Gotha: Von Muschelblüten bis Pulverhorn

Conny Möller
| Lesedauer: 3 Minuten
Susann Böhm hat als Metallrestauratorin alle Hände voll zu tun. Ihre Werkstatt hat sie im Perthesforum Gotha mit Blick zum Schloss Friedenstein.

Susann Böhm hat als Metallrestauratorin alle Hände voll zu tun. Ihre Werkstatt hat sie im Perthesforum Gotha mit Blick zum Schloss Friedenstein.

Foto: Conny Möller

Gotha.  Alle Hände voll zu tun hat derzeit Metallrestauratorin Susann Böhm. Sie bereit für Ausstellungen verschiedene Objekte vor.

Das Kunsthandwerk ist ihre große Leidenschaft und da ist Susann Böhm bei der Stiftung Schloss Friedenstein an der richtigen Stelle. Seit Juni 2019 ist sie als Metallrestauratorin auch für die kunsthandwerklichen Objekte zuständig.

Susann Böhm stammt aus dem sächsischen Bad Muskau und studierte in Erfurt die Fachrichtung Kunsthandwerk, die die Restaurierung und Konservierung von archäologischem Kulturgut mit einschließt. Nach ihrem Studium ist sie in Thüringen geblieben und fand in den Restaurierungswerkstätten der Gothaer Stiftung einen neuen Wirkungskreis.

Lehrgang für Waffensachkunde erforderlich

Denn hier wurde nach dem Weggang des Metallrestaurators Helmut Biebler dringend ein Nachfolger gesucht, der nicht nur die archäologischen Artefakte und technischen Objekte wie Uhren, astronomische Geräte, Münzen und Medaillen betreut, sondern auch die Waffensammlung mit Schusswaffen vom Mittelalter bis zum zweiten Weltkrieg. Dazu musste die 30-Jährige einen Lehrgang in Waffensachkunde ablegen. Denn unter dem Inventar befinden sich sogenannte WBK (Waffenbesitzkarte)-Waffen nebst Munition, die eine besondere Betreuung bedürfen.

Susann Böhm macht die Arbeit Spaß. Wenn sie aus dem Fenster ihrer Werkstatt im Perthesforum schaut, kann sie das Schloss Friedenstein sehen. „Es gefällt mir hier und die Objekte stellen mich immer wieder vor neue Herausforderungen“, sagt die Restauratorin. So gebe es kaum einen Sammlungsbereich, wo immer die gleichen Materialien vorkommen. Vor allem die fremden Kulturen faszinieren sie. Gegenwärtig liegen auf ihrem Tisch zwei Kunstobjekte, die für eine Ausstellung gereinigt und restauriert werden müssen.

Dabei handelt es sich um eine Haube aus China und ein Pulverhorn aus dem osmanischen Reich. Bei letzterem sei das Leder geschädigt, welches mit Metalldrähten durchzogen ist. Um die Muster für den Betrachter wieder erkennbar zu machen, müssen die Metallteile gereinigt werden. „Ich benutze dafür einen Dremel“, sagt Susann Böhm. Die Arbeit sei zeitaufwendig und muss mit äußerster Vorsicht erfolgen.

Ähnlich sieht es auch bei der asiatischen Kopfbedeckung aus. Die Teile sind aus Messingblech gefertigt und mit gefärbten Glasperlen versehen. Auch hier steht zunächst eine Reinigung des Metalls an, bevor es an die Restaurierung und Festigung gelöster Blechteilchen geht. Beide Exponate sollen für die ethnologische Sammlung digitalisiert werden. „Wenn ich solche Objekte auf dem Tisch habe, interessieren mich immer, wo sie herkommen“, erzählt die Restauratorin.

Ein ganz ausgefallenes Objekt ist ein Blumenkorb aus England, der aus dem 18. Jahrhundert stammt. Er soll ab 4. Juli in der Ausstellung „Muschelblüten, Blumenbücher und ein Orangeriemodell - Restaurierte Kunst rund um den Garten“ zu sehen sein. Susann Böhm ist dabei die metallenen Beschläge zu reinigen, zu konservieren und zu festigen. Alle Blumen sind aus 37 unterschiedlichen Perlmutt-Muschelteilen gefertigt, die Blätter sogar aus Wachs. „Die Muscheln wurden gereinigt, meine Aufgabe sind die Metallteile“, beschreibt die Restauratorin ihre Arbeit. Das Exponat komme dem Kunsthandwerk sehr nahe und deshalb freue sie sich, dass sie auch solche Objekte auf den Arbeitstisch erhält.