Neue Strategie für Tourismus im Südharz

Nordhausen.  Neue Tourismusstrategie für die Region Südharz-Kyffhäuser benennt Leitthemen statt Leuchttürme

Der Tourismusverband Südharz-Kyffhäuser um Jessica Piper als Vorstand präsentierte die neue Tourismusstrategie für die Region.

Der Tourismusverband Südharz-Kyffhäuser um Jessica Piper als Vorstand präsentierte die neue Tourismusstrategie für die Region.

Foto: Kristin Müller

Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor. Was aber muss die Region tun, um möglichst viele Gäste anzulocken? Südharz und Kyffhäuser mögen eine der lebenswertetesten Regionen Deutschlands sein – die Konkurrenz um Touristen ist dennoch groß. Wie sich die Region auf dem Markt am besten positionieren sollte, ist Thema der neuen Tourismusstrategie.

„Da uns Gemeinschaft so wichtig ist, haben wir keine Leuchtturmprojekte benannt“, begründet Jessica Piper, Vorstand des Tourismusverbands Südharz-Kyffhäuser, die Fokussierung auf drei Leitthemen. Das erste, Sagen & Mythen, eigne sich zur Profilierung, betont Kristine Honig von der Agentur Tourismuszukunft, die das Strategiepapier gemeinsam mit dem Tourismusverband erarbeitet hat. „Mit diesem Segment kann sich die Region von anderen absetzen. Radfahren dagegen kann man überall.“ Neben Sagen & Mythen sind Natur sowie das Gebiet Kultur & Geschichten die Leitthemen. Abgeleitet wurden diese aus den Stärken der Region – Natur, Gemeinschaft und Geschichte & Geschichten – und jenen Bevölkerungsgruppen, die man damit am besten zufriedenstellen kann. Um Letzteres gehe es bei der Zielgruppendefinition: „Maßgebend sollte nicht sein, wer das meiste Geld hat“, so Honig.

Den relativ wohlhabenden Konservativ-Etablierten könne die Region am ehesten in Kooperation mit den Nachbarregionen gerecht werden, mögen diese doch neben Theater und Museen Hotels mit mindestens vier Sternen oder hochwertige Ferienwohnungen. Und sie legen Wert darauf, gut essen zu gehen.

Deshalb sollte diese Zielgruppe nur nachrangig sein. Priorität indes sollten das sozial-ökologische Milieu sowie das liberal-intellektuelle Milieu haben. Rein statistisch machen diese etwa 14 Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Jene in erstgenannter Gruppe legen den Fokus auf Aktivitäten in der Natur, sie wohnen in Pensionen und Ferienwohnungen oder auch Bio-Hotels, mögen authentische Landesküche, essen gern auch vegetarisch oder vegan. Im liberal-intellektuellen Milieu spiele Kultur eine noch wichtigere Rolle, diesen Menschen genüge nicht das „kleine Versteckte“, vielmehr seien Jazz oder auch Klassik angesagt, ebenso Lesungen oder Museumsbesuche. Wandern sie oder fahren Rad, dann meist zu einem Ziel. Sie mögen vor allem Hotels zumindest mit drei Sternen, ebenso gutes regionales Essen, gern auch Weinverkostungen oder hochwertige Kochkurse.

Es gelte, im Marketing diese Zielgruppen anzusprechen, so Verbands-Vorstand Matthias Deichstetter. „Auf dem Weg werden wir viele mitnehmen“, blickt er auf andere Milieus. Auf den kritischen Einwand einer Bürgerin, dass das Wort „Kinder“ kein einziges Mal in der Strategie vorkommt, betont er, dass Familie „natürlich eine riesige Rolle“ spiele. „Wir lassen uns nicht davon abhalten, um diese zu werben.“ Die Zielgruppen seien eben nicht nach Alter differenziert, sondern nach Milieus, ergänzt Piper.

Landrat Matthias Jendricke (SPD) erinnerte an landesweite Vorgaben, die zu akzeptieren seien, um von bestimmten Förderprogrammen zu partizipieren. Entscheidend ist das Strategiepapier sowohl für die Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur als auch für das Marketing.

„Mit welchen touristischen Produkten wir die genannten Themen übersetzen, ist Aufgabe von uns allen“, stellt Piper klar. Das neue Papier sei Leitfaden für sämtliche touristische Akteure. Es entstand auch auf Basis mehrerer Beratungen mit touristischen Akteuren der Region, dem Marketingbeirat des Verbands, Vertretern der Thüringer Tourismusgesellschaft, dem Harzer Tourismusverband und dem Thüringer Wirtschaftsministerium.

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