Gothaer mit dem Berufswunsch Schauspieler: Plan B hat’s nie gegeben

Gotha  Der Gothaer Max Lamperti beginnt am 1. Oktober ein Studium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Er wollte schon mit zwölf Jahren Schauspieler werden.

2017 spielte Max Lamperti (Mitte, vorn) im Stück „Antrag abgelehnt: Die Würde des Menschen ist unfassbar! Eine Szenische Lösung“ des Kulturvereins Art der Stadt Gotha mit. Er hat bereits viel Erfahrung im Schauspiel sammeln können. Archiv-

2017 spielte Max Lamperti (Mitte, vorn) im Stück „Antrag abgelehnt: Die Würde des Menschen ist unfassbar! Eine Szenische Lösung“ des Kulturvereins Art der Stadt Gotha mit. Er hat bereits viel Erfahrung im Schauspiel sammeln können. Archiv-

Foto: Bernd Seydel

Ganz früher, kaum dem Kindergartenalter entwachsen, stand für ihn fest: Ich werde Fußballprofi. Dann entdeckte er das Lesen für sich, war hin und weg von all den Geschichten zwischen den Buchdeckeln, sodass er seine Fußballerkarriere kurzerhand über den Haufen warf.

Nun stand ganz allein auf seiner Liste: Schriftsteller. Das hielt so lange, bis er als Zwölfjähriger absolut sicher war: Schauspieler wolle er werden, nichts anderes als Schauspieler.

Das hat er gepflegt über all die Jahre – ohne einen Plan B. Und das, gibt er zu, habe ihm gelegentlich Angst gemacht. Trotzdem hat er auf Plan B verzichtet. Weil der nämlich die Möglichkeit des Scheiterns von Plan A in sich getragen hätte. An ein Fehlschlagen jedoch hat Max Lamperti zu keiner Zeit gedacht. Irgendwann, dessen war er sich gewiss, wird er auf den Brettern stehen, die seine Welt bedeuten.

Dass es ausgerechnet das Max-Reinhardt-Seminar in Wien sein würde, das ihn als Schauspielschüler aufnimmt, daran hat er so recht nicht geglaubt. Dort beginnt im Oktober sein Studium.

Vier Jahre, also acht Semester, lernt er dort sein Handwerk. Dann, wenn alles so läuft wie gewünscht, verlässt er die traditionsreiche Stätte mit dem Magister-Titel in der Tasche. Bis dahin ist der Weg weit und dornig, weiß der 20-Jährige.

Max‘ Enthusiasmus freilich wird ihn tragen. „Ich freue mich auch auf die Stadt, obwohl ich während der einen Woche beim Vorsprechen nicht wirklich viel gesehen habe. Allein schon die Wiener Theatertradition macht mich ehrfürchtig“, erzählt er.

Etliche hundert Bewerber bemühten sich am Max-Reinhardt-Seminar um eine Aufnahme, acht von ihnen haben es geschafft. Lamperti überzeugte mit einem Mix aus Klassik und neuer Theaterliteratur, gab unter anderem den Ruprecht aus Kleists „Der zerbrochene Krug“, agierte als Robbie in „Shoppen und Ficken“. Die Jury honorierte die sensible Körperlichkeit, mit der er die einzelnen Rollen anlegte. Andererseits weiß er: „Ich habe auch Glück gehabt.“ Möglicherweise sei sein Typ in diesem Studiengang gefragt gewesen.

Felsenfest ist er davon überzeugt, dass er ohne Unterstützung vom Verein Art der Stadt Gotha sein Ziel nicht so einfach erreicht hätte, wenn überhaupt. „Von hier aus sind schon viele zum Schauspielstudium gegangen“, erzählt er. „Das Rüstzeug, erfolgreich durch die Aufnahmeprüfungen zu gehen, bekamen sie im Verein.“

Erste Erfahrungen sammelte der Junge beim Krippenspiel, beginnend als Hirte. „Danach habe ich in den Jahren so ziemlich alle Rollen ausgefüllt, bis auf Maria natürlich“, sagt er augenzwinkernd. Diese spielte dafür seine Schwester.

Erste Rollen im Krippenspiel

Christiane Weinmann von der Kirchengemeinde Gotha-Siebleben erkannte schnell das Talent vom kleinen Max und schrieb ihm seine Rollen im Krippenspiel auf den Leib. Der belebte sie mit viel Spielfreude.

Kaum elfjährig meldete ihn seine Mutter kurzerhand beim Art der Stadt an. „Zunächst wusste ich gar nicht so recht, was das war, doch ich wurde schnell heimisch im Verein.“ Daniela Rockstuhl nahm ihn unter ihre Fittiche, zwei Jahre lang unterrichtete sie ihn in der Schauspielkunst.

Als Colin in „Der geheime Garten“ hatte Max seinen ersten großen Auftritt. „Ich kam als Seiteneinsteiger, der Darsteller fiel aus.“ Weitere Hauptrollen folgten. Ihn faszinierte, dass beim Art der Stadt nicht nur gespielt, sondern die Stücke gemeinsam erarbeitet wurden. Oft gab es tagelange Diskussionen, um sich einem Thema zu nähern. In Jewgeni Schwarz‘ „Der Drache“ verkörperte Max den Kater Mariechen. „Tierisches Verhalten zu zeigen und gleichzeitig auch Mensch zu sein, war eine große Herausforderung.“

Nach seinem Abitur machte er ein Freiwilliges Soziales Jahr – in Brasilien, in Sao Paulo. Am Ende hängte er noch drei Monate dran. „Ich habe dort Freunde gefunden.“ Und Anschluss an ein Jugendtheater. Max hat mitgewirkt in einem Stück, sich die portugiesische Sprache beigebracht und bei der Aufführung Blut und Wasser geschwitzt.

„Mir war klar, wenn einer der anderen Darsteller seinen Text vergisst, bekomme ich das gar nicht mit und kann demzufolge auch nicht reagieren.“ Es habe aber alles bestens funktioniert, und er selbst sei es gewesen, der kleine Texthänger hatte.

Gegenwärtig ist er wieder in der brasilianischen Stadt, Freunde besuchen und, natürlich, Theater spielen. Pünktlich zum Studienbeginn bezieht er sein Zimmer in Wien.

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