Paradiesgarten für Tunzenhausen

Tunzenhausen.  Die Ackerflächen zwischen Sömmerda und Tunzenhausen sind riesig. Drei Schwestern wollen hier etwas für die Natur, vor allem für die Tiere tun.

Gert Müller und Sabine Wagner halfen mit,  am Freitag und Samstag auf einem Acker in Richtung Tunzenhausen einen Gehölzstreifen anzulegen. Mehr als 900 Bäume und Sträucher kamen in die Erde.

Gert Müller und Sabine Wagner halfen mit, am Freitag und Samstag auf einem Acker in Richtung Tunzenhausen einen Gehölzstreifen anzulegen. Mehr als 900 Bäume und Sträucher kamen in die Erde.

Foto: Peter Hansen

Die Erinnerungen an ihre Kindheit sind noch frisch: „Früher war das hier ein ganz liebliches Biotop. Ich habe mich hier selig gefühlt“, erzählt Sybilla Keitel. Die Bilder von bunten Schmetterlingen, summenden Bienen und vor allem ein ganz wunderbarer Duft von Blumen und Ackerkräutern habe sie ihr Leben lang begleitet.

Das Paradies gibt es nicht mehr

Vor zwei Jahren wurde dieses idyllische Bild zerstört. „Ich kam zurück nach Tunzenhausen und war entsetzt. Das Paradies von einst ist weg“, sagt sie. Die gesamte Landschaft des Thüringer Beckens sei ausgeräumt. Ohne Tümpel und Teiche und den Monokulturen gebe es nur noch Ödnis. Von den Dorfbewohnern habe sie erfahren, dass es weder Hasen, noch Füchse gebe. Von Fröschen ganz zu schweigen. „Was hier passiert ist, ist eine Naturkatastrophe!“, ist sie überzeugt.

Für sie und ihre beiden Schwestern Sabine Wagner und Kristina Keitel stand damit fest, dass vom Vater geerbte Land nicht weiter zu verpachten, sondern hier einen Beitrag für die Natur zu leisten und damit Geld in die Renaturierung zu stecken. „Für mich ist es eine Aktion gegen die eigene Verzweiflung“, sagt Sybilla Keitel. Das Gefühl möchte sie haben, beim allgegenwärtigen Thema Klimaschutz nicht nur mit dem Kopf genickt, sondern tatsächlich etwas getan zu haben.

Nabu-Kreisverband unterstützt Aktion

Bei allen notwendigen Ämtern machte sie sich schlau und klopfte die Bestimmungen für eine Pflanzaktion ab. „Nichts wäre schlimmer, wenn wir am Ende alle Bäume wieder rausreißen müssten“, sagt sie. Als Partner gewann sie die Mitglieder des Nabu-Kreisverbandes Sömmerda. Am Freitag und Samstag schritten die Männer und Frauen zur Tat. An der B 176 von Sömmerda in Richtung Tunzenhausen brachten sie auf einem 250 Meter langen und 18 Meter breiten Streifen etwa 930 Bäume und Sträucher in die Erde. Schlehen, Feldahorn, Weißdorn, Hartriegel, Pfaffenhütchen, Hainbuche, Wildbirne, Wildapfel und viele Weiden für die Bienen wurden gepflanzt. Bereits am Freitag wurden die Pflanzreihen und Abstände festgelegt. Das ging bei trockenem Boden gut über die Bühne. Das Pflanzen gestaltete sich am Samstag nach dem Regen schwieriger. Mehrfach mussten die Helfer dicke Schlammbatzen von ihren Gummistiefeln kratzen. Achim Maak aus Sömmerda störte das nicht. Als Jäger ist er gern und oft in der Natur. Mit der Pflanzaktion wolle er einen Beitrag für den Naturschutz leisten. „Macht doch sonst kaum einer“, so Maak.

Schwestern wollen Anstoß geben

Sybilla Keitel hofft, dass die Pflanzaktion Schule im Landkreis und darüber hinaus macht und andere animiert Gleiches zu tun. Als Künstlerin hat sie sich zusammen mit ihrem Mann Gert Müller schon länger dem Thema Naturschutz verschrieben. Gegründet haben sie nicht nur die Bürgerinitiative „Pestizidfreie Uckermark“, auch eine aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Irrweg Pestizide“, bei der Probleme, aber auch Lösungen aufgezeigt werden, stoße auf bundesweite Beachtung.

Ein Wunsch von Detlev Schneider, dem Chef des Nabu-Kreisverbandes, ist es, die Schau auch in Sömmerda zu zeigen. Er kündigte an, entlang des neu angelegten Gehölzstreifens auch eine Blühmischung aufzubringen. Insgesamt sei für ihn die Aktion eine „ganz wunderbare Sache“.

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