Gotha: Mahn- und Gedenkort rückt mitten ins Leben

Gotha.  Fachmarktzentrum an der Gartenstraße eröffnet. Im Durchgang zur Lenaustraße erinnern Model und Denkmal an ehemalige Gothaer Synagoge.

Ort des Gedenkens: An die 1938 zerstörte Gothaer Synagoge an der Moßlerstraße erinnern nun deren Modell in einem Schaukasten, zwei Stelen, ein Relief des Davidsterns sowie zwei Schautafeln.

Ort des Gedenkens: An die 1938 zerstörte Gothaer Synagoge an der Moßlerstraße erinnern nun deren Modell in einem Schaukasten, zwei Stelen, ein Relief des Davidsterns sowie zwei Schautafeln.

Foto: Wieland Fischer

Zwischen Garten- und Moßlerstraße ist das neue Fachmarktzentrum eröffnet. Während am Donnerstagvormittag die ersten Kunden in die mehr als zehn Märkte und Läden strömen, wird zur offiziellen Freigabe ein neuer Gedenkort eingeweiht, der an die Gothaer Synagoge erinnert. Er fügt sich in den Durchgang des neuen Altstadtforums ein, der ein Bindeglied zwischen Lenaustraße Richtung Pfortenstraße und Innenstadt bilden soll.

Auf die 1938 in der Pogromnacht zerstörte Synagoge an der Moßlerstraße weisen nun zwei Stelen an einer Gebäudewand vor einem Relief des Davidsterns hin, davor zwei Schautafeln und ein Modell der Synagoge in einem Schaukasten. Es war 2004 angefertigt worden, anlässlich des Baus der Synagoge hundert Jahre zuvor.

Projekt kommt nach elfeinhalb Jahren zum Abschluss

Josef Saller, Geschäftsführer der Saller-Bau GmbH aus Weimar, die die Shoppingmeile für rund 14 Millionen Euro errichten ließ, spricht von einem langen Prozess, Überwindung von Widerständen, ehe das Fachmarktzentrum gebaut werden konnte. Elfeinhalb Jahre habe die Projektentwicklung gedauert. „Wir haben drei Stadtratsperioden in Gotha miterleben dürfen.“ Eine Bürgerbefragung hatte 72 Prozent Zustimmung zum ursprünglich geplanten Shopping-Center, genannt Glitzerpalast, ergeben. Geschichte. Am Ende ist die Verkaufsfläche von anfangs geplanten 16.000 Quadratmetern auf rund 6500 Quadratmeter reduziert worden.

Was jetzt da stehe, das könne sich sehen lassen, sagt Saller. Es solle dem Kaufkraftabfluss von Gotha nach Erfurt ein Stück weit entgegenwirken. Es müsse gelingen, gemeinsam mit der Innenstadt ein gemeinsames Zentrum zu schaffen, gemeinsam attraktiv zu werden, wirbt der Investor.

Große Herausforderung mit vielen Rückschlägen

Diese Hoffnung verbindet auch Andreas Dötsch, Vorsitzender des Gothaer Gewerbevereins, mit dem neuen Center. Mit der jetzigen Größe könne er leben.

Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) nennt das Projekt Altstadtforum eine große Herausforderung, das mit zahlreichen Rückschlägen verbunden war. Ihm sei es darum gegangen, „im Herzen dieser Stadt“ ein derartiges Zentrum zu errichten und nicht an der Peripherie. Er hoffe, dass zum Umsetzen der Saller-Vorhaben Richtung Remstädter Straße nicht noch einmal zwölf Jahre ins Land gehen.

Bei der Gestaltung des Areals handele sich nicht nur um ein Einkaufszentrum, sondern auch um ein Wohnprojekt, sagt Kreuch mit Blick auf die Sanierung der Mehrgeschosser nebenan durch Saller.

Respekt für den neu entstandenen Ort des Gedenkens

Von Anfang an sei es dem Stadtrat und ihm wichtig gewesen, für das Gedenken an jüdisches Leben in Gotha einen Ort zu schaffen. Das 1988 errichtete Denkmal habe in der Moßlerstraße verwaist gestanden, sei mitunter zugewachsen. Nun sei das Gedenken mitten ins Leben gerückt, wo täglich Tausende vorbeigehen. Kreuch legt diesen Ort den Gothaern, wie den Fremden sehr ans Herz. Jeder, der sich an diesem Ort des Gedenkens vergreife, werde „an den Pranger gestellt“, betont er. Josef Saller hofft und wünscht sich Respekt, dass dieser Erinnerungsort nicht beschädigt wird.

Für Reinhard Schramm (Vorsitzender der jüdischen Landesgemeinde) stellt der neue Gedenkort einen gelungenen Kompromiss dar. Dazu habe auch Bärbel Benkert beigetragen, die lange für den Erhalt der Gedenkstätte an der Moßlerstraße eingetreten war und ab 2014 Mittwochsgebete dort organisiert hatte. Die Gothaerin nennt das neue Mahnmal eine schöne Lösung. Besonders freue sie sich über das Modell der ehemaligen Gothaer Synagoge, das zuletzt in Mühlhausen gestanden hatte. Sie denke, es werde insbesondere Kinder und Jugendliche zum Fragen anregen. Hans Klein, der die beiden abgewinkelten Stahlprofile sinnbildlich für KZ-Zaun-Pfähle entworfen hatte und auch bei der Planung des Altstadtforums mitgewirkt hatte, ist froh, dass die Skulpturen nicht verloren gegangen sind.