Tierrechtler decken „Horror“-Zucht in Bleicherode auf

Bleicherode  Peta fordert per Petition eine Beschlagnahmung der Vierbeiner. Große Empörung im Internet nach Vox-Fernsehsendung

Einige Vierbeiner litten an schlimmen Augen- und Ohrenentzündungen und brauchten dringend medizinische Hilfe, schreibt Peta über die Erfahrungen in Bleicherode.

Einige Vierbeiner litten an schlimmen Augen- und Ohrenentzündungen und brauchten dringend medizinische Hilfe, schreibt Peta über die Erfahrungen in Bleicherode.

Foto: PETA Deutschland e.V.

Die Reaktionen sind so heftig wie vielfältig, teils sogar drakonisch: „Sofort einsperren wie ihre Tiere!“ „Kann das Ordnungsamt da nix machen?“ „Ich bin geschockt! Die armen Tiere! Wenn es nicht strafbar wäre, würde ich selber hinfahren und ein paar Tiere da rausholen!“ „Warum bekommt diese Person nur Auflagen?“

Nach einer Fernsehsendung auf Vox köcheln in Südharzer Facebook-Gruppen die Emotionen. Grund ist die Sendung „HundKatzeMaus“, in der der Kölner Privatsender am Samstag erstmals über die Zustände einer privaten Hundezucht in Bleicherode aufmerksam gemacht hat. Die ausgestrahlten Bilder, die Tierschutzdetektivin Judith Pein dabei mit versteckter Kamera aufgefangen hat, sind nichts für schwache Nerven und schon gar nichts für Tierfreunde: Demnach vegetieren auf einem völlig verwahrlosten Grundstück – übersät mit Tierleichenteilen und den Knochen bereits geschlachteter Tiere – insgesamt sechs Landseer-Hunde, ein Neufundländer sowie zig Schafe, Kaninchen und Enten.

Das Fernsehteam berichtet von beengten, düsteren Einzelzwingern, in denen gesundheitlich angeschlagene Hunde dahinsiechen, teils ohne Wasser. Viele Tiere stünden zentimeterhoch in ihren eigenen Fäkalien. Die Hufe der Schafe seien in katastrophalem Zustand, das Federvieh teils schon völlig ohne Gefieder, kritisiert zudem die Tierrechtsorganisation Peta. Die hatte den Fall gemeinsam mit Vox aufgedeckt, nachdem ein besorgter Bürger seine Beobachtungen über ein sogenanntes Peta-Whistleblower-Formular gemeldet hatte.

Peta deckt Tierquälerei in Bleicherode auf

Besonders pikant: Auf ihrer Internetseite präsentiert sich die Halterin, die für TA-Anfragen am Montag telefonisch nicht erreichbar war – als liebevolle Züchterin, die junge Hunde nur abgibt an jene Interessierte, die „Lust und Liebe zum Landseer“ sowie „Zeit und ein kleines Häuschen“ mitbringen. Sie selbst – so wollen es Vox und Peta per Langzeitüberwachung herausbekommen haben – habe sich dagegen nur zweimal am Tag und dann nur wenige Minuten um die Vierbeiner gekümmert. Ein Zuchtbuchführender Rassehundeverein, in der die beschuldigte Halterin laut eigenen Angaben im Internet Mitglied war, soll sie laut Vox nach dem Bericht bereits von allen Ämtern entlassen haben.

„Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass der ‚gute Züchter von nebenan‘ ein Mythos ist. Solche Haltungen sind noch immer verbreitet“, warnt mit Jana Hoger, eine Fachreferentin bei Peta Deutschland. Hier werde auf Kosten des Tierwohls Geld verdient. „Kein Mensch, der sich einen Hund beim ‚guten Züchter von nebenan‘ kauft, kann erahnen, unter welchen Zuständen die Vierbeiner wirklich gezüchtet und gehalten werden.“ Ihre Organisation hat deshalb eine Online-Petition gestartet, die das Veterinäramt in Nordhausen mit 10.000 Unterschriften zur Beschlagnahmung der Tiere in Bleicherode überzeugen will. „Das Leid muss beendet werden“, appelliert der gemeinnützige Vereine. Am Montagnachmittag hatten sich bereits über 6000 Menschen am Protest beteiligt. Nach der Vox-Sendung waren laut Sender vom Nordhäuser Veterinäramt bisher nur Auflagen erteilt worden, mit denen die Haltung, die Pflege und der Freilauf verbessert werden sollten.

Ob diese bereits umgesetzt sind und ob die Behörde das nun mehrmals kontrolliert, ist bislang unklar. Das Veterinäramt hat eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung bisher noch nicht beantwortet.

Zu den Kommentaren