Filmgeschichten, die das Leben schrieb

Gotha.  Theater- und beliebte Filmschauspielerin Franziska Troegner stellt in der Stadtbibliothek Gotha ihr Buch Permanent trendresistent“ vor.

Franziska Troegner las vor Fan-Publikum im ausverkauften Cibulka-Saal der Gothaer Stadtbibliothek aus ihrem Erinnerungsbuch „Permanent trendresistent".

Franziska Troegner las vor Fan-Publikum im ausverkauften Cibulka-Saal der Gothaer Stadtbibliothek aus ihrem Erinnerungsbuch „Permanent trendresistent".

Foto: Dieter Albrecht

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140 Plätze bietet der Cibulka-Saal in der Gothaer Stadtbibliothek, und 140 Fans sind gekommen. Zu Gast ist erneut die gestandene Theater- und beliebte Filmschauspielerin Franziska Troegner (65). Diesmal mit ihrem Erinnerungsbüchlein „Permanent trendresistent“, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Andreas Püschel: Von ihr stammen die oft nachdenklichen und doch stets pointiert witzigen Geschichten; in die endgültige literarische Form gegossen hat er sie dann.

Im vereinten Deutschland, lässt sie uns wissen, musste sie einfach ihre Erlebnisse auf Papier festhalten, angesichts missratener Deutungsversuche journalistischer Alt-BRD-Edelfedern, die ihr ständig erklären wollten, wie sie in der DDR gelebt habe.

Nach diesem Einstieg geht‘s los mit ihren Geschichten. Und die sind für alle im Saal das reinste Vergnügen, denn da vorn eine Vollblutschauspielerin, die dank kabarettistischer Ader ihren anekdotischen Erinnerungen mimisch und gestisch den nötigen Drall verleiht.

Wie bekommt man – in der DDR einfach nicht angebotene – 15 Edelstahl-Doppelspülen nach einem Polen-Gastspiel am Zoll des Gastlands vorbei nach Hause? Was empfindet eine Ossi-Schauspielerin, die seit Jahren einen Genex-Golf fährt, wenn ihr ein West-Kollege erklärt, wo beim Golf die Hupe sitzt? Wie dreht man eine Szene mit Cha-Cha-Cha-Tänzern, wenn das Budget nicht reicht, das „Altdeutsche Ballhaus“ zu mieten, und sich die Schauspieler unters Publikum eines öffentlichen Tanzabends mischen müssen, das gerade alles andere, nur keinen Cha-Cha-Cha tanzt? Wie belohnt das Schicksal eine Schauspielerin, die trotz ihrer Höhenangst als „Kranführerin“ in luftige Höhen steigen muss? – Die Zollbeamten hält man mit viel Alkohol an der Bar frei. Den belehrungssüchtigen West-Kollegen lässt man einfach reden. Die Cha-Cha-Cha-Schrittfolge zählt man, hochkonzentriert, innerlich mit, damit nichts schiefgeht. Und der „Kranführerin“ wird die Szene später gestrichen – all die Angst war gratis.

Was Filmschauspieler, besonders die aus populären Serien, immer wieder erleben müssen, kennt auch Franziska Troegner: Das Publikum verwechselt Film und Wirklichkeit. Klaus Jürgen Wussow, „Professor Brinkmann“ in der „Schwarzwaldklinik“, wurde im Flugzeug um ärztliche Hilfe gebeten. Teilnehmer an einer echten Gerichtsverhandlung glaubten, sie müssten sich so benehmen wie in einer inszenierten TV-Gerichts-„Doku“. Und Francisco Medina, der bei RTL einen üblen Fiesling spielte, musste im wahren Leben Morddrohungen über sich ergehen lassen.

Wie gut, dass Franziska Trögner noch keine schurkische Femme fatale spielte . . .

Nach hundert Minuten ist die Lesung zu Ende; mehr gibt‘s in dem Büchlein, dessen ideellen Wert man durch ein Autogramm vervielfachen lassen kann. Die Fans spenden langen und herzlichen Applaus – da müsste doch noch eine Zugabe möglich sein?

Aber klar. Noch einmal greift Franziska Troegner tief in ihre Anekdoten-Truhe. Mit Geschichten von professionellen Dieben, deren Tricks man sich in Barcelona trotz größter Vorsicht kaum entziehen kann, endet der launige Abend.

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