Perspektiven eines gewaltfreien Lebens

Landkreis.  Fotoausstellung stellt das Thema Gewalt gegen Frauen weder plakativ noch klischeehaft dar

Gleichstellungsbeauftragte Alexandra Meckling und Ellen Van Hooff von der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt eröffnen die Ausstellung „diversité“ im Landratsamt in der Wielandstraße.

Gleichstellungsbeauftragte Alexandra Meckling und Ellen Van Hooff von der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt eröffnen die Ausstellung „diversité“ im Landratsamt in der Wielandstraße.

Foto: Annett Kletzke

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130 Frauen haben im 2018 im Erfurter Frauenhaus Hilfe gesucht. „650 Beratungsgespräche hat es gegeben. Auch Frauen aus dem Landkreis Sömmerda haben unsere Angebote genutzt“, sagt Marjana Dunkel von der Anlaufstelle. Grund genug, die Fotoausstellung „diversité“ (deutsch: Vielfalt) im Sömmerdaer Landratsamt in der Wielandstraße zu zeigen. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Erfurter Frauenhauses und der Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt. Letztere ist für das Gebiet der Landespolizeiinspektion Erfurt und damit auch für den Landkreis zuständig. Wie Mitarbeiterin Ellen Van Hooff berichtete, sind es dort 250 bis 300 Fälle, die pro Jahr gemeldet werden. „Gut zwei Drittel werden uns über die Polizei vermittelt, ein Drittel der Opfer kommt von selbst“, sagte sie.

Für die Eröffnung wurde der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen gewählt. Anliegen ist es, auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Die Erfurter Fotografin Carolin Pfleger stellt dabei Frauen in ihren Bildern ausdrucksstark und würdevoll zur Schau. „Die Bilder zeigen Perspektiven eines gewaltfreien Lebens“, erklärte Marjana Dunkel die Botschaft der Schau, die bis zum 13. Dezember im Landratsamt besichtigt werden kann.

Zu viele Lücken in der Versorgung

Marjana Dunkel arbeitet seit 15 Jahren im Frauenhaus Erfurt. Wie sie berichtete, hat Gewalt im häuslichen Bereich nicht zugenommen. Heute jedoch würden Gewalttaten anders in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Sie wünscht sich, dass das Thema mehr in den Fokus der Politik rückt, sieht sie doch in der Versorgung der Frauen Lücken. Fehlende Barrierefreiheit in den Frauenhäusern führt sie als ein Beispiel an. Ein anderes ist die Hilflosigkeit gegenüber Sucht- oder psychisch Kranken. „Sie können wir aufgrund der aktuellen Fördermodalitäten nicht aufnehmen“, sagte sie.

Wie Alexandra Meckling, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, informierte, startet am Donnerstag eine Kampagne gegen häusliche Gewalt. Ab 10 Uhr gibt es einen Info-Stand auf dem Sömmerdaer Markt. Außerdem gibt es in vielen Bäcker-Filialen Brötchentüten mit den Botschaftsflyern „Achte auf dein Umfeld - Häusliche Gewalt kommt nicht in die Tüte!“.

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