Komödiantisches im Theater der Stadt Gotha

Gotha.  Intime Einblicke in eine verletzliche Seele bietet mit Humor und Witz der Komödiant Michael Specht im Theater der Stadt in Gotha.

Mit Humor, Witz und Gefühl spielte der Komödiant Michael Specht im Theater der Stadt einen sozial zu kurz Gekommenen auf der Suche nach menschlicher Geborgenheit.

Mit Humor, Witz und Gefühl spielte der Komödiant Michael Specht im Theater der Stadt einen sozial zu kurz Gekommenen auf der Suche nach menschlicher Geborgenheit.

Foto: Dieter Albrecht

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Komödiant oder Comedian? Der Komödiant hat Herz. Und Michael Specht ist ein Komödiant. Am Samstagabend begeisterte er das Publikum im Theater der Stadt mit seinem Ein-Personen-Stück „Liebe nur“, indem er den dramaturgischen Bogen vom melancholischen „lebensuntüchtigen“ Looser über den umjubelten Rockstar zum behutsamen Einblick in eine verletzliche Seele schlug. Zwei Stunden lang Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. Und nebenher eine Bühnennebel-Inhalationskur.

Wenn Micha, der schon bei der Geburt mächtig geschwitzt hat, in seiner Wohnung in der Plattenbausiedlung früh vorm Spiegel steht, fragt er sich: Warum habe gerade ich diesen Körper? Da ist sein Kumpel Mike doch ein ganz anderer Typ! Sollte Micha vielleicht zwischen seine Biermahlzeiten einen kräftigen Proteintrunk einschieben?

Micha hat „ein Herz für die Natur, die Musik und die Frauen“; alle seine Lieder hat er dank Inspiration im Suff komponiert. Endlich kann er sie mal großem Publikum vorsingen, mit Gitarre und Dederonbeutel am Arm. Sein erstes Lied erinnert noch sehr an die Küchenlieder der „Gartenlauben“-Ära: „Wenn am Fenster die Blumen blüh‘n“ … Zwischen Nebel und bunten Strobiskopblitzen hören wir später: „Denn ich bin für dich daaa, Ursulaaa ...“ Und wie anrührend ist doch sein Lied vom „Bummchenpflücken“ (Bummchen meint Löwenzahn)!

Schauspielerischer Glanzpunkt ist Michas Date mit Jacqueline und ihrem riesigen Hund Rüdiger. Wie er vor dem Tier zurückschreckt, das ihn voller unbändiger Spiellust anspringt, und wie er dessen Hecheln und Bäumeanpinkeln imitiert – einfach köstlich!

Natürlich geht auch dieser Date in die Hose. Selbst im FKK hat er‘s versucht, aber „da haben mich die Frauen mit ihren Blicken wieder angezogen.“ Und die coole Anmache „Na, Baby, glaubste an die Liebe auf den ersten Blick oder soll ich noch mal vorbeikommen?“ bringt nicht wirklich etwas. Vielleicht sollte er‘s mal mit dem Internet versuchen, so wie Mike? Da kann man auswählen zwischen neu, gebraucht, Mangelware … Mike jedenfalls war recht zufrieden: „Die liebt mich sooo – und war gar nicht so teuer.“ Den Micha dagegen hat noch nie ‘ne Frau zum Tanz aufgefordert. „Ob die Angst haben, dass sie sich beim Tanzen im Beutel verheddern?“

Seine Sehnsucht verfolgt ihn sogar im Traum. Da erscheint ihm eine Erdkröte: „Küss mich, ich bin eine wunderschöne Prinzessin!“ Prinzessinnen, sagt er sich, gibt‘s viele, aber eine sprechende Erdkröte … und nimmt sie mit nach Hause.

Ob er im falschen Körper sitzt und eigentlich eine Frau ist? Probehalber zieht er sich schon mal ein zartes Dessoushemdchen über. Nun, jedes Stück muss mal enden. In seinem letzten Lied bekennt Micha, keinen großen Schlitten zu haben, keine Scheine – Liebe nur. Er ist sehr leise geworden und macht sich auf, die stark übergewichtige Frau Dünnschuh aus dem obersten Stockwerk im Krankenhaus zu besuchen, die hat sich nämlich eine Zehe gebrochen. Etwas Süßes für sie hat er in den Beutel getan. Liebe nur. Mit Bravorufen, Trampeln und Jubel dankte das hellauf begeisterte Publikum Michael Specht für sein anrührendes Spiel.

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