Sturm „Sabine“ fällte im Kreis Gotha vornehmlich Einzelbäume

Finsterbergen.  Der Forstwirtschaftler Steffen Herrmann warnt vor dem Betreten des Waldes bei Finsterbergen. Es besteht Gefahr durch vorgeschädigte Bäume.

Nils Ortlepp, Forstarbeiter der Stadt Ohrdruf, entastete und zerteilte am Dienstag einen vom Sturmtief „Sabine“ entwurzelten Baum im Wald oberhalb von Luisenthal im Stadtwaldrevier von Ohrdruf.

Nils Ortlepp, Forstarbeiter der Stadt Ohrdruf, entastete und zerteilte am Dienstag einen vom Sturmtief „Sabine“ entwurzelten Baum im Wald oberhalb von Luisenthal im Stadtwaldrevier von Ohrdruf.

Foto: Claudia Klinger

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Steffen Herrmann mit Blick auf Sturm „Sabine“. Der stellvertretende Leiter des Forstamtes Finsterbergen geht von 10.000 bis 12.000 Festmeter Holz aus, die durch Windbruch betroffen sind. Das sei zwar lediglich eine qualifizierte Schätzung, betont der Fachmann, doch sie dürfte die Realität widerspiegeln. Das ist deutlich weniger Sturmholzanfall als nach Kyrill, trotzdem kein Klacks, weil der Holzmarkt derzeit mehr als gesättigt ist.

Von Spaziergängen im Wald wird eindrücklich abgeraten

Herrmann erklärt, dass es im Forstamtsbereich Reviere gibt, die durch „Sabine“ besonders geschädigt wurden. So der Ohrdrufer Stadtwald (wir berichteten) und das Neue Haus. „Es zeigte sich jedoch, dass durch Sabine vornehmlich einzelne Bäume im Bestand betroffen sind. Und auch wenn sich der Sturm mittlerweile gelegt hat, es weht immer noch ein heftiger Wind. Der reicht aus, um vorgeschädigten Bäumen den Rest zu geben.“

Deshalb warnt der stellvertretende Forstamtsleiter auch eindringlich vor Spaziergängen im Wald. „Wer nicht wirklich dort etwas zu erledigen hat, sollte draußen bleiben. Auch breite Wanderwege bieten keine Sicherheit. Die Situation ist immer noch extrem gefährlich.“ Zumal fürs Wochenende bereits das nächste Sturmtief über Deutschland erwartet wird.

Borkenkäfern frühzeitig vorbeugen

Was „Sabine“ an Schäden im Wald verursacht hat, muss so schnell wie möglich aufgearbeitet werden. „Die Kapazität dafür ist vorhanden“, betont Steffen Herrmann, „sodass wir zügig an die Arbeit gehen konnten.“ Mitarbeiter des Forstamtes sind ohnehin unterwegs, um Käferbäume aufzuspüren und diese Stämme aus dem Wald zu holen. „Gegenwärtig hält der Borkenkäfer Winterruhe. Die Zeit bis Ende März müssen wir nutzen, um möglichst alle befallenen Bäume zu beseitigen.“ Das Holz, welches nicht verkauft wird, bleibt in Poltern im Wald und wird chemisch gegen Borkenkäfer behandelt.

In den vergangenen Monaten hat das vornehmlich nasskalte Wetter dem Wald genutzt. Allerdings nicht überall gleich. Herrmann spricht von einer Zweiteilung. Das durch extrem trockene Sommer entstandene Wasserdefizit sieht der Forstwirtschaftler im Mittelgebirge mittlerweile nahezu wieder ausgeglichen. „Quellen, die versiegt waren, sprudeln wieder, Bäche führen ausreichend Wasser. Das zeigt an, der Wassergehalt im Boden hat sich erholt.“

Wasserdefizit des trockenen Sommers nicht in allen Wäldern ausgeglichen

Ganz anders stelle sich aber die Situation im Thüringer Becken dar. Im aktuellen „Forstlichen Witterungsbericht“ des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha, der Wissenschaftseinrichtung der Landesforstanstalt, leiden hier wie auch im Holzland und im Schiefergebirge die Wälder unter extremer Trockenheit. „Im Vergleich zum extrem trockenen Hitzejahr 2003 sind die Wassergehalte in den Waldböden aktuell nochmals um bis zu 15 Prozent niedriger“, sagt Horst Sproßmann, Pressesprecher vom Thüringenforst. „Das heißt, der Wald 2020 muss mit deutlich weniger Wasser auskommen als noch vor knapp 20 Jahren.“

Das beschreibe gut die Situation im Gothaer Revier, erklärt Steffen Hermann. Die Förster hoffen jetzt auf ein feuchtes Frühjahr. Auch ein langanhaltender Landregen würde helfen, die Situation zu entspannen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.