Jenaer Reisebüros verzeichnen Rückgang bei Reiseziel Griechenland

Die Griechenland-Krise ist in den Jenaer Reisebüros klar zu spüren. Prognose: Preis-Nachlässe der Griechen fördern die Nachfrage

Mag Griechenland als Reiseziel derzeit auch nicht die Nr. 1 sein: Eine Schublade voll Griechenland-Reisekatalogen hält Cornelia Kreinberger im Reisebüro "Grenzenlos" bereit. Foto: Thomas Stridde

Mag Griechenland als Reiseziel derzeit auch nicht die Nr. 1 sein: Eine Schublade voll Griechenland-Reisekatalogen hält Cornelia Kreinberger im Reisebüro "Grenzenlos" bereit. Foto: Thomas Stridde

Foto: zgt

Jena. Griechenland? Nein, danke! – Das EU-Sorgenkind Nr. 1 übt derzeit auch auf Urlaubswillige in Jena fast gar keine Anziehungskraft aus. "Kaum Buchungen, kaum Nachfragen!", so schätzte gestern Urte Curth als Büroleiterin beim Reiseservice "Jenatours" im Teichgraben die Lage ein. Bei den Preisen gebe es bislang "nicht wesentliche" Nachlässe. "Wenn die nicht runtergehen, wird es schwierig."

Immerhin habe im vorigen Jahr die Griechenland-Nachfrage im Last-Minute-Segment noch angezogen. Und in welche Alternativ-Richtungen haben die einstigen Griechenland-Fans nun gebucht? Ganz klar: "Kroatien, Türkei – das sind die absoluten Gewinner."

Spanien und die Türkei sind in der Agentur "Reiseland" in der Oberlauengasse 2 die großen Alternativen, wie Büroleiterin Alexandra Lärz sagte. Kroatien dürfte aus ihrer Sicht wohl insofern nicht erste Ausweich-Adresse sein, als das Adria-Land kaum große Strände zu bieten hat und deshalb weniger Anlaufpunkt für den klassischen reinen Bade-Urlaub sein kann. Alexandra Lärz macht sich auf die Zurückhaltung bei den Griechenland-Buchungen so ihren Reim: "Die Inseln sind ja von den Unruhen nicht so betroffen. Aber die Deutschen sind vorsichtig – und meiden das ganze Land."

André Ehrenberg vom Reisebüro "Grenzenlos" in der Johannisstraße 23 umriss das Maß der georderten Griechenland-Reisen im Vergleich zum Vorjahr so: "Zwei Drittel weniger – mindestens!" Leute, die bislang Griechenland bevorzugten, würden oft erklären: Wir warten mal ein Jahr ab und gucken, wie es sich entwickelt hat. Ehrenberg ist aber "fest überzeugt, dass die griechischen Hoteliers alles versuchen, um sich per Preis-Nachlass doch noch hinreichend interessant zu machen". Die üblichen Kataloge würden noch keine Preis-Bewegungen enthalten. "Besonders schlimm wäre es, würden sich die Proteste auf Rhodos, Kreta und Kos ausweiten", sagte Ehrenberg. "Aber ich denke: Nein, die werden einen Teufel tun. Gerade auf den Inseln leben die doch vom Tourismus."

Ein Trugschluss sei es, zu vermuten, dass die Ausweich-Buchungen (vor allem Türkei, Bulgarien und Spanien) den Büros jegliche Umsatz-Sorgen nehmen. Ehrenberg: "Förderlich ist so etwas wie der 'Fall Griechenland' nie." Manch einer lenke nun zudem um auf den individuellen Ostsee-Aufenthalt. Aber auch da lohne sich ein Preisvergleich.