Eduard-Rosenthal-Denkmal bewegt Menschen und Gedanken

Jena.  In Jena ist Eduard Rosenthal ins kollektive Gedächtnis zurückgeholt worden. Ein Denkmal erinnert an den zweimaligen Rektor der Universität und Vater der Thüringer Landesverfassung.

Der jüdische Rechtswissenschaftler Eduard Rosenthal (1853-1926) war zweimal Rektor der Universität Jena und in der Landespolitik aktiv und er gilt als Vater der Thüringer Landesverfassung. Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz schufen ein Denkmal entlang der Wirkungsorte Eduard Rosenthals.

Der jüdische Rechtswissenschaftler Eduard Rosenthal (1853-1926) war zweimal Rektor der Universität Jena und in der Landespolitik aktiv und er gilt als Vater der Thüringer Landesverfassung. Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz schufen ein Denkmal entlang der Wirkungsorte Eduard Rosenthals.

Foto: Jens Meyer/Universität Jena

Selbst wer klein ist, muss sich bücken, um durch das Loch in der Fassade am Hauptgebäude der Jenaer Universität zu blicken. Dort wird in einer Messinghülse zu lesen sein: Eduard Rosenthal (1853-1926) – Ordentlicher Professor für öffentliches Recht und Rechtsgeschichte – Rektor der Universität.

Gestern vollenden Horst Hoheisel und Andreas Knitz hier erst einmal den Mauerdurchbruch. Zuschauer sind die Gäste der Einweihung der Jenaer Standorte des Denkmals der Künstler. Nach kurzem Festakt in der Aula wurden sie – Corona bedingt mit Abstand – unter den Namen der Kleinstaaten, die sich 1920 zum Land Thüringen zusammenschlossen, zu kleinen Gruppen sortiert. Vom Hauptgebäude bewegen sie sich nun, geleitet von jeweils einem Schauspieler, auf Zeitreise zu Eduard Rosenthal durch Jena.

Zeitreise nähert sich dem Rektoran Orten seines Wirkens

Fixpunkte der theatralen Spurensuche sind die Jenaer Standorte der „Erkundungsbohrungen“ der Botho-Graef-Kunstpreisträger Horst Hoheisel und Andreas Knitz: Unihauptgebäude, Volkshaus und Villa Rosenthal. Anke Heelemann (Recherche und Regie) hat dafür Wissenswertes, Erhellendes, Anrührendes über den Mann zusammengetragen, der mit dem 2018 ausgelobten Botho-Graef-Kunstpreis „Das verschwundene Bildnis“ ins kollektive Gedächtnis zurückgeholt wird: Eduard Rosenthal (1853-1926), Rektor der Universität Jena, Vater der ersten demokratischen Verfassung Thüringens von 1920, Demokrat, Mäzen, Rechtsgelehrter, deutscher Jude.

Die Zeitreise nähert sich ihm an authentischen Orten seines Wirkens und berührt immer wieder die Frage: Wer ehrt wie wen und warum? In Jena wird darüber schon lange nachgedacht und gestritten. Ein neuer, das Gewohnte hinterfragender Ansatz wird gefunden, als vor vier Jahren Verena Krieger, Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte, mit Studenten das Konzept eines dezentralen Denkmals für Eduard Rosenthal entwickelt. Denn – als der für seine wegweisenden Leistungen hoch angesehene Eduard Rosenthal 1926 stirbt, wird sein posthum gemaltes Bildnis im Rektorenzimmer aufgehängt. Als die Nazis die Macht übernehmen, wird das Gemälde des Demokraten und Juden abgehängt und ist seit 1944 verschollen.

Seit gut zwei Jahrzehnten setzt Jena immer wieder starke Zeichen, den Vergessenen ins Bewusstsein zurück zu holen. Das will auch der 2018 der in Zusammenarbeit mit der Universität ausgelobte Wettbewerb für ein dezentrales Denkmal „Das verschwundene Bildnis“, den Verena Krieger kuratiert. Die Jury entscheidet sich für „Erkundungsbohrungen“ des weit über Deutschland hinaus bekannten Künstler-Duos Hoheisel und Knitz.

Wer nach Rosenthal sucht,muss sich in Bewegung setzen

Deren Idee überzeugt, in Jena, Weimar und Erfurt Löcher in Gebäude zu bohren, an denen Rosenthals Engagement greifbar ist, worauf jeweils knappe Informationen beim Blick in eine Messinghülse hinweisen. Gewiss ist es Absicht der Künstler, die Bohrung am Uni-Hauptgebäude so anzubringen, dass man sich verneigen muss, sie am Volkshaus so zu platzieren, dass mancher sich strecken muss. Man kann nur allein durch die Hülse schauen, denn dieses Denkmal fordert den Einzelnen. Wer nach Eduard Rosenthal sucht, muss sich in Bewegung setzen und aktiv werden.

Ähnlich der Zeitreise zur Einweihungam Donnerstag werden bis Sonntag,11. Oktober, an fünf Terminen Touren durch Jena angeboten. Mehr Informationen im Netz unter:www.eduard-rosenthal.de