Mit der Geschichte der Familie von Wangenheim durchs Jahr

Ein Kalender für 2020 zeigt: Die Familie von Wangenheim prägte für Jahrhunderte die Geschichte Thüringens.

Autor Steffen Arndt mit dem Wangenheim-Kalder 2020 und dem Bild des  Monats April,  das Ruinen des Klosters Georgenthal zeigt.  In der Urkunde bestätigt  Kaiser Heinrich VI., dass Ludwig von Wangenheim, Dienstherr der  Fuldaer Kirche, dem Kloster Georgenthal das Dorf Catterfeld verkauf hat.

Autor Steffen Arndt mit dem Wangenheim-Kalder 2020 und dem Bild des Monats April, das Ruinen des Klosters Georgenthal zeigt. In der Urkunde bestätigt Kaiser Heinrich VI., dass Ludwig von Wangenheim, Dienstherr der Fuldaer Kirche, dem Kloster Georgenthal das Dorf Catterfeld verkauf hat.

Foto: Peter Riecke

Gotha. Die Familie von Wangenheim prägte über Jahrhunderte die Geschicke Thüringens. Aufschluss darüber geben Urkunden und Schriften aus der Familiengeschichte, die das Staatsarchiv Gotha aufbewahrt. Ein Kalender 2020 zeigt: Einzelne Mitglieder leisteten dazu Herausragendes auf dem Gebiet der Diplomatie, der Landesverwaltung und der schönen Künste.

Ein Schlüssel zur Rettung des Familienarchivs war die Ansiedlung eines Familienzweiges in Waake bei Göttingen, der im 19. Jahrhundert mit Friedrich Hermann Albert v. Wangenheim umfangreiche Forschungen zur Familiengeschichte vorlegte. Dazu haben die Vettern große Teile der thüringischen Gutsarchive nach Waake verbracht, so dass z. B. alle Urkunden des Familienarchivs ab Mitte des 13. Jahrhunderts dort den Weltkrieg überlebten und jetzt als Depositum in das Staatsarchiv Gotha, unter optimalen Lagerungs- und Klimabedingungen, übergeben werden konnten.

Die Familie v. Wangenheim bzw. der Ort Wangenheim werden erstmals erwähnt im Güterverzeichnis des Mönches Eberhard aus Fulda, der die Besitzungen der Reichsabtei Fulda im 12. Jahrhundert erfasste und dazu die Urkunden bis zu den Karolingern auswertete. Der Codex Eberhardi muss aber stets quellenkritisch betrachtet werden, da Eberhard nicht editorisch arbeitete, sondern die Quellen zu Gunsten seines Klosters auslegte. Daher ist auch nicht sicher, wann die Schenkungen in Wangenheim zu Gunsten des heiligen Bonifatius getätigt wurden. Da die originalen Urkunden fehlen, bleibt der Codex Eberhardi einzige Quelle.

Eigenständig nachweisbar ist das Geschlecht von Wangenheim wieder im Jahr 1133 in einer Urkunde für das Kloster Paulinzella, in der Ludwig v. Wangenheim zusammen mit Landgraf Ludwig I., Sohn Ludwigs des Springers, einen Gütertausch zwischen den Klöstern Fulda und Paulinzella bezeugt. Somit gehört die Familie von Wangenheim zu den ältesten thüringischen Adelsgeschlechtern.

Zu den ältesten freien Besitzungen der Familie gehörten Schloss und Dorf Wangenheim, Tüngeda, Hochheim, Goldbach, Westhausen, Pfullendorf, Reichenbach und Oesterbehringen. Außerdem verfügten die Wangenheims über Güter bei Erfurt, die sie als Lehen der Erzbischöfe von Mainz besaßen. Zu Stift Fulda knüpfte die Familie zahlreiche Beziehungen über die Güter in der Mark Lupnitz bei Eisenach. Im 13. Jahrhundert erwarb die Familie v. Wangenheim als freies Eigentum die Herrschaft Winterstein mit den Dörfern Winterstein, Fischbach, Sondra, Kälberfeld, Kahlenberg und Schönau.

Als Ministeriale der Reichsabtei Fulda erlangten die Wangenheims die fuldaischen Güter zu Haina, Sonneborn, Brüheim und Eberstedt, die sich später zu Lehen des Stifts Fulda entwickeln und die die Wangenheims bis zum Ende des Alten Reichs besitzen sollten.

Aus der Erbschaft des Hermann von Brandenfels aus dem Geschlecht Treffurt fiel 1305 das Schloss Brandenfels an die Familie. Während das Schloss selbst nicht gehalten werden konnte, verblieben die Dörfer Großenbehringen, Wolfsbehringen, Hütscheroda und Hesswinkel in Familienbesitz. So war schließlich der Güterbesitz der Wangenheims so angewachsen, dass die Familie über eine eigene Gerichtsbarkeit verfügte, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Großenbehringen ausgeübt wurde.

Der Kalender stellt die wichtigsten Stationen der Familiengeschichte vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert dar.

Der Kalender ist für 10 Euro zzgl. Versand beim Staatsarchiv Gotha erhältlich. Es handelt sich um eine Veröffentlichung des historischen Vereins für Schwarzburg, Gleichen und Hohenlohe in Thüringen. Der Erlös aus dem Verkauf des Kalenders dient weiteren Veröffentlichungen. Steffen Arndt ist Mitarbeiter des Staatsarchivs Gotha.

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