Drogenproblem nimmt zu: Kriminalstatistik Jena vorgestellt

Jena hat ein zunehmendes Drogenproblem. 2011 stieg die Anzahl der Betäubungsmitteldelikte um das Doppelte. Beschaffungskriminalität und deutlich höhere Gewaltbereitschaft sind die Folgen.

Polizeioberrat René Treunert ist Leiter der Polizeiinspektion Jena. Foto: Lutz Prager

Polizeioberrat René Treunert ist Leiter der Polizeiinspektion Jena. Foto: Lutz Prager

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Jena. Die gute Nachricht zuerst: Jena ist kriminalpolizeilich gesehen das, was man ein ruhiges Pflaster nennt. Trotz eines deutlichen Zuwachses an Bevölkerung und Studenten sank die Zahl der Straftaten seit 2006 kontinuierlich. Für das vergangene Jahr weist die gestern vorgestellte Kriminalstatistik erstmals weniger als 6000 Straftaten (5931) aus. Mit 58,6 Prozent ist allerdings auch die Aufklärungsquote um mehr als 5 Prozent gesunken.

Jenas Polizeichef René Treunert erklärt das mit den 2010 aufgeklärten Serieneinbrüchen in Autos, die in privaten Tiefgaragen abgestellt waren. "Das hatte die Aufklärungsquote damals statistisch deutlich in die Höhe getrieben", so Treunert.

Diebstähle waren auch 2011 das hauptsächliche Betätigungsfeld der Ermittler, gefolgt von Vermögens- und Fälschungsdelikten sowie Körperverletzungen. Gestohlen werden in Jena vor allem hochwertige Fahrräder oder Fahrradteile. "Einen Schwerpunkt können wir dabei nicht ausmachen", sagt Treunert. Fahrradabstellplätze an der Uni seien genauso betroffen wie Keller in den großen Wohngebieten.

"Bei den Fahrraddiebstählen handelt es sich in erster Linie um Beschaffungskriminalität", so der Inspektionsleiter. Die Drogenszene wachse in Jena inzwischen deutlich an. Die Zahl der Drogen-Delikte habe sich mit 193 im vergangenen Jahr verdoppelt. "Diese Zahl hört sich zunächst nicht so dramatisch an. Sie widerspiegelt aber auch nur die Fälle, die wir bei Kontrollen oder im Zusammenhang mit anderen Straftaten aufdecken", erklärt Treunert. Ein deutliches Indiz für den wachsenden Drogenkonsum ist laut Polizei die weiter sinkende Hemmschwelle zu Gewalt, etwa bei randalierenden Fußballfans.

"Sorgen macht uns aber auch die Gewalt gegen Polizeibeamte. Solche Delikte sind massiv gestiegen und nicht selten fällt der anschließende Drogentest beim Täter positiv aus", sagt Treunert. Beispiel: In der Johannisstraße schleuderte ein junger Mann, der kontrolliert werden sollte, sein Fahrrad gegen die Beamten. "Drogenkonsum enthemmt und hat dadurch verheerende Wirkungen", sagt der Polizeichef. Ein anderes Beispiel für Gewalt gegen Ordnungshüter war der Wurf mit einer leeren Glasflasche auf einen Polizisten auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt. Der Beamte wurde am Kopf getroffen. Die alkoholisierten Jugendlichen wurden festgenommen.

Hinter den Zahlen der Statistik verbergen sich aber auch Fälle zum Schmunzeln. So gab ein Bürger im Fundbüro einen USB-Stick ab. Als die Mitarbeiter nach den Daten auf dem Stick schauten, fanden sie Bilder einer Cannabis-Planatage, womit aus dem Fundstück ein Fall für die Polizei wurde. Sie ermittelte den illegalen "Hanfbauern". Auch der Einbruch in eine Apotheke im Westviertel fand bei der Tatortbesichtigung eine nicht alltägliche Aufklärung. Ein Mann, der nicht mehr wusste, wie er in den Laden gekommen war, hatte sich dort schlafen gelegt und wurde durch Beamte geweckt.

Deutlich zugenommen hat im vergangenen Jahr die Suche nach Vermissten. Dabei geht es nicht mehr in erster Linie um Kinder und Jugendliche, sondern um ältere Menschen mit Demenzerkrankungen. "Ich gehe davon aus, dass diese Art der Hilfeleistung in den nächsten Jahren noch zunehmen wird", sagt Treunert. Bei der Vermisstensuche wird von der Handyortung bis zum Hubschrauber mit allen technischen Mitteln gearbeitet.

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