Kirmes in Hörselgau: Mädchen im Dirndl und Burschen mit Zylinder

Hörselgau  Junge Hörselgauer setzen eine Tradition in ihrem Ort fort und feiern ab Freitag Kirmes. Der Verein hat 35 Mitglieder, es wird aber immer schwieriger Aktive zu finden.

In Hörselgau wird am kommenden Wochenende Kirmes gefeiert. Die Platzmeister Markus Kollatz mit Laura Nedziella, André Schönau und Kassierer Florian Seitz führen den Zug an.

In Hörselgau wird am kommenden Wochenende Kirmes gefeiert. Die Platzmeister Markus Kollatz mit Laura Nedziella, André Schönau und Kassierer Florian Seitz führen den Zug an.

Foto: Wieland Fischer

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„Was feiern wir im Oktober?“, schallt es am kommenden Wochenende durch Hörselgau. Die Antwort darauf folgt prompt und sicherlich noch überschwänglicher: „Kirmes!“.

Drei Tage geht es in dem Ort hoch her. Eine kleine aber lautstarke und engagierte Truppe richtet das beliebte Volksfest aus, viel Tanz und Tollerei inklusive. „Wir sind acht Paare“, sagt Florian Seitz. Als erster Kassierer des Vereins kümmert er sich um die Finanzen.

Für alle Bereiche gibt es Verantwortliche. Von Platzwart bis zum Kuchenjungen sind die Aufgaben geregelt. Während Florian Wedel als erster Vorsitzender die Truppe anführt, stehen Kuchenjungen am Ende der Hierarchie, aber bei Umzügen an der Spitze des Zuges. Sie haben keine Braut an ihrer Seite und müssen sich um das leibliche Wohl der Kirmesgesellschaft kümmern. Seitz hatte dreimal das Vergnügen. Es habe trotzdem Spaß gemacht, sagt er.

„Wir sind noch eine der wenigen Kirmesgesellschaften, bei denen die Burschen mit Anzug und Zylinder aufmarschieren.“ Während in zahlreichen anderen Dörfern zur Kirmes die Bräute in Ballkleidern gehen, sei bei den Hörselgauerinnen das Dirndl vorgegeben. „Da sind die Mädels in der Entscheidung relativ frei“, sagt Seitz. Die einzige Maßgabe bei ihrer Garderobe sei: Das Dirndl muss als solches erkennbar sein. Letztlich tragen alle Aktiven zum großen Vergnügen bei. Mit dem Kulturhaus steht dafür in Hörselgau ein großer Saal zum Schwofen zur Verfügung. Auch das ist heutzutage in Zeiten der Festzelte längst nicht mehr überall üblich.

Die Kirmes in Hörselgau wird traditionsgemäß am Freitag, 18 Uhr, mit einem Kirchweihgottesdienst eröffnet. „Die Regeln und den Ablauf haben wir von unseren Vorgängern übernommen“, sagt Seitz. „Das war schon von jeher so.“ Wobei die Tradition vergleichsweise jung ist. Vergangenes Jahr hat Hörselgaus Kirmesverein das Fest zum 20. Mal begangen. „Nach dem Erfolg für das Dorf und die Region zum Jubiläum sind wir mit vielen frischen Ideen und Euphorie in die Vorbereitungen für die 21. Kirmes in Hörselgau gestartet“, sagt Platzmeister Markus Kollatz.

Wann die Traditionslinie in Hörselgau unterbrochen wurde, das lasse sich gar nicht mehr datieren. „Wir wissen nur, dass es zu DDR-Zeiten irgendwann einmal eingeschlafen ist“, sagt der 27-jährige Seitz. Mittlerweile ist er einer der Älteren in der Schar.

Es sei Jahr für Jahr schwierig, eine aktive Truppe auf die Beine zu stellen. Der Verein zähle etwa 35 Mitglieder, aber diejenigen, die sich dann drei Tage ins Zeug legen, seien zumeist wenige. Schließlich müssen ein langes Wochenende und monatelange Vorbereitung dafür investiert werden. Umso ausgelassener wird ab Freitag gefeiert, wenn es in Hörselgau wieder heißt: „Wem ist die Kirmes?“ – „Unsere!“

Das Programm:

Freitag, 11. Oktober, 20.30 Uhr: Kirmestanz mit der Partyband Holidays

Samstag, 12. Oktober: am Tag Ständchen im Dorf, 20 Uhr: Kirmestanz mit der Band Rebellen

Sonntag 13. Oktober, 10 Uhr: Frühschoppen mit der Finsterberger Blasmusik, 14.30: Kinderkirmes, 20 Uhr: Kirmesbeerdigung, alles Kulturhaus Hörselgau

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