Baumärkte in Nordhausen nutzen Bestellservice als Strohhalm im Lockdown

Nordhausen  Betreiber wollen so vor allem Kunden halten und nicht allein Onlinehändlern das Geschäft überlassen.

Toom-Baumarktleiter Holger Daenell arbeitet mit seinen Kollegen Barbara Ziegler, Tobias Ostmann und Martina Müller die Bestellungen ab. 

Toom-Baumarktleiter Holger Daenell arbeitet mit seinen Kollegen Barbara Ziegler, Tobias Ostmann und Martina Müller die Bestellungen ab. 

Foto: Kristin Müller

Zwischen den Gängen ist es dunkler als sonst, die Kassen sind unbesetzt. Kundschaft? Fehlanzeige. Seit am 16. Dezember Deutschland in den zweiten harten Lock-Down ging, darf der Nordhäuser Toom-Baumarkt wie alle anderen Märkte der Art nicht öffnen.

Eine seit Montag geltende Ausnahme aber beschert nun doch Martina Müller und ihre Kollegen bei Toom viel Arbeit: Leute können telefonisch oder online Waren bestellen, diese vor dem Markt online bezahlen und kontaktlos abholen. „Allein übers Wochenende gingen 80 Bestellungen online ein“, berichtet Marktleiter Holger Daenell. Seine Mitarbeiter ziehen nun selbst mit dem Wagen los, um aus den Regalen die gewünschten Artikel zu holen.

Was zurzeit vor allem gefragt ist, beschreibt Florian Kramm, Geschäftsführer der Reika Warenhandelsgesellschaft, zu der die Herkules-Baumärkte in Nordhausen und Niedersachswerfen gehören: „Wenn etwas zuhause kaputt geht, etwa ein Bohrer abbricht oder ein Wasserhahn undicht ist, wollen die Leute Ersatz. Sie kaufen zurzeit das, was sie wirklich brauchen.“ Da viele – zwangsweise in Kurzarbeit – die Zeit des Lock-Down fürs Renovieren nutzen, werde auch dafür einiges benötigt, weil beispielsweise die Tapetenrollen im Keller nicht ausreichen oder der Kleister eingetrocknet ist.

Die mittels „Click & Collect“ generierten Umsätze seien allerdings „sehr, sehr überschaubar“, betriebswirtschaftlich lohne das Geschäft eigentlich nicht. „Wir machen es trotzdem, weil wir nicht wollen, dass unsere Kunden ins Internet abwandern“, erklärt Florian Kramm.

Auch der Sonderpreis-Baumarkt in Bleicherode nimmt seit Montag Bestellungen online an. „Wenn wir so 50 Prozent der normalen Umsätze erzielen, wäre ich schon glücklich. So könnten wir zumindest die anfallenden Mitarbeiterkosten decken“, meint Geschäftsführer Dirk Schwedhelm. Neben vier Festangestellten arbeiten zwei Leute in Teilzeit in dem Markt, aktuell alle aber zu maximal 50 Prozent ihrer regulären Arbeitszeit.