, Berger und Söhne, Preisträgerin der Goldenen Schraube: Marlene Jaschke mit ihrem 20er-Jahre-Filzhut, der antiquierten Handtasche und in ihren 29,95-Euro-Halbschuhen.

Storchenbeinig stakst sie über die Bühne und erzählt aus ihrem ach so bewegten Leben, immer auf der Suche nach dem Mann ihrer Träume.

Da muss sie wohl erst über sieben Brücken geh‘n. Ja, die Liebe hat bunte Flügel, aber wo endet alles immer wieder? Beim liebevoll umhäkelten Taschentuch, das sie, stets in neuer Pracht, aus ihrer Tasche holt, um ihre Enttäuschung hinein zu schneuzen.

Marlene alias Jutta Wübbe ist eine großartige, eine hochpro­fessionelle Schauspielerin und als Komödiantin ein wahres Urtalent. Hochpräzise auch die kleinste Bewegung, und als eine der wenigen Profis beherrscht sie noch die perfekte Bühnensprache, die sich so manche(r) nuschelnde, Silben verschluckende, hastig polternde Promi heutzutage zum Vorbild nehmen sollte.

Und singen kann sie wirklich, sie hat einen achtbaren Alt, singt aber auch, ein paar Töne tiefer, die superschwierige Sopran-Koloraturarien aus Mozarts „Zauberflöte“: „Die Rache kocht in meinem Herzen … so nimmst du meinen Bleistift nimmermehr!“

Der Mann am Klavier: Volker Griepenstroh, Filmmusik-Profi und ein ausgezeichneter Pianist. Wie er aus Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ ein virtuoses Stück Jazz entstehen lässt, das ist einfach toll!

Liebevolle Schrulligkeit und Bühnenpräsenz

Einmal singen sie sogar zusammen. Aber auch das „Zauberflöten“-Duett Papageno/Papagena „… Herzenstäubchen … liebes Weibchen...“ wird Marlene ihrem Ziel kaum näherbringen. Denn Herr Griepenstroh spricht perfekt Chinesisch, zumindest einen Satz, und liebt Frau Peng aus dem Chor.

Selbst wenn Marlene mittendrin Witze erzählt, wird‘s nicht flach. Kennen Sie den? Begegnet ein älteres Paar, beide 60 Jahre alt, einem Zauberer, und der Mann äußert einen Wunsch: eine 30 Jahre jüngere Frau. Schwups – jetzt ist er 90! Marlene – ein 08/15-Comedian? Nein, über Marlene kann man herzhaft lachen.

Was wird zum Schluss aus der Raupe, die vom Schmetterlingsdasein träumt? Eine verrucht-verführerische Tänzerin im selbstgehäkelten Flamenco-Kleid, ole! Die 64 Jahre sieht man ihr nicht an, schließlich möchte sie „Alt wie ein Baum“ werden. Uns würde‘s freuen.

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