FC Carl Zeiss Jena: Interimstrainer René Klingbeil im Glück

Jena.  Beim 2:1-Debüt-Sieg gegen Zwickau hat der FC Carl Zeiss Jena endlich einmal das, was bisher fehlte: Einen Trainer mit einem glücklichen Händchen

René Klingbeil (links) bedankt sich nach dem Spiel bei Anton Donkor.

René Klingbeil (links) bedankt sich nach dem Spiel bei Anton Donkor.

Foto: Tino Zippel

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Ein dicker roter Kreis ziert künftig den 10. Februar 2020 im Kalender von René Klingbeil. Erstes Spiel als verantwortlicher Coach in der 3. Fußball-Liga, erster Sieg. „Das ist dieses Glück, das du als Interimstrainer brauchst“, sagte der 38-Jährige nach dem knappen 2:1-Erfolg seines FC Carl Zeiss Jena über den FSV Zwickau am Montagabend.

Und Glück gehört auch im professionellen Fußball dazu, wo alles immer haarklein geplant wird. Fortuna war „Klinge“, so der Spitzname des Trainers, an diesem Montag jedenfalls hold. Das ging schon damit los, dass Sturmtief „Sabine“ dann doch nicht ganz so stürmisch übers Ernst-Abbe-Sportfeld fegte und die Begegnung nicht abgesagt werden musste. Sehr zur Freude der Jenaer Spieler, die nach dem Rausschmiss von Trainer Rico Schmitt unbedingt zeigen wollten, was sie können. „Sabine heißt übrigens meine Mutter“, sagte Klingbeil und grinste.

Gewogen war die Glücksgöttin dem Interimscoach und seinen Spielern auch beim entscheidenden Treffer von Maximilian Rohr in der 87. Minute. Immer wieder hatte Klingbeil zuvor gerufen: „Max geht’s? Max geht’s?“ Eigentlich wollte er seinen Sechser auswechseln. Doch Rohr hielt durch und den Kopf genau im richtigen Moment nach einem Freistoß von Jannis Kübler hin. Der 2:1-Siegtreffer war perfekt.

Ein glückliches Händchen bewies Klingbeil auch bei seiner Aufstellung. Wer aus der Jenaer Dreierkette für Aytac Sulu, der erstmals von Beginn an spielte, weichen sollte, sei am Ende eine Bauchentscheidung gewesen, erklärte der gebürtige Berliner. Es traf Nico Hammann. Und Dominic Volkmer, Marius Grösch und eben Sulu machten ihre Sache gut.

Letzterer erzielte auch per Kopf nach einem Eckball den Ausgleich (76.), nachdem Fabio Viteritti die Sachsen per berechtigtem Elfmeter in der 43. Minute in Führung gebracht hatte. „Aytac ist bei Standards eine Waffe, das hat er schon im ersten Training gezeigt“, sagte Klingbeil zum neuen Abwehrchef des FC Carl Zeiss.

Ansonsten war die 97. Auflage des Ostklassikers eine wenig ansehnliche Begegnung. Viel Krampf, viel Kampf und mit den Jenaern ein glücklicher Sieger. Sei‘s drum. Am Ende zählen nur die drei Punkte. Und auch René Klingbeil weiß: „In unserer Situation helfen nur Siege.“ Elf Zähler fehlen dem Schlusslicht immer noch auf das rettende Ufer.

Aber der Interimstrainer hat ein Hoffnungsfünkchen entfacht. Als Ausdruck eines funktionierenden Mannschaftsgefüges habe er wahrgenommen, wie die gesamte Bank beim Siegtreffer aufgesprungen und zum Feiern aufs Feld gestürmt sei – selbst Mannschaftsleiter Uwe Dern. „Und der ist nicht mehr der Jüngste“, sagt Klingbeil.

Schon am Dienstag war die Feierlaune ob des vierten Saisonerfolges aber passé. Mit voller Konzentration lief die Vorbereitung auf das Spiel am Sonntag bei Waldhof Mannheim an. Nach einer Trainingseinheit wollte Klingbeil mit einer akribischen Videoanalyse des Kontrahenten beginnen. Er weiß: Glück kann man auch erzwingen.

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