Gotha: Die kleinen Verwandten der Dinosaurier

Gotha.  Kulturelle Einrichtungen: Neben den Grabungen am Bromacker ist 2021 im Schloss eine Ausstellung über „Saurier – Erfindung der Urzeit“ geplant.

Eudibamus cursoris - das kleine Reptil wurde bereits 1993 am Bromacker gefunden. Paläontologe Tom Hübner zeigt das Modell (rechts) und das präparierte Skelett. 

Eudibamus cursoris - das kleine Reptil wurde bereits 1993 am Bromacker gefunden. Paläontologe Tom Hübner zeigt das Modell (rechts) und das präparierte Skelett. 

Foto: Conny Möller

In unzähligen Tüten und Folien verpackt, mit Zetteln gekennzeichnet, stapeln sich in Kisten große und kleine rotbraune Steine, teils auch Platten – manche sogar noch mit Erde behaftet. Sie alle bergen fossile Geheimnisse, die die Wissenschaftler um Tom Hübner herausfinden wollen.

Die Gesteine wurden erst vor wenigen Wochen und Monaten am Bromacker gefunden. Die Ausgrabungsstätte mitten im Thüringer Wald ist bei internationalen Wissenschaftlern bekannt, denn hier kann man Eintauchen in eine Welt vor fast 300 Millionen Jahren. Seit 1975 wurden am Bromacker 40 Skelette von zwölf verschiedenen Ursaurierarten entdeckt. Sie sind wie alle anderen Fundstücke im Perthesforum eingelagert, das auf 3500 Quadratmetern Depotfläche die Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein beherbergt. Allein für den Bereich Geologie, zu denen auch die Bromacker-Sammlung gehört, stehen 490 Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung.

„Tambacher Liebespaar“ über Thüringen hinaus bekannt

Tief unten im Keller des Depots lagern in einem klimatisierten Raum unzählige fossile Schätze. Der studierte Wirbeltierpaläontologe Tom Hübner, der sich auf die Lebenswelt der Saurier spezialisiert hat, wacht hier über ein Reich von insgesamt 160.000 fossilen Stücken, davon allein 1000 mit Teilen von Skeletten der Ursaurier, die bei den Grabungen am Bromacker gefunden wurden. Der imposanteste und über Thüringens Grenzen hinaus bekannteste Fund ist das „Tambacher Liebespaar“. Entdeckt wurde es bei Grabungen im Sommer 1997. Die beiden Ursaurier der Gattung „Seymouria sanjuanensis“ haben vor 295 Millionen Jahren in einem Süßwassertümpel im Tambacher Becken gelebt.

Für Wissenschaftler Tom Hübner und seine Mitarbeiter, dazu gehören Pia Kain, die sich um die Aufbereitung der Bromackerfunde kümmert sowie Museologin Sophie König, steht die große Aufgabe noch bevor. Schließlich sind sie Teil des interdisziplinären Forschungsteams – dazu gehört das Museum für Naturkunde Berlin, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Nationale GeoPark Thüringen Inselsberg-Drei Gleichen – die in den nächsten fünf Jahren am Bromacker arbeiten werden.

Bald Antworten auf die Frage der Lebensweise der Wirbeltiere

„Im Sommer 2021 geht es weiter, jetzt erfolgte lediglich eine Textgrabung, die aber auch erfolgreich war“, sagt Tom Hübner. In den nächsten Monaten sollen die Funde aufbereitet und analysiert werden. Wissenschaftlerin Pia Kain hat bereits damit begonnen, einen Knochen aus dem rotliegenden Gestein herauszufräsen. Hübner vermutet, dass es sich dabei um eine Rippe eines Ursauriers handeln könnte. Für die Forscher sei es wichtig, Antworten auf Fragen der Lebensweise der Landwirbeltiere zu erfahren.

Natürlich gehört dann auch das Lesen der hinterbliebenen Fährten dazu, die sich auch im Depot befinden. Circa 100 Fährtenplatten stehen hier mit Spuren großer und kleiner Tiere, Pflanzen und Muscheln. Auch von diesen Spuren erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Erkenntnisse vom Leben der Ursaurier.

Reptiliengruppe gibt es nur am Bromacker

Neben der Fortsetzung der Grabungen am Bromacker ist im kommenden Jahr im Schloss Friedenstein eine Ausstellung über „Saurier – Die Erfindung der Urzeit“ geplant. Die Jahresausstellung sollte eigentlich in diesem Jahr bereits gezeigt werden, musste jedoch aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden.

Im Mittelpunkt steht der Bromacker und seine Ursaurier. Da dürfen die beiden restaurierten Skelette des „Martensius bromackerrensis“ und der „Eudibamus cursoris“ nicht fehlen. Von letzterem zeigt ein Modell, wie das kleine Reptil ausgesehen haben könnte. Hübner: Diese Reptiliengruppe gibt es nur am Bromacker. Vom aufrechten Laufen hat es sogar Ähnlichkeit mit den großen Dinosauriern.