Betlokal war Vorgänger einer Synagoge in Nordhausen

Nordhausen.  Die 1808 neu gegründete jüdische Gemeinde pachtete ein Betlokal in der heutigen Dr.-Külz-Straße von Nordhausen.

Der siebenarmige Leuchter ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums.

Der siebenarmige Leuchter ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums.

Foto: Michael Steinfeld

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Schon vor dem Bau der Synagoge am Pferdemarkt traf sich die 1808 neu gegründete jüdische Gemeinde, um Gottesdienst zu feiern. Dazu wurde ein Betlokal gemietet.

So fiel für den Posten „Synagogen Miethe“ im Jahr 1812 ein Betrag von 22 Reichsthalern und im Jahr 1813 ein Betrag von 17 Reichsthalern an. Am 31. Juli 1821 wurde ein heute noch vorliegender Vertrag für die Pacht einer Synagoge im Hintergebäude zum Wohnhaus Nr. 525 in der Ritterstraße ab dem 1. September 1821 geschlossen.

Wegen der im Vertrag genannten Treppe zur Synagoge ist davon auszugehen, dass sie sich im zweiten Stockwerk befand. Die jährliche Pachtsumme belief sich auf 50 Reichsthaler. Vertragspartner waren der Bürger Christoph Friedrich Ehrhardt, der eine Brauerei betrieb, und die jüdische Gemeinde, vertreten durch Vorsteher Meyer Abraham Ilberg, Rechnungsführer Michael Moses Oppenheimer, Zeremonienregisterführer Isaac Bach und Gemeindemitglied Abraham Lehmann Holländer.

Im Vertrag verpflichtete sich Ehrhardt, dass er die Synagoge auf seine Kosten vergrößern, eine Treppe in die Synagoge errichten und zwei nicht zu öffnende schmale Fenster einbauen lassen würde. Um das friedliche Miteinander zu wahren, wurden im Vertrag auch Regeln aufgestellt. So sollte am Sabbat und an hohen Festtagen kein Dung vom Hof gefahren werden. Während der Gottesdienste sollten Störungen durch Ehrhardt und seine Leute unterbleiben. Die Pächter mussten dafür sorgen, dass durch die Lichter im „Tempel“ kein Schaden angerichtet wurde und den Synagogendiener instruieren, auf die Lichter und deren Auslöschung besonders zu achten.

Im Adressbuch vom Jahr 1834 ist die Synagoge weiterhin mit derselben Adresse aufgeführt. Dies zeigt, dass die Gemeinde nach Ablauf der ersten neun Jahre, für die der vorliegende Mietvertrag geschlossen war, das Gebäude weiterhin nutzte. Das Haus von Ehrhardt stand 1833 zum Verkauf. Für das Haus gab es bereits einen Kaufinteressenten, der beabsichtigte, dort eine Gastwirtschaft einzurichten. Der jüdischen Gemeinde erschien es wahrscheinlich, dass er die Synagoge dort nicht belassen wollte. Jedoch nahm die jüdische Gemeinde Abstand davon, das Haus selbst zu erwerben, da sie es nicht für einen Anbau geeignet hielt. Vielmehr wurde der Vorsteher damit beauftragt, neue Räumlichkeiten für eine Synagoge zu suchen.

Wohl muss der Kaufinteressent es sich anders überlegt haben, da das Betlokal in der Ritterstraße bis ins Jahr 1845 genutzt wurde. Zunehmend gab es Mahnungen des Magistrats, das Betlokal in der Ritterstraße aus feuerpolizeilichen Gründen nicht mehr zu nutzen. Das Gebäude war Anfang der 1840er-Jahre inzwischen „so baufällig, daß es keinen Schutz vor Regen und Wind mehr bot“. 1841 erhielt die jüdische Gemeinde die königliche Erlaubnis zur Errichtung einer Synagoge, nachdem ihr bereits 1838 der Kauf eines Grundstücks erlaubt worden war.

Die Autorin ist Historikerin aus Nordhausen. Weiterführende Forschungsergebnisse zur jüdischen Gemeinde in Nordhausen im 19. Jahrhundert nebst ausführlichen Quellenangaben finden sich in ihrer im Verlag der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung im Jahr 2018 erschienenen Dissertation „Vom reichsstädtischen Schutzjuden zum preußischen Staatsbürger jüdischen Glaubens. Chancen und Grenzen der Integration der Nordhäuser Juden im 19. Jahrhundert.“

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