Mühlberg: Neuer Lebensraum für Orchideen und Schafweiden

Mühlberg  Ein Bergrücken zwischen Mühlberg und Haarhausen bekommt zugunsten seltener Arten künftig mehr Sonne.

Wo zur Zeit noch gerodete Schwarzkiefern liegen, sollen künftig wie einst zwischen Mühlberg und Holzhausen

Wo zur Zeit noch gerodete Schwarzkiefern liegen, sollen künftig wie einst zwischen Mühlberg und Holzhausen

Foto: Peter Riecke

Auf dem Längel, einem Bergrücken zwischen Mühlberg und Haarhausen (Ilm-Kreis), liegen reihenweise jüngere Schwarzkiefern auf dem Hang. Gefällt hat sie im Auftrag der Natura-2000-Station Mühlberg eine Landschaftspflege-Firma aus der Region. In den nächsten Tagen sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Die Firma kümmert sich auch um die Verwertung der schmalen Stämme. Sie werden Holzhackschnitzel und damit Brennmaterial.

Die Fläche wird noch gereinigt, die Stubben werden abgefräst. Später wird eine speziell für Trockenrasen geeignete Saatmischung in den Boden eingebracht. Sie wurde aus anderen vergleichbaren Biotopen der Region gewonnen. Die Nachpflege durch Beweidung sollen örtliche Schäfer übernehmen. Die Schäfer suchten solche Flächen gern mit ihren Herden auf, hofft Mathias Neumann von der Natura-2000-Station in Mühlberg.

Fördermittel für die Artenvielfalt

In den nächsten Tagen sollen die Arbeiten für dieses Jahr abgeschlossen sein. Die Maßnahme kostet mit ergänzenden Aktivitäten rund 30.000 Euro und wird mit Fördermitteln sowohl des Freistaates Thüringen wie auch der Europäischen Union umgesetzt.

Nun haben Naturschützer nichts gegen Wald, doch der Längel, laut topographischer Karte ein in der Spitze 321 Meter hoher Bergrücken, bietet Lebensraum für seltene Arten. Laut der Roten Liste Thüringens gilt der Trockenrasen dort als stark gefährdetes Biotop. Der Schwarzkiefernbestand dort wurde, so vermutet Neumann, in den sechziger und siebziger Jahren angepflanzt. Es sei aber nicht der natürliche Bewuchs. Als Offenland-Fläche biete er Lebensraum für so seltene Pflanzen wie Küchenschelle, Goldaster, Dänischer Tragant, Mittleres Leinblatt, Frühlings-Adonisröschen.

Besonders bedeutend sei das in diesem Bereich zu findende thüringenweit einzige Vorkommen der Violetten Schwarzwurzel.

Der Kammbereich des Längel in Form einer ehemaligen Schaftrift werde regelmäßig gepflegt und offen gehalten. Der Schwarzkiefernbestand erreiche aber mittlerweile mehr Höhe, die Schwarzkiefern werfen dadurch viel Schatten auf die wertvollen Habitate, heißt es sinngemäß im Projektantrag „Verbreiterung der Trift auf dem Längel bei Mühlberg“ des Vereins „Naturforschende Gesellschaft Altenburg“, der Träger der Natura-2000-Station Mühlberg ist. Deshalb mussten auf einer etwa 350 Meter langen und bis zu 15 Meter breiten Fläche die Schwarzkiefern weichen. Um den vorhandenen wertvollen Bestand zu schonen, wird der Bereich jedoch nicht befahren. Ein Vorwarder zieht die Bäume hinaus.

Es bleibt dennoch ein großes Stück Schwarzkiefernbestand erhalten. Die Grenze, bis zu der gefällt werden solle, ist mit weißer Farbe an den Stämmen gekennzeichnet. Nun hoffen die Naturschützer, dass die Saat der seltenen Pflanzenarten im nächsten Frühjahr aufgeht. Mitarbeiter der Natura-2000-Station und Freiwillige aus Thüringen und Sachsen hatten bereits im vergangenen Jahr weiter oben auf dem Längel und in der Nähe Flächen vor der Verbuschung und später vollkommenem Waldbewuchs bewahrt. Die seltenen Pflanzen brauchen die Sonne.

Am 23. November, dem Sonnabend vor dem Totensonntag, ist wieder so eine für die Beteiligten unentgeltliche Freiwilligenaktion vorgesehen. Welche Fläche dann genau von zuviel Baumbewuchs frei gehalten wird, liegt noch nicht fest. Dennoch rechnet Neumann mit vielen Teilnehmern.

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