Zeitarbeiter spüren Konjunkturknick zuerst

Landkreis.  Im Großen heißt es Konjunkturklimaindex, im Kleinen IHK-Umfrage. Die Erwartungen der Firmen im Landkreis haben sich zum Vorjahr eingetrübt.

Kerstin Schreiber (r.) führt Produktionsleiter Nils Fernholz, Markus Heyn von der IHK und Touristikfachwirtin Melanie Naumann durch das Funkwerk. Dem Kölledaer Unternehmen geht es gut. Die Digitalisierung im rollenden Verkehr gewinnt zunehmend an Fahrt. Beschäftigt sind aktuell 250 Mitarbeiter. In den Kölledaer Standort will das Unternehmen 2020 weiter investieren.

Kerstin Schreiber (r.) führt Produktionsleiter Nils Fernholz, Markus Heyn von der IHK und Touristikfachwirtin Melanie Naumann durch das Funkwerk. Dem Kölledaer Unternehmen geht es gut. Die Digitalisierung im rollenden Verkehr gewinnt zunehmend an Fahrt. Beschäftigt sind aktuell 250 Mitarbeiter. In den Kölledaer Standort will das Unternehmen 2020 weiter investieren.

Foto: Annett Kletzke

„Wir sind gut aufgestellt“, zieht Nils Fernholz, Produktionsleiter der Günther Spelsberg GmbH & Co. KG in Buttstädt für das zu Ende gehende Jahr Bilanz. Der Betrieb, der Elektroinstallations- und Gehäusetechnik herstellt, habe den angepeilten Umsatz für 2019 nur knapp verfehlt. Neben den 120 Mitarbeitern werden derzeit 13 Leiharbeiter beschäftigt, die schon länger für das Unternehmen tätig sind. Auch mit Blick auf Neueinstellungen und Investitionen, alles Indikatoren, die bei der Konjunkturbefragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt eine Rolle spielen, winkt Fernholz nicht ab. So seien Neueinstellungen zwar nicht groß geplant, doch bei Stellenwegfall werde für Ersatz gesorgt. Darüber hinaus kündigte er Investitionen für 2020 im sechsstelligen Bereich an. Vor allem in Optimierungsprozesse soll das Geld fließen.

Damit sei das Buttstädter Unternehmen ein Leuchtturm im Landkreis Sömmerda. Die zweimal im Jahr von der IHK erhobene Konjunkturumfrage unter 80 Betrieben zeichnet dagegen ein eher verhalteneres Bild. So habe sich die konjunkturelle Entwicklung im Landkreis im Herbst auf niedrigem Niveau stabilisiert.

Abbau der Zeitarbeiter

Kerstin Schreiber, Vorstand der Funkwerk AG und Vizepräsidentin der IHK Erfurt, machte dies zur Veröffentlichung der Umfrageergebnisse an Zahlen fest. So bewege sich mit 98 von 200 möglichen Prozentpunkten der Konjunkturklimaindex weiterhin deutlich unter dem Niveau des langjährigen Durchschnitts von 107 Prozent. Wie sie sagte, gibt es Unternehmen, die skeptisch, aber auch Betriebe, die positiv auf die Zukunft blickten. Vor allem Metall- und Maschinenbaubetriebe, die als Zulieferer für die Automobilindustrie tätig sind, würden die Einschnitte spüren. Dass im großen Stil Zeitarbeitskräfte abgebaut wurden, sei eine Folge dieser Entwicklung. Dass die aktuelle Arbeitslosenquote im Landkreis mit 5,3 Prozent nur knapp über dem Wert von 2018 mit 5,1 Prozent liege, sei für sie ein Zeichen, dass die Zeitarbeiter in anderen Branchen Beschäftigung fanden. Der Abbau der Zeitarbeitsplätze sei ein Mittel, um die Kernarbeitsplätze zu schützen.

Kurzarbeit noch kein großes Thema

Anders als in Eisenach oder Hildburghausen sei im Landkreis Sömmerda die Kurzarbeit aktuell noch kein großes Thema. „Betriebe halten sich zurück, um nicht die falschen Signale zu setzen. Sie greifen lieber auf andere betriebliche Lösungen zurück“, sagt Schreiber.

Deutlich sei, dass es kaum noch Tendenzen zur Einstellungen gebe. Das sah vor einem Jahr noch anders aus. Damals gaben 40 Prozent der befragten Unternehmen an, einstellen zu wollen. „Jetzt im Herbst war es nicht einer“, so Schreiber. Mit zwölf Prozent weniger im Vergleich zu 2018 ging auch die Zahl der freien Stellen zurück. Ebenso rückläufig sind die Pläne für zusätzliche Investitionen. Gaben im Herbst 2018 noch 36 Prozent der Firmen an, investieren zu wollen, waren es jetzt noch 19.

Von einem „turbulenten Jahr“ spricht Melanie Naumann. Die Geschäftsführerin von Terramania Reisen musste nicht nur die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania und des Reiseveranstalters Thomas Cook verkraften, Kurzarbeit in der Region bekommt auch sie zu spüren. Um am Markt mit ihren zwölf Mitarbeitern bestehen zu können, sucht sie mit individuellen Gruppenreisen und Serviceleistungen Nischen.

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