Selbst zapfen: Agrar-Betrieb stellt in Gotha Milchautomaten auf

Gotha  Statt ins Regal zu greifen, wird hier die Milch selbst gezapft: Ein Gamstädter Agrar-Betrieb hat in Gotha einen Milchautomaten aufgestellt.

Veronika Ostwald ist begeistert vom neuen Angebot der Milchtankstelle.

Veronika Ostwald ist begeistert vom neuen Angebot der Milchtankstelle.

Foto: Klaus-Dieter Simmen

Die ersten Kunden sind begeistert vom neuen Angebot, der Milchbauer bekommt einen fairen Preis für sein Produkt und der Lebensmittelmarkt unterstreicht einmal mehr seinen Anspruch, Waren aus der Region anzubieten. Die Milchtankstelle im Tegut-Markt in der Leinastraße sammelt somit gleich drei Pluspunkte. Marktleiter Stefan Bock freut sich, dass seine Kunden das neue Angebot annehmen. „Ich konnte schon mehrfach beobachten, wie sich an der Milchtankstelle kleine Schlangen bildeten.“

Wer bislang aus dem Gothaer Land nach melkfrischer Rohmilch verlangte, dem blieb nur die Fahrt nach Gamstädt, wo die Agrar GmbH eine Milchtankstelle betreibt. Weil sich dort immer mehr Kunden mit dem Naturprodukt eindecken, expandierte das Unternehmen und richtete in Erfurter Märkten weitere Milchtankstellen ein.

„Wir wollten uns auch in Richtung Gotha erweitern“, sagt Anne-Marlen Naraniecki vom Gamstädter Unternehmen. „Doch so richtig wollte uns da keiner haben.“ Mehrere Anfragen bei Supermärkten seien abschlägig beantwortet worden.

Dass nun in der Leinastraße Milch gezapft werden kann, liegt an den Vorsätzen des Handelsunternehmens. „Regionale Produkte sind fester Bestandteil sehr vieler Sortimentsbereiche bei tegut“, sagt der Gothaer Marktleiter. „Obst und Gemüse, also Spargel, Äpfel, Tomaten, Kirschen beziehen wir beispielsweise aus Herbsleben. An der Bedienungstheke werden Fleisch- und Wurstwaren aus Meiningen und Schmalkalden angeboten. Und natürlich sind auch Biere und alkoholfreie Getränke aus der Region im Angebot.“

Kunden haben schnell die Qualität der Milch erkannt

Während der Markt eine Elektroleitung mit entsprechender Absicherung installieren musste, stellte die Agrar GmbH den Automaten auf. „Das ist keine geringe Investition, für die Amortisation muss eine entsprechende Litermenge umgesetzt werden“, sagt Anne-Marlen Naraniecki.

Die Kunden haben schnell die Qualität der Milch erkannt. Im Fettgehalt ist sie naturbelassen, doch im Gegensatz zum Rohmilchangebot in Gamstädt ist die Milch aus dem Gothaer Automaten pasteurisiert. „Bei 72,5 Grad wird sie zwölf Sekunden erhitzt, das schreibt der Gesetzgeber vor.“

Die Milchbauern im Gamstädt produzieren mit ihrem 350 Kühen täglich 8000 Liter Milch. Gerade mal 15 Prozent davon vermarktet das Unternehmen selbst. „Hier stecken wir ja noch in den Kinderschuhen, das werden wir nach und nach ausbauen“, erklärt Naraniecki.

Kunden verlangen kurz vor Ladenschluss vergeblich nach Gamstädter Milch

Denn weil die Milch an den eigenen Tankstellen zu einem Preis verkauft wird, der sich für das Unternehmen rechnet, wird Selbstvermarktung immer wichtiger. Täglich, bevor der Markt öffnet, wird der Automat mit frischer Milch bestückt. Sollte vom Vortag noch welche übrig sein, geht sie zurück ins Unternehmen und wird an die Kälber verfüttert.

Dass morgens noch Milch im Automaten ist, kommt laut Naraniecki selten vor. „Eher passiert es, dass kurz vor Ladenschluss Kunden vergeblich nach Gamstädter Milch verlangen.“

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