Neudietendorf: Drittes Trocken-Jahr befürchtet

Nesse-Apfelstädt.  Gemeindebürgermeister Christian Jacob beklagt, dass nicht mehr Talsperrenwasser abgegeben wird. Damit soll ein Kraftwerk betrieben werden.

Christian Jacob, Bürgermeister der Gemeinde Nesse-Apfelstädt. (Archiv-Foto)

Christian Jacob, Bürgermeister der Gemeinde Nesse-Apfelstädt. (Archiv-Foto)

Foto: Gerald Müller / TA

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In Strömen ergießt sich Regen am Mittwochmorgen über Neudietendorf. „Schnee wäre besser“, sagt Christian Jacob (CDU), als er von seinem Bürgermeisterbüro auf die Straße schaut. „Eine richtige Schneedecke, die die Pflanzen schützt.“ Wenn weiter kein richtiger Winter komme und es trocken bleibe, würden sich die Probleme für die Gemeinde Nesse-Apfelstädt verschärfen.

Im Sommer vergangenen Jahres führte die Apfelstädt kaum noch Wasser. Der Mühlgraben, den der Fluss sonst gespeist hat, war trocken. Angler versuchten das Fischsterben aufzuhalten, indem sie die Tiere einfingen und in der Unstrut aussetzten. Auch den Bäumen fehle das Wasser, berichtet Christian Jacob, Pappeln würden reihenweise absterben. Die Gemeinde habe relativ wenig Wald, jetzt zerstöre die Trockenheit auch die Auenlandschaften entlang der Apfelstädt.

Um den Fluss im Sommer wieder zu füllen, könnte mehr Wasser von der Talsperre Tambach-Dietharz abgelassen werden. Dieses Wasser würde jedoch schnell versickern, gab die Thüringer Fernwasserversorgung im Sommer zu bedenken. Stattdessen soll das Talsperrenwasser zur Fahner Höhe geleitet werden zur Obstbaumbewässerung sowie ins Erfurter Becken. Dort soll in einem Schaukraftwerk Ökostrom produziert werden, sagt Jacob. Ein „Prestigeobjekt für die Bundesgartenschau 2021“ nennt er es.

Fernwasserversorgung nutzt Wasser auch für Stromerzeugung

Schon lange plant die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) das Schaukraftwerk, Westringkaskade genannt. Über bereits vorhandene Rohre eines Doppelleitungssystems soll Talsperrenwasser über 45 Kilometer nach Erfurt geleitet werden, um dort Energie zu produzieren, erklärt Anne Barthel, Sprecherin der TFW. Stromerzeugung sei neben Trinkwasserversorgung und Hochwasserschutz eine der Aufgaben der Thüringer Talsperren, stellt sie klar.

Vermeintlich sauberer Strom gehe dann jedoch auf Kosten der Natur, klagt Christian Jacob. „Mit der Produktion von Ökostrom darf das Ökosystem Fluss nicht benachteiligt werden.“ Er stellt den Sinn des Schaukraftwerkes infrage und kritisiert, dass keiner der Anrainer bei der Planung hinzugezogen wurde. „Da werden wir in diesem Jahr noch nachhaken müssen.“

Einnahmen aus der Westringkaskade sollen Preise stabil halten

Dass die Apfelstädt im Sommer austrocknet, davon sei auch in Zukunft auszugehen, meint Anne Barthel. „Das entspräche auch ihrem natürlichen Abfluss“, erklärt sie, da es im Flusslauf Versinkungsstellen gäbe. Jährlich fließen mehrere Millionen Kubikmeter von den Talsperren in den Fluss. Ursächlich für das Trockenfallen seien etwa Niederschlagsdefizite vergangener Jahre.

In trockenen Perioden würde jedoch ohnehin mehr Wasser aus den Talsperren in die Apfelstädt abgegeben. Die Mindestabgabemengen der Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser sind 2016 erhöht worden. Freiwillig sei 2019 dauerhaft mehr Talsperrenwasser abgegeben worden.

Das Wasser für die Westringkaskade werde der Apfelstädt nicht vorenthalten, schildert die TFW-Sprecherin. Wird das Kraftwerk in Betrieb genommen, werde die zulässige Entnahmemenge nicht erhöht. Die TFW hält an dem Projekt fest, um aus den Einnahmen der Energiegewinnung den Fernwasserpreis stabil halten zu können, erklärt Anne Barthel. Immerhin werde die Hälfte des Trinkwassers in Thüringen über das Fernwasser bereitgestellt.

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