Pazifische Edeltanne wächst am Rennsteig

Gotha.  Reisig aus heimischen Wäldern bietet das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha in der Jägerstraße am Samstag an.

Markus Trabert aus Gera bindet das Reisig der Pazifischen Edeltanne zu handlichen Bündeln. Am Samstag wird es auf dem Gothaer Reisigmarkt verkauft.

Markus Trabert aus Gera bindet das Reisig der Pazifischen Edeltanne zu handlichen Bündeln. Am Samstag wird es auf dem Gothaer Reisigmarkt verkauft.

Foto: Klaus-Dieter Simmen

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Frisches Deck- und Schmuckreisig von Fichte und Tanne gibt es am Samstag, 16. November, auf dem Gothaer Reisigmarkt, den traditionell das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum (FFK) in der Jägerstraße veranstaltet. Reisig in einer Zeit, da der Borkenkäfer die Förster rund um die Uhr auf Trab hält? Muss der Wald mit solch einer Ernte noch zusätzlich geschädigt werden? Berechtigte Fragen, die Ingolf Profft, im FFK für Referat Klimafolgen, Forschung und Versuchswesen verantwortlich, gern beantwortet. Alles Reisig, das am Samstag angeboten wird, stammt aus notwendigen Pflegemaßnahmen in den Beständen und auf Versuchsflächen. „Hier müssen wir ohnehin tätig werden, unabhängig davon, ob wir das Reisig vermarkten können oder nicht. Zum Glück können wir es. Und der Zuspruch, den wir seit Jahren haben, zeigt, dass wir damit eine Marktlücke schließen.“

Die Borkenkäfer haben derzeit ihren Schwarmflug eingestellt, neue Bäume werden also nicht befallen. Das gibt den Förstern Gelegenheit, ein wenig durchzuatmen. Und das bedeutet, sich Arbeiten zuzuwenden, für die bislang keine Zeit blieb. Trotzdem beschäftigt der Käferbefall auch weiterhin Waldbesitzer und Förster. In den Wintermonaten werden sie so viel Stehendbefall wie nur möglich beseitigen. „Wir haben aber auch Zeit, nötige Arbeiten auf unseren Versuchsflächen zu erledigen“, sagt Corinna Geißler, Leiterin des FFK. Diese seien dringend notwendig und liefern das Material für den Reisigmarkt.

Die Männer, die ansonsten in die Baumwipfel steigen, um Saatgut zu ernten, waren dieser Tage eingesetzt, um das Material für den Markt am Samstag zu gewinnen. Unter anderem ernten sie Schmuckreisig von der Pazifischen Edeltanne, von der es mehrere Versuchsflächen in Thüringen gibt. „Die wurden zu Beginn der 1990er-Jahre angelegt, als es der heimischen Weißtanne sehr schlecht ging“, weiß Profft. Er erinnert damit an eine Zeit, in der es um den Wald schon einmal bestellt war. Saurer Regen machte ihm zu schaffen. „Filter für Industrieanlagen, Katalysator für Autos und vieles mehr sorgten dann für eine Umkehr. Die Weißtanne erholte sich sehr schnell.“

Das jedoch konnte niemand voraussagen. Deshalb suchten die Forstexperten gleich nach der Wiedervereinigung nach Ersatz für diese heimische Baumart. Positive Versuche in den 80er-Jahren im Westen Deutschlands waren der Anlass, die Pazifische Edeltanne auf vier kleinen Versuchsflächen in Thüringen zu pflanzen. „Zum Glück brauchen wir diese Baumart nun nicht, um die Weißtanne zu ersetzen. Doch den Versuch mit der Nordamerikanischen Tannenart abzubrechen, wäre unklug gewesen. Zumal sich der Nutzen für die Forstwirtschaft meist erst nach Jahrzehnten herausstellt“, erläutert die FFK-Chefin.

Eine der Versuchsflächen liegt hoch über Ruhla nahe am Rennsteig. Auf einem Areal von einem Hektar wachsen seit 1996 die Pazifischen Edeltannen im Revier Grundhof. Und sie haben sich prächtig entwickelt. „Jetzt muss die Fläche durchforstet werden. Damit die Bäume weiterhin so wachsen können, dass sie einen stabilen Wald bilden, müssen vereinzelte Bäume gefällt werden. Ihr Reisig ist auf dem Markt am Marstall am Samstag der Hingucker.“

Ingolf Profft erklärt, dass auch alles andere Reisig ausschließlich aus der Pflege von Waldbeständen und Versuchsanlagen kommt, ohne die entsprechenden Bestände zu schädigen. Zwischen zwei und drei Tonnen werden davon angeboten.

Reisigmarkt am Samstag, 16. November, 9 bis 16 Uhr auf dem FFK-Gelände am Marstall. Kinder können mit Naturmaterialien basteln. Am Wildgut-Verkaufswagen gibt es neben küchenfertigen Braten von Reh und Hirsch, Wildspezialitäten, vom Hirschschinken bis zur Wildbockwurst.

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