Klage gegen Kabarett Pfeffermühle in Ilmenau zurückgezogen

Ilmenau.  Bei dem Zivilprozess ging es um die Klage eines Gastes, er soll bei einem Auftritt in Ilmenau im Jahr 2017 beleidigt worden sein.

„Desaster“ hieß das Programm der Leipziger Pfeffermühle zu Silvester 2017.

„Desaster“ hieß das Programm der Leipziger Pfeffermühle zu Silvester 2017.

Foto: Karl-Heinz VeiT

Traditionell gastiert das Leipziger Kabarett „Pfeffermühle“ am Silvestertag in der Ilmenauer Festhalle. Am Montag aber reisten Mitglieder des Ensembles inklusive Geschäftsführer Dieter Richter außer der Reihe nach Thüringen. Der Grund: die Klage eines Gasts. Er soll bei einem Auftritt im Jahr 2017 von einer Darstellerin als „Fettsack“ bezeichnet worden sein.

Bei dem Zivilprozess unter Vorsitz von Jörg Türpitz ging es um eine Entschuldigung und ein Schmerzensgeld in Höhe von 750 Euro. „Ich denke, dass wir uns einig sind, dass es sich hier um eine Beleidigung handelt, die auch von der Kunstfreiheit nicht gedeckt wird“, machte der Richter zu Beginn klar. Die Frage war nur: Fiel das Wort tatsächlich so, war es direkt auf den Kläger gemünzt – oder könnte womöglich ein Bruchteil der Aufführung einfach missverstanden worden sein?

Der Kläger, viele Jahre Bürgermeister in einer sächsischen Gemeinde, hat persönliche Verbindungen in die Region. Deswegen wurden ihm und seiner Gattin Karten für das Silvesterprogramm in Ilmenau besorgt. Den Leipziger Humor zum Jahreswechsel besucht er regelmäßig, doch diesmal ist ihm das Lachen vergangen – wie auch den beiden befreundeten Ehepaaren, die an jenem Abend zu Gast waren. Seinen Erinnerungen zufolge ging es im Solobeitrag einer Schauspielerin gerade um die Jagd, die abschätzend dargestellt wurde. Als er, seinerseits ebenfalls Jäger, kurz intervenieren wollte, sei er von der Bühne herab als „Fettsack“ betitelt worden.

So oder so ähnlich hörten das auch die befreundeten Familien, die mit ihm in der ersten Reihe der Ilmenauer Festhalle saßen. Man sei erschrocken gewesen über diesen Umgang mit dem Publikum. „Wir haben das als Unverschämtheit empfunden, das war ungehörig“, erinnerte sich eine Zeugin. Allerdings gab es Erinnerungslücken, in welchem Programmkontext die Aussage gefallen sein könnte. Denn explizit um die Jagd ging es in dem Silvesterauftritt gar nicht. Die betreffende Künstlerin hatte allenfalls eine Soloeinlage als Soldatin und gemeinsam mit einem Kollegen ein Duett als Polizistin, die in dem Sketch zwei Demonstrationslager auseinander halten sollten.

Dabei fiel auch der Satz „schleppen Sie mal so einen fetten Störersack von der Piste“ -- in Anspielung auf Sitzblockaden, schilderte ein Musiker den Ablauf des Abends. Er wie auch die anderen Mitwirkenden haben weder die Beleidigung eines Gasts gehört, noch der betreffenden Darstellerin irgendetwas angemerkt, der alle Zeugen aus den Reihen des Kabaretts so etwas ohnehin nicht zugetraut hätten. Der angehörte Berichterstatter für die Zeitung über jenen Abend vernahm nichts dergleichen, ebenso wie eine weitere Zuschauerin, die auch ganz vorn saß.

„Ich bin selbst nicht die Schlankste. Wäre so ein Wort gefallen, hätte mich das persönlich berührt“, versicherte sie. Geschäftsführer Dieter Richter ging das Thema sichtlich nahe. Seit ihrem 65-jährigen Bestehen habe es so einen Vorwurf an das Kabarett noch nicht gegeben, sagte er. „Wir sind ja nicht in selbstmörderischer Absicht unterwegs“, bestätigte ein Schauspieler. Würde bei einer Veranstaltung ein Gast beleidigt werden, bräuchte sich das Ensemble in dieser Stadt jedenfalls nicht mehr blicken zu lassen.

Richter Jörg Türpitz‘ Bestandsaufnahme gegen Ende der mehrstündigen Verhandlung: Es stand Aussage gegen Aussage – und dabei wolle er niemandem unterstellen, absichtlich falsches Zeugnis abgegeben zu haben, betonte er. Hätte er im Lauf der Sitzung diesen Eindruck gehabt, hätte er als Strafrichter schon von Amts wegen handeln müssen. Der Klage drohte schließlich die Abweisung.

Der Anwalt des Klägers schlug vor, statt des beantragten Schmerzensgelds den Betrag einem gemeinnützigen Verein zukommen zu lassen und erntete damit den Einspruch von Dieter Richter. „Das käme ja einem Schuldeingeständnis gleich“, fand er. Der Geschäftsführer war sicher, dass es diesen Vorfall nicht gegeben hat. „Dafür lege ich meine Hand ins Feuer“, erklärte er. Letztlich einigten sich beide Seiten darauf, die Klage zurückzuziehen und auf eine Kostenerstattung zu verzichten. Demnächst hat ein Teil der „Pfeffermühle“ wieder einen Termin in Ilmenau. Diesmal steht das Silvesterkabarett unter dem Motto „Agenda 007“.

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