Geraubte Gemälde diese Woche in Gotha zu sehen

Gotha.  Im Herzoglichen Museum werden die fünf Werke bis Sonntag präsentiert, ehe sie restauriert werden.

Uta Wallenstein, Gabriele Roth und Ute Däberitz (von links), Mitarbeiter der Stiftung Schloss Friedenstein, konnten die Gemälde aus dem Kunstraub von 1979 am Montag betrachten. Im Herzoglichen Museum werden die fünf Werke bis Sonntag präsentiert, ehe sie restauriert werden.

Uta Wallenstein, Gabriele Roth und Ute Däberitz (von links), Mitarbeiter der Stiftung Schloss Friedenstein, konnten die Gemälde aus dem Kunstraub von 1979 am Montag betrachten. Im Herzoglichen Museum werden die fünf Werke bis Sonntag präsentiert, ehe sie restauriert werden.

Foto: Lutz Ebhardt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bis 20 Uhr hat das Herzogliche Museum an diesem Montagabend ausnahmsweise geöffnet. Denn zum ersten Mal sind die fünf Gemälde, die im Dezember 1979 aus dem Schloss Friedenstein gestohlen wurden und seitdem verschollen waren, wieder zu sehen. Ab Dienstag bis zum Sonntag, dem 26. Januar, können Besucher sie noch täglich von 10 Uhr bis 16 Uhr in Augenschein nehmen. Sie hängen in einem extra Raum, jedes mit ausführlicher Beschreibung. Anschließend sollen sie restauriert und 2021 Mittelpunkt einer Sonderschau zum Thema zurückgekehrter Kunst werden.

Petra und Wolfgang Hinske aus Masserberg gehörten zu den ersten Gästen, die sich die Heilige Katharina von Hans Holbein d. Ä. (um 1510), die Landstraße mit Bauernwagen und Kühen von Jan Brueghel d. Ä. (um 1610), das Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen von Frans Hals (um 1535), das Selbstbildnis mit Sonnenblume eines unbekannten Künstlers nach Anthonis van Dyck (nach 1633) und das Bildnis eines alten Mannes von Ferdinand Bol (nach 1632) anschauten. „Wir sind deswegen extra nach Gotha gekommen, denn wir freuen uns, dass diese Geschichte so ein gutes Ende gefunden hat“, sagte Petra Hinske.

Zuvor war auf einer Pressekonferenz im Herzoglichen Museum noch einmal berichtet worden, wie die geraubten Kunstwerke zurückgekehrt sind. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) lobte das Agieren von Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD), „der nicht angefangen hat, sich abzusichern, sondern die Chance genutzt hat, als ihm die Bilder angeboten wurden“. Das sei möglich gewesen dank eines Dream-Teams, sagte Knut Kreuch. Denn ohne die Rückendeckung von Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, und Juristin Friederike von Brühl, die rechtliche Hilfe gab, hätte es nicht gelingen können.

Unter den ersten Betrachtern der Gemälde waren am Montag auch Mitarbeiter der Stiftung Schloss Friedenstein. „Ich kann mich gut an das Bild mit der Sonnenblume erinnern. Das habe ich mir als junge Studentin noch im Schloss angeschaut“, erzählt Museumspädagogin Gabriele Roth. „Umso schöner, dass ich es jetzt nach so vielen Jahren wieder sehen kann.“

Ute Däberitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Schloss Friedenstein, war noch ein Kind, als die Bilder geraubt wurden. „In der Zeitung stand damals nicht viel, aber es wurde überall darüber gesprochen“, sagt sie. Ihre Kollegin Uta Wallenstein wurde bei der Einführung in ihre Arbeit im Schloss Friedenstein gleich mit diesem Thema vertraut gemacht. „Und der ungeklärte Raub war all die Jahre immer präsent.“ Deshalb sei es für alle ein besonderer Moment, dass die fünf Gemälde zurück sind. „Wir haben uns am Freitag schon die Live-Übertragung der Pressekonferenz aus Berlin angesehen, als sie das erste Mal gezeigt wurden“, so Gabriele Roth.

Uta Wallenstein nutzte am Montag die Gelegenheit und ging auf jene zu, denen es maßgeblich zu verdanken sei, dass die vier Bilder niederländischer und eins aus deutscher Malschule nun wieder dort sind, wo sie hingehören – in Gotha. Insbesondere habe sie Respekt vor Knut Kreuch, Martin Hoernes und Friederike von Brühl. „Denn da haben sich Menschen zusammengefunden, die mit Herzblut etwas gewagt haben – ohne zu wissen, wie es ausgeht. Das erlebt man heute nur noch selten, und davor habe ich großen Respekt“, sagt Uta Wallenstein.

Die fünf Gemälde aus dem Kunstraub von Gotha sind Dienstag bis Sonntag, 26. Januar, täglich von 10 bis 16 Uhr im Herzoglichen Museum zu sehen. Der Eintritt kostet fünf Euro. Timo Trümper Direktor Wissenschaft und Sammlungen, bietet Sonderführungen zur kunsthistorischen Bedeutung der Gemälde am 23. und 26. Januar, jeweils 15 Uhr, an.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren