Gothas scheidender Bauamtsleiter bewältigte vier Großprojekte gleichzeitig

Gotha  Gothas Bauamtsleiter Kersten Hollunder geht nach über 17 Jahren in den Ruhestand. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht er Bilanz

Kersten Hollunder vor dem Gothaer Stadtbad, das aus das Gründen der Historie in alter Schreibweise als „Stadt-Bad“ firmiert. Den Jugendstilbau von 1912 zu restaurieren und funktionell neu auszustatten und einen Neubau anzufügen war eine der vier prägenden Großbaustellen seiner Amtszeit.

Kersten Hollunder vor dem Gothaer Stadtbad, das aus das Gründen der Historie in alter Schreibweise als „Stadt-Bad“ firmiert. Den Jugendstilbau von 1912 zu restaurieren und funktionell neu auszustatten und einen Neubau anzufügen war eine der vier prägenden Großbaustellen seiner Amtszeit.

Foto: Peter Riecke

Kersten Hollunder leitete seit März 2002 das Amt für Grundstücks- und Gebäudemanagement der Stadt Gotha. Seit dem ersten Juli hat die Ruhephase der Altersteilzeit begonnen, sein Nachfolger ist im Amt und wird laut Stadtverwaltung noch offiziell vorgestellt werden.

Wir fragten Kersten Hollunder nach seiner ganz persönlichen Bilanz nach über 17 Jahren in der für die Stadt so wichtigen Position.

Was mussten sie tun, um, wie es kurz heißt, Hochbauamtsleiter zu werden?

Ich musste mich bewerben, Fachkenntnisse und Praxiserfahrung mitbringen. Ich war in der freien Wirtschaft tätig und vor der Wende in der Projektierungsabteilung des Wohnungsbaukombinates Erfurt, das eine Niederlassung in Gotha hatte.

Was waren dort Ihre Aufgaben?

Wir haben Neubaublöcke, Kindergärten und Schulen für Gotha projektiert. Alles Plattenbauten. Es war alles vorgegeben, eigene Ideen einzubringen war fast unmöglich. Wenigstens in dem Gebiet um die Fritzelsgasse, also sehr innerstädtisch, projektierten wir eine andere Dachform mit Mansardengeschossen. Das gab etwas Abwechslung bei der Arbeit.

Und nach der Wende?

War ich in verschiedenen Baufirmen als Bauleiter und Oberbauleiter tätig. Da schaue ich auf den Schlossberg 1 und 2 zurück, ein historisches Objekt mit einer alten Bohlenstube aus dem 16. Jahrhundert und repräsentative Bauten mit Sansteinsockel in der Friedrichstraße, die diese Straße heute mit prägen. Natürlich freue mich, wenn es mit der Entwicklung der Friedrichstraße weiter geht. Es gibt noch zwei städtebauliche Missstände. Wären die beseitigt, wäre die Straße sehr schick.

Was bewog sie dann, in die öffentliche Verwaltung zu gehen?

Im Herbst 2001 erschien die Stellenausschreibung für den Amtsleiter. In dieser Zeit durchlebte die Bauwirtschaft eine Talsohle. Es gab über 30 Bewerbungen. Ich hatte dann ein Vorstellungsgespräch beim damaligen Oberbürgermeister Volker Dönitz und Februar hat der Hauptausschuss dazu entschieden. Das Amt für Grundstücks- und Gebäudemanagement ist damals aus verschiedenen Ämtern und Abteilungen neu entstanden. Ich hatte knapp 50 Mitarbeiter in den Abteilungen Hochbau und Liegenschaften. Auch die Hausmeister der Schulen gehörten dazu.

Wie haben Sie die ersten Jahre im Amt erlebt?

Das war zunächst „normale“ Arbeit, die Instandhaltung und Sanierung von allen städtischen Objekten wie Schulen, Kindertagesstätten, die beiden Rathäuser und andere Verwaltungsgebäude, die Feuerwehr. Das erste größere Projekt war der Umbau der Grundschule Gotha-West an der Brunnenstraße mit teilweisem Rückbau. Es gab (und gibt) einen Amtsleiter für die Objekte und Bauleiter der Hochbauprojekte. Es ist aus meiner Sicht ein gutes Team. So habe ich es von Anfang bis Ende meiner Amtszeit empfunden.

