Spohr-Quartett spielt im Festsaal von Schloss Friedenstein

Gotha  Leidenschaftlich-sensible Interpretationen zeigte das Spohr-Quartett in Gotha im Festsaal von Schloss Friedenstein mit den Werken von zwei Komponistinnen.

Der Festsaal von Schloss Friedenstein.

Der Festsaal von Schloss Friedenstein.

Foto: Peter Riecke

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Musik allererster Güte, komponiert von zwei genialen Frauen im 19. Jahrhundert, lange vergessen, selten aufgeführt: Emilie Mayer (1821-1883) und Fanny Mendelssohn (1805-1847). Zwei Streichquartette erklingen am späten Sonntagnachmittag im Festsaal des Schlosses, interpretiert vom Spohr-Quartett mit Alexej Barchevitch und Diana Harutyun­yan (Violinen), Fred Ullrich (Bratsche) und Michael Hochreither (Violoncello).

Emilie Mayers Quartett ­g-Moll op. 14 steckt für uns Heutige voller Überraschungen. Mit einer Fülle melodischer Einfälle präsentiert sich bereits der 1. Satz als ein Kaleidoskop unterschiedlichster Stimmungen zwischen zartester Innerlichkeit und kraftvollem Auftrumpfen in geradezu Beethoven‘schem Geist. Nicht umsonst, weiß Barchevitch, habe man damals vom „weiblichen Beethoven“ gesprochen.

Auf einen scherzhaften 2. Satz folgt ein Adagio von starker Ausdruckskraft; jenseitige Verklärtheit empfindet man bei den andächtigen Passagen, die zu einem entsagenden Schluss führen. Im aufwühlenden Finalsatz kommt einem zwangsläufig das rumorende 3. Thema des 3. Satzes der 5. Sinfonie Beethovens in den Sinn: eine musikalische Metapher, die sich im Jahrhundert der Romantik erneut Gehör verschafft.

Fanny Mendelssohns Quartett Es-Dur bewege sich „kompositorisch auf demselben Niveau wie die Musik ihres Bruders“, findet Barchevitch zu Recht. Eingeleitet wird es von einem empfindsamen Adagio, dem ein Allegretto folgt. Das beginnt leicht tändelnd, steigert sich zu einem furiosen Fugato und endet eher unscheinbar. Im dritten Satz, einer Romanze, spannt sich ein Bogen von erregter Leidenschaft zu überirdisch schönem Gesang von sakraler Wirkung. Äußerst lebendig, spannungsvoll, in faszinierend packender Polyphonie setzt der 4. Satz den Schlusspunkt.

Beide Werke fordern virtuoses Können, musikalische Feinarbeit und philosophische Durchdringung. Genau das darf man dem Gothaer Spohr-Quartett getrost bescheinigen.

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