Schüler helfen beim Umzug der Weißtannen in Gotha

Victoria Augener
| Lesedauer: 2 Minuten
Die Neuntklässler Elias Kellmann (von links), Fabian Hoffmann und David Göring haben gerade junge Weißtannen ausgegraben.

Die Neuntklässler Elias Kellmann (von links), Fabian Hoffmann und David Göring haben gerade junge Weißtannen ausgegraben.

Foto: Victoria Augener

Gotha.  Was sie im Biologieunterricht über die heimische Natur gelernt haben, setzen die Schüler des Ernestinums im Gothaer Stadtwald um.

Wo man vor 200 Jahren noch weit bis hinter Gotha schauen konnte, steht heute ein Wald. Ganz so dicht ist das Grün nicht mehr, doch der Krahnberg ist ein gelungenes Beispiel für Aufforstung, wie sie auch heute wieder nötig ist. Zu diesem Zweck verlagerten Neuntklässler des Gymnasium Ernestinum ihren Biologieunterricht am Dienstagmorgen in den Forst im Nordwesten Gothas.

Der Regen ist ein Segen für die Bäume auf dem Krahnberg, doch für viele von ihnen kommt der Niederschlag zu spät. An einigen Fichten pellt sich die Borke ab, kahle braune Äste hängen bloß noch. Selbst gefällt und verkauft bringen sie nicht viel, denn der Preis für den Festmeter ist zuletzt stark gesunken. Währenddessen sind aus Samen, die Tannen im Frühsommer abgeworfen haben, zarte Bäumchen gediehen. Rund um die großen Bäume wachsen sie so dicht, dass sie sich später in die Quere kommen würden, wie Corinna Geißler erklärt, die das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum in Gotha leitet. Aus diesem Grund graben die Schüler rund 50 junge Tannen vorsichtig aus und pflanzen sie an einer anderen Stelle mit angemessenem Abstand zueinander wieder ein.

Die Weißtanne ist im Vergleich zur Fichte widerstandsfähiger bei Trockenheit. Vor Wildfraß soll ein Zaun schützen, der um die Bäume gezogen wird. Dass man Tannen vom Krahnberg entnehmen und zur Aufforstung einsetzen kann, ist ein Vorteil der Gothaer Region. Woanders müssen Setzlinge von weit her angeschafft werden. Die Gewinnung von Forstpflanzen und Samen im eigenen Gebiet nennt man Wildlingswerbung.

Mit ihrem Engagement bei der Aufforstung setzen die Schüler des Ernestinums die Gothaer Tradition des Bürgerwalds fort, wie Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) bei der Aktion hervorhebt. Im 19. Jahrhundert hatten Bürger auf der größtenteils waldfreien Fläche Bäume gepflanzt, so dass auf dem Höhenzug im Laufe der Jahre ein Wald entstand. Nun ist der Forst größtenteils ein Nadelwald, ein dem Klima und Schädlingen widerstandsfähiger Mischwald ist jedoch das Ziel der Aufforstung.