Was waren die größten Herausforderungen, die mit dem Team zu bestehen waren?

Die vier großen Bauprojekte, die nahezu gleichzeitig zu realisieren waren: Das „Stadt-Bad“, das Herzogliche Museum, das Winterpalais, heute die Stadtbibliothek „Heinrich Heine“, und das Perthes-Forum. Es gab dafür verschiedene Fördermittelgeber und man kann sich nicht aussuchen, wann das Geld zur Verfügung steht. Dass alle vier Bauten von den Gothaern und ihren Gästen sehr gut angenommen werden und bis heute funktionieren, freut mich.

Was war schwierig bei der Umsetzung?

Alle vier Projekte waren umfangreich, doch Perthes-Forum, Herzogliches Museum und Winterpalais blieben letztlich zeitlich wie auch mit Blick auf die Kosten im Plan. Die Bauaufträge waren alles Einzelvergaben, deshalb hatten wir den Koordinierungsaufwand. Ich erinnere mich dankbar an das Engagement der Bauleiter Lutz Schneegaß für das Stadtbad, Sabine Jeschke für das Herzogliche Museum, Andrea Jähnen für das Winterpalais und MarioPfeuffer für das Perthes-Forum.

Was war beim Stadtbad anders?

Zunächst wurde in der Baugrube für den Neubau-Teil ein alter Friedhof gefunden. Da waren erst einmal die Archäologen dran. Dann ging die Gründung nicht so wie gedacht. Die kleine Turnhalle der Arnoldischule wäre in die Baugrube gefallen. Um sie zu sicher, musste es eine Bohrpfahlgründung sein. Die ist sehr aufwendig. Außerdem musste das Grundwasser abgesenkt werden. Dann hatte sich eine Fliesenlegerfirma verabschiedet, eine andere Firma, zuständig für das Dach des Neubaus, ging in Insolvenz. Der Altbau war von Schwamm befallen. So wurde letztlich alles teuerer und dauerte länger.

Die anderen drei Projekte liefen hingegen wie am Schnürchen?

Das Winterpalais wurde zu 85 Prozent aus Denkmalschutzmitteln saniert. Um die zu erhalten, musste etwas von der alten Bausubstanz stehen bleiben. Hinter der Fassade ist ein massiver Baukörper aus Stahlbeton, der auch die Deckenlasten trägt. Das baulich verbundene Hofgärtnerhaus ist komplett aus der historischen Bausubstanz. Beim Herzoglichen Museum hat mich die bauliche Pracht im Inneren beeindruckt, die während der Nutzung als Naturkundemuseum so nicht sichtbar war. Im Perthesforum sind drei Nutzer, jeder mit anderen Anforderungen an das Raumklima. Deshalb mussten wir die Fenster an der Südseite zur Perthesstraße zumauern. Es gibt eine komplexe Belüftungstechnik, die es auch im Betrieb zu beherrschen gilt.

Ihre unmittelbaren Vorgesetzten waren die Bürgermeister. Wie kamen sie mit denen klar?

Mit Klaus Exner, Werner Kukulenz und Klaus Schmitz-Gielsdorf gab es ein sehr konstruktives Arbeitsverhältnis, auch zu Knut Kreuch und Marlies Mikolajczak.

Haben Sie Abschied gefeiert?

Am 26. Juni in einem Nebengebäude des Kulturhauses mit über 50 Gästen, den Amtsleitern, dem Oberbürgermeister und Beigeordneten. Die Feier hat mich sehr gerührt.

Wer ist ihr Nachfolger?

Mario Pfeuffer und damit ein erfahrener Praktiker. Er wird sicher noch offiziell vorgestellt. Mit dem Kindergarten-Neubau in Gotha-West geht das Bauen der öffentlichen Hand in der Kreisstadt ja weiter.

Wie werden sie die nun gewonnene Freizeit nutzen?

Ich bin in einigen Sportvereinen und im Siedlerverein in der Goldbacher Siedlung bisher eher zahlendes Mitglied. Jetzt kann ich mich mehr einbringen und selbstverständlich auch selbst mehr Sport treiben. Außerdem ist nun mehr Zeit für die Familie.

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