Eine schöne Kirche, dafür kein neues Brauhaus

Waltershausen  300 Jahre Grundsteinlegung: Ein eigenwilliges Gedenkkonzert ist in der Stadtkirche Waltershausen zu erleben. Es erklingen Instrumente, die heute kaum jemand kennt.

Tilman Reinhardt gibt eine Klangkostprobe auf einem der Instrumente namens Tromba marina. Er hat sie selbst gebaut nach dem historischen Originalinstrument, das im Eisenacher Bachhaus ausgestellt ist.

Tilman Reinhardt gibt eine Klangkostprobe auf einem der Instrumente namens Tromba marina. Er hat sie selbst gebaut nach dem historischen Originalinstrument, das im Eisenacher Bachhaus ausgestellt ist.

Foto: Dieter Albrecht

300 Jahre ist es her, dass die Waltershäuser Stadtväter den Grundstein der Stadtkirche legten – nach einem mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Streit, ob man lieber ein großes Brauhaus oder doch ein neues und größeres Gotteshaus errichten solle. Am Sonntag gab es dazu ein Gedenkkonzert. Bei der Gelegenheit durften die Teilnehmer des 1. Thüringer Tromba-marina-Workshops ihre ersten Spielerfolge zeigen.

Das auch als Trumscheit bekannte einsaitige Streichinstrument hat nichts mit der Seefahrt zu tun und hieß wahrscheinlich ursprünglich Tromba mariana (Marientrompete). Tatsächlich erinnert sein harscher, schnarrend-rustikaler Klang, hervorgerufen durch Resonanzsaiten im Inneren, an den Klang einer Trompete. Im Laufe des Waltershäuser Konzerts ließ sich der Kursleiter, Orgelbauer Tilman Reinhardt, damit hören. Er hatte die Tromben fast aller Workshop-Teilnehmer selbst gebaut – nach dem Vorbild eines historischen Originals, das im Eisenacher Bachhaus-Museum ausgestellt ist.

Ein Violoncello zum Umhängen

Diese „Streichtrompete“ war nicht das einzige ungewöhnliche Instrument des Abends. Klaus Vogt trat zusammen mit Barockgeigerin Anne Schumann und Kirchenmusikdirektor Theophil Heinke (Truhenorgel) als Cellist auf – nur dass sein Violoncello kleiner als gewöhnlich ist, zum Spielen um den Hals gehängt wird, sich durch einen besonders weichen, warmen, schlanken Klang auszeichnet und Viola di spalla heißt.

Die drei spielten ein mehrsätziges Trio Telemanns – Musik, die auch in Waltershausen vor 300 Jahren erklungen sein mag.

Von Giuseppe Colombi (1635 – 1694) erklang die Partita à la tromba, in der, entsprechend dem Titel, hauptsächlich die Naturtöne erklangen wie bei einer ventillosen Naturtrompete.

Eine aus der Feder Giuseppe Tartinis (1692 – 1770) stammende Sonata soll einst in Waltershausen zur Bestreitung der Baukosten der Kirche aufgeführt worden sein. Und wer genau aufpasste, konnte hören, was die drei Sätze musikalisch illustrierten: die Streitigkeiten vor dem Bau, die Arbeit am Bau und den Wirtshausbesuch am Abend.

Zwei recht unterschiedliche Einlagen gab Tom Anschütz, Kirchenmusiker in Ausbildung, der sich zum Trio als Sänger hinzugesellte bei der Bach‘schen Choralbearbeitung „Lobe den Herren“ und dem launigen Bierlied „Wohlauf, lasst uns fröhlich sein“ von Adam Krieger (1634 – 1666).

Flötenkonzert ohne Flöten

Eingerahmt wurde das ungewöhnliche Konzert vom Klang der großen Trost-Orgel. Zu Beginn spielte Heinke vom Beethoven-Zeitgenossen Christian Heinrich Rinck (1770 – 1846) den 1. Satz des Flötenkonzerts für Orgel op. 55. Hier wechseln im Concerto-Stil Flötenstimmen der Orgel und majestätische Tutti-Register einander ab. Und zum Schluss erklang Händels bekanntes Orgelkonzert F-Dur op. 5 Nr. 4, assistiert vom „Orchester“ Schumann/Vogt.

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