Ein sensibler Künstler am Schmiedefeuer

Bad Tabarz.  Zum 10. Todestag Günter Reicherts richtet der Tabarzer Kunstverein „ScenePart“ eine sehenswerte Ausstellung aus.

Matthias Mörstedt, Vorsitzender des Kunstvereins „ScenePart“, hier neben Reicherts Stele „Wegzeichen“ von 1984, hat ein ganzes Jahr im Dunstkreis des Künstlers verbracht und dessen Arbeit hautnah miterlebt.

Matthias Mörstedt, Vorsitzender des Kunstvereins „ScenePart“, hier neben Reicherts Stele „Wegzeichen“ von 1984, hat ein ganzes Jahr im Dunstkreis des Künstlers verbracht und dessen Arbeit hautnah miterlebt.

Foto: Dieter Albrecht

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Genau am 10. Todestag des Friedrichrodaer Kunstschmieds und Metallgestalters Günter Reiche hat der Kunstverein „ScenePart“ eine umfangreiche und sehenswerte Gedenkausstellung im Haus Albrecht eröffnet. Erstaunlich, was alles Reicherts Nachkommen und weitere Vereinsmitglieder unter Mühen von den verschiedensten Orten zusammengetragen haben: für den öffentlichen Raum bestimmte Skulpturen, viele kleinere Exponate, Collagen, Grafiken, Fotos. Nicht in der Ausstellung gezeigt wird Metallschmuck von ausgesuchtem Geschmack, einst nur für Familienmitglieder gefertigt.

Mehr als 50 Jahre hat Günter Reichert den Schmiedehammer geschwungen und seine künstlerischen Ideen dem schwer bezähmbaren Material aufgeprägt – trotz seiner seit dem 30. Lebensjahr nie mehr aufhörenden Rückenschmerzen. Mir sensibler Vorstellung und starkem Formwillen hat er selbst etwas so Banalem wie Kerzenständern originelles künstlerisches Format verliehen.

Ausgesprochen originell sind seine Kupfer-Bronze-Stahl-Variationen zum Thema Ariadne-Faden: Unglaublich, wie sich der stählerne „Faden“ in enger Verschlingung windet … Von individuellem Ausdrucksvermögen geprägt sind auch etwa seine „Ruhestätte für einen geschätzten Handwerker“, die „Sechs Individuen“ und sein in einer Sandsteinplatte wurzelndes stählernes Hartriegelgewächs („Cornus Blossfeld“).

Ein besonderer Blickfang: „Der gefangene Stein“ – eine Granitrolle, die, auf einer Stahlplatte ruhend, ein stählerner Arm umfängt, als ob er sie behüten wollte.

Phantasievoll gestaltet sind die Materialcollagen „Eselsweg“, „Kreuzweg“, „Mittelweg“ und Zickzackweg“ aus gewundenen Stahlbändern, Schieferplatten, Holz und Textil. Überhaupt schuf Günter Reichert gern Collagen. So ist die Grafik „Erinnerung an Geiranger“ (ein idyllisch an einem Fjord gelegenes norwegisches Dörfchen) mit feiner Feder akribisch gezeichnet und mit gemusterten Metallplättchen belegt.

In einer Reihe von Grafiken überträgt Reichert das geschmiedete dreidimensionale Objekt auf die zweidimensionale Fläche des Zeichenkartons. Dabei sind die feinen Strukturen des Materials gewissenhaft nachgebildet, so dass der Betrachter einen räumlichen Eindruck gewinnt.

Zur Vernissage konnten die beiden Ausstellungsräume kaum die vielen Besucher fassen, die eine sehr persönliche Atmosphäre erlebten, auch dank des Klarinettenduos Horst Creutzburg/Ronals Renner, das mit einigen Sätzen von Mozart echte Hausmusikatmosphäre schuf. In seiner Laudatio betonte Hans Georg Creutzburg, der 29-jährige Reichert-Enkel, sein Großvater sei schon immer ein Suchender gewesen – ein „Es ist erreicht“ habe es bei ihm nie gegeben. Das waren keine leeren Worte, die Verkaufsausstellung liefert den Beweis.

Geöffnet bis 4. Dezember, mittwochs bis sonntags, zwischen 14 und und 17 Uhr, Zimmerbergstraße 18, Bad Tabarz

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