Gothaer reihen sich ein in weltweiten Klimastreik

Gotha  Mehr als 200 Teilnehmer kommen zur Kundgebung und Demonstration „Fridays for Future“ in die Innenstadt. Monatliche Fortsetzung geplant

Die Sanduhr der Erde droht zu kippen. Darauf macht Alexandra Seidenstücker (links) mit ihrem Transparent zur „Fridays for Future“-Kundgebung in Gotha anlässlich des weltweiten Klimastreiks aufmerksam.

Die Sanduhr der Erde droht zu kippen. Darauf macht Alexandra Seidenstücker (links) mit ihrem Transparent zur „Fridays for Future“-Kundgebung in Gotha anlässlich des weltweiten Klimastreiks aufmerksam.

Foto: Wieland Fischer

Mehr als 200 Menschen haben sich am Freitagmittag in Gotha auf dem unteren Hauptmarkt zum globalen Klimastreik versammelt. „Es sind so viele Teilnehmer wie noch nie“, stellt Selina Franke, eine der Organisatorinnen von „Fridays for Future“ in Gotha, fest. Sie findet es „grandios“, dass Gotha zu den weltweit mehr als 5000 Städten gehört, die sich am dritten internationalen Klimatag beteiligen.

Bestimmten im Frühjahr und Sommer in Gotha bei den „Fridays“-Demonstrationen für mehr Klimaschutz Jugendliche das Bild, so sind am ersten Kinder-Feiertag in Thüringen auch zahlreiche Erwachsene gekommen, um für eine Kehrtwende in der Welt, in der Wirtschafts- und Klimapolitik einzutreten. Sie halten Plakate mit Aufschriften wie „Wir sind hier, um zu beschützen – Für Mutter Erde und alle ihre Lebewesen“, „Tempo 130 Limit“ oder „Kurzstreckenflüge nur für Insekten“.

Kerstin Weisheit lenkt mit ihrem Transparent den Blick auf ein lokales Thema: „Mit der Ohratalbahn zum Dorf“. Die Strecke Gotha – Gräfenroda ist seit 2011 stillgelegt, obwohl der Schienenstrang zuvor von Grund auf erneuert worden war. „Die Buslobby hatte sich durchgesetzt“, erinnert sich die Crawinklerin. Es sei höchste Zeit, die Strecke wieder in Betrieb zu nehmen. Damit könnte jeder mit Strom fahren, Autoverkehr und CO2-Ausstoß ließen sich reduzieren.

Arnd Buck hat auf ein Transparent eine Sanduhr mit der Erde gemalt, die zu kippen droht. Es bleiben vielleicht noch 20 Jahre, um die zwei Grad Erderwärmung aufzuhalten, sagt der Biolandwirt. Er beteiligt sich zum ersten Mal in Gotha an einer Klima-Demo. Von der in Erfurt sei er größeres gewohnt. „Aber für Gotha ist das wohl in Ordnung“, findet er.

Forderung: Ohratalbahn soll wieder rollen

„Mir macht es so viel Mut, dass seit einem Jahr die jungen Leute auf die Straße gehen und sich für ihre und unsere Zukunft einsetzen“, sagt Alexandra Seidenstücker von der Gemüsewerkstatt „Grünschnabel“ in Cobstädt, die das Sanduhr-Transparent ihres Kollegen mit der Aufschrift „Systemwandel nicht Klimawandel“ trägt. Es sei jetzt an der Politik und den Erwachsenen, zu reagieren. „Und zwar schnell!“ Für Thüringen wünsche sie sich mehr ökologischen Landbau.

Der Journalist Bernd Seydel aus Gotha hat die „Fridays for Future“-Aktivisten aus Gotha von Anfang an unterstützt. „Wenn ich als Alter etwas dazu beitragen kann, mache ich das einfach“, sagt er zu seinem Engagement.

Als erste Rednerin tritt Selina Franke ans Mikrofon. Sie erinnert daran, dass von den Versprechen zur Umkehr in Sachen Klimaschutz längst nicht alle umgesetzt seien. „Wir müssen jetzt handeln“, bekräftigt sie. Sonst lasse sich der Klimawandel nicht aufhalten und die Erde werde komplett zerstört, sagt sie unter dem Beifall der Demonstranten.

Der Klimawandel sei kein Problem der jungen Generation. „Nein, er geht alle etwas an.“ Ihn aufzuhalten, das sei ein Gebot der Stunde, nicht erst in einem halben Jahr. Das Umdenken fange bei kleinen Dingen an. „Nehmt das Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel oder geht zu Fuß“, appelliert die Jugendliche.

Angesichts von Umweltverschmutzung und Unrat auf den Straßen fragt sie sich. „Ist es zu viel verlangt, einfach zum nächstgelegenen Mülleimer zu gehen? Wieso müssen wir so viel Müll produzieren.“ Beim nächsten Einkauf soll jeder daran denken und sein Handeln hinterfragen. Als besonders wichtig sehe sie die Kommunikation untereinander an. Sonst stünden die Klima-Schützer nicht auf dem Hauptmarkt.

Die ziehen dann mit ihren Transparenten durch die Innenstadt zum Arnoldiplatz, zur Orangerie, von dort aus durch den Park und zurück zum Rathaus, damit noch mehr Menschen von dem weltweiten Appell sehen und hören.

Als nächstes bereiten die „Fridays“-Organisatoren aus Gotha eine Baumpflanzaktion vor. Sie wollen die Freitags-Demonstration für mehr Klimaschutz in Zukunft monatlich in Gotha fortsetzten. Auf jeden Fall wieder am nächsten internationalen Klimatag.

Mehr Fotos: ta-gotha.de

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.