Kreis Gotha: So wird man Lebensretter in drei Schritten

Kreis Gotha.  Nichtstun senkt die Überlebenschance von Verletzten im Notfall rapide. Die Woche der Wiederbelebung klärt auf, wie Ersthelfer handeln können.

Claudia Mallon (links), stellvertretende Jugendwartin, erklärt Zoey, wie sie Xander in die stabile Seitenlage versetzt.

Claudia Mallon (links), stellvertretende Jugendwartin, erklärt Zoey, wie sie Xander in die stabile Seitenlage versetzt.

Foto: Conny Möller

Schon die einfachsten Maßnahmen können Leben retten. Aus diesem Grund veranstaltet der Berufsverband Deutscher Anästhesisten gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin seit 2013 eine Woche der Wiederbelebung, die die Regeln der Ersten Hilfe in den Mittelpunkt rückt. Das Augenmerk liegt dabei insbesondere auf die Herzdruckmassage, die sich viele Ersthelfer scheuen auszuführen. Die Herzdruckmassage zu lernen und zu üben ist deshalb wichtig – nicht nur für Laien. Auch das medizinische Personal in Krankenhäusern, Leitstellen oder im Rettungsdienst muss dieser Anforderung gewachsen sein. So werden im SRH Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda viermal im Jahr Wiederbelebungskurse durchgeführt.

Die Kurse wurden aufgrund der Corona-Pandemie erweitert und finden nun monatlich statt, bestätigte Henry Bittner, Oberarzt der Anästhesie im SRH. Der 53-Jährige ist zudem als Notarzt im Landkreis Gotha unterwegs. In den Kursen klärt Bittner auf, was bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand beachtet werden muss. Als praktischer Helfer dient ihm dabei die Rettungspuppe „Rescue N“, an der er den Kursteilnehmern erklärt, wie eine Herzdruckmassage durchgeführt wird.

„Stayin’ Alive“ oder „Atemlos“ für den richtigen Rhythmus

Ersthelfer sollten sich neben den Patienten knien und ihre Hände verschränkt auf den Brustkorb des Patienten legen, schildert Bittner. Dann soll das Brustbein in einer Frequenz einhundertmal pro Minute fünf bis sechs Zentimeter zum Boden gedrückt werden. „Wir haben nur 20 Sekunden Zeit, um den Kreislauf zu aktivieren, um wieder ausreichend Blut und Sauerstoff ins Gehirn des Patienten fließen zu lassen“, erklärt der Oberarzt. Bei der Herzdruckmassage komme es darauf an, den richtigen Takt zu halten. Empfohlen wird dabei auf den Rhythmus des Bee Gees-Hits „Stayin’ Alive“ oder Helene Fischers „Atemlos“ zu achten.

„Alles was man macht, um zu helfen, ist besser als nichts zu tun“, sagt Anne-Berit Trenkmann. Die Intensivärztin schult das Personal am Helios Klinikum zu erster Hilfe. Vom Hausmeister bis zum Kantinenpersonal muss dort jeder die Herzdruckmassage beherrschen. Besonderen Wert legt Trenkmann darauf, dass Ersthelfer um Hilfe rufen. Wer die 112 gewählt hat, sollte sein Telefon auf Lautsprecher stellen. Das Leitstellenpersonal ist darauf geschult, Anrufer in der Reanimation anzuleiten. „Man kann sich sicher sein, man ist nicht allein“, so Trenkmann. Beistehende anzusprechen, ist im Fall einer Herzdruckmassage wichtig, denn nach wenigen Minuten geht die Kraft aus und man sollte sich abwechseln. Zudem schlägt sie vor, den Mund-Nasenbereich des Verletzten mit einer Maske oder einem leichten Tuch zu bedecken, wenn das in der Pandemie die Hemmung nimmt, zu helfen.

Der Rettungsdienst muss im Kreis Gotha in maximal 14 Minuten an der Unfallstelle sein. Meistens genügen aber auch fünf Minuten, versichert Anne-Berit Trenkmann. Bei Notarzteinsätzen sei es immer gut, wenn bereits die Basismaßnahmen durchgeführt wurden. Denn mit jeder Minute Nichtstun sinkt statistisch die Überlebenschance um zehn Prozent.

Erste Hilfe gehört bei Jugendfeuerwehr zur Ausbildung

Henry Bittner hat als Notarzt schon viele Situationen erlebt, bei denen es auf jede Minute ankam. „Ich habe in der Gothaer Marktstraße mal einen Patienten reanimiert“, erzählt er. Ersthelfer sollten sich eine einfache Formel merken: Prüfen, rufen, drücken. Das lernen auch die Kinder in den Jugendfeuerwehren im Kreis Gotha. Während sich die Sechs- bis Neunjährigen in der Ersten Hilfe mit der stabilen Seitenlage auseinandersetzen, üben die Größeren die Wiederbelebung, natürlich mit Hilfe von Rettungspuppen.

Jeremy, Kimo, Zoey, Xander und Silas gehören zur Jugendfeuerwehr Waltershausen. Zwar haben die Kinder in ihrer Ausbildung schon von Erste Hilfe gehört und wissen, was in Notfällen zu tun ist, doch regelmäßiges Üben hilft das Wissen zu vertiefen. Unter Anleitung von Claudia Mallon, der stellvertretenden Jugendwartin, ging es in der Ausbildung um die stabile Seitenlage. „Wenn jemand ohnmächtig ist, dann schaue ich, ob er reagiert und noch atmet“, sagt die neunjährige Zoey. Ist das nicht der Fall, dann wird die stabile Seitenlage angewendet.

Kreisjugendfeuerwehrreferent Herbert Christ gab den Kindern einen Tipp: „Arm hoch, heißt ich schwöre, den anderen Arm vor die Brust legen, bedeutet ich kuschele und dann den Körper zur Seite drehen. Das wurde sogleich geübt. Kimo hatte schnell die Handgriffe gelernt, die notwendig sind. „Den Kopf nach oben drehen, damit der Patient sich nicht verschluckt oder erstickt“, erklärt Claudia Mallon, die beruflich als Altenpflegerin in Waltershausen tätig ist. Und nicht vergessen: die Notrufnummer 112 zu wählen, gab sie den Kindern als Rat mit auf den Weg